Beide Genthiner Wassertürme sind schon in die Jahre gekommen. Neben dem Wahrzeichen der Stadt gibt es den kleineren Wasserturm am Bahnhof.

Genthin l Der Wasserturm, der unmittelbar am Elbe-Havel-Kanal steht, wurde 1935 für die Trinkwasserversorgung der Stadt gebaut und ist auch schon 78 Jahre alt. Einst schmückten ihn acht Figuren, wovon vier von den einmarschierten Truppen der Roten Armee im Mai 1945 vom Sockel gestürzt wurden. Es war ein Soldat, ein SS-Mann, ein SA-Mann und ein Reichsarbeitsdienstmann. Die, die jetzt noch auf dem Sockel stehen, sind auch heute aber keine Zierde mehr. Sie sind in einem sehr desolaten Zustand.

Der andere Wasserturm unserer Stadt steht in der ehemaligen Moltkestraße, heute August-Bebel-Straße, auf dem Gelände der Deutschen Reichsbahn, heute Bundesbahn. Genau kann man heute nicht mehr das Datum der Erbauung bestimmen. Aber man kann sich ungefähr auf den Zeitraum zwischen 1837 und 1848 festlegen.

Es sind die Jahre, in denen in unserer Stadt die Eisenbahnlinie Berlin-Magdeburg gebaut wurde. Genthin hatte ja auch als Kreisstadt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.

Beide Hauptgleise für die Richtung Berlin-Magdeburg und Magdeburg-Berlin waren nicht die einzigen. Dazu kamen zwei Überholgleise und weitere zwölf Nebengleise, die auch für den Rangierdienst genutzt wurden. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Dieselmotoren gab und an Elektrolokomotiven war noch gar nicht zu denken - Rudolf Diesel brachte 1893 den ersten Dieselmotor der Welt an die Öffentlichkeit - waren Dampflokomotiven das A und O. Diese Dampflokomotiven der unterschiedlichsten Modelle benötigten für ihren Betrieb Wasser und das nicht zu wenig. Darum hat die Bahn mit Bahnhof und Gleisanlagen auch gleichzeitig drei Wasserkräne gebaut. Nur so konnten die Lokomotiven ihren Wasservorrat auffüllen. Um aber diese Wasserkräne kontinuierlich versorgen zu können, musste ein Wasserturm vorhanden sein.

Dieser Wasserturm war ein Gebrauchswasserturm. Sein Wasserbehälter war groß. Er war oben offen, damit man ihn problemlos reinigen konnte. Durch den genieteten Tank führte ein runder Aufstiegsschacht, der mit einer eisernen Leiter versehen ist. Um den Wasserbehälter selbst war eine Lauffläche von etwa einem Meter.

Der Wassertank hatte eine Anzeigetafel, die die Höhe des jeweiligen Wasserstandes im Wassertank anzeigte. Diese Wasserstandsanzeige war an der Außenseite angebracht und war für jedermann weithin sichtbar.

Der Turm selbst ist rund und ein unverputzter Ziegelbau in neuromanischer Form. Der Eingang ist ein Korbbogenportal und es sind Rundbogenfenster vorhanden. Den oberen Abschluss bildet ein kugelförmiges Dach, das den Wasserbehälter schützt, mit einer turmartigen Bekrönung, die eine Wetterfahne trägt, die auch schon in die Jahre gekommen ist. Abgeschlossen wird das Ganze von einer umlaufenden Trittfläche, die durch eine Tür zu erreichen ist. Sie ist von einem Geländer umgeben.

Starke Pumpen sorgten Tag und Nacht für die erforderliche Wassermenge im Turm. Schon 1846, also schon 89 Jahre bevor die Stadt Genthin eine Wasserversorgung bekam, verfügte der Bahnhof in unserer Stadt für das Dienstgebäude und auch anliegende Privatgebäude, die der Bahn gehörten, über Wasserleitungssysteme, die sie mit frischem Wasser versorgten. Diese Gebäude hatten den Vorteil, nicht auf übliche Hofpumpen angewiesen zu sein. Das war schon ein Komfort, den die Bahnangestellten hatten. Später stand ein Emailleschild über dem Wasserhahn am Hauptgebäude auf der Bahnsteigseite "Kein Trinkwasser".

Diesen Luxus, den heute jeder für selbstverständlich erachtet, den gab es in unserer Stadt schon vor 117 Jahren.

Heute ist dieser Wasserturm außer Dienst. Er wird nicht mehr gebraucht und hatte großes Glück, dass er ein bisschen abseits steht, sonst wäre er bei den großen Sanierungsmaßnahmen der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Zu DDR-Zeiten wurde er noch unter Denkmalschutz gestellt. Das interessiert den Vandalen, der alle Scheiben eingeschlagen hat, jedoch wenig. Schade darum.

Der Bahnhof war in unserer Stadt ein nicht zu unterschätzender Arbeitgeber. Zirka um 1930 waren im Bahnhof 40 Beamte und Hilfsbeamte tätig. Die Unterhaltung der Gleise und der Bahnanlagen sowie der Gebäude wurde durch eine Bahnmeisterei mit einem Personalstand von etwa 70 Personen wahrgenommen. Heute wird alles über Computer gesteuert.