Der Hauptausschuss hat am Dienstag einstimmig die Verteilung von Spenden an die vom Hochwasser betroffenen Privathaushalte und Unternehmen beschlossen. Dabei wurde auch ein Antrag aus Schönhausen berücksichtigt.

Genthin l "Wir können alle Anträge, die bei uns eingegangen sind, bedienen", konnte Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) bei der Eröffnung der Diskussion um die Vergabe der Spendengelder im Hauptausschuss mitteilen. Insgesamt konnten die Ausschussmitglieder eine Summe von knapp 70 000 Euro verteilen.

Einziger Knackpunkt bei der Vergabe war ein Antrag aus Schönhausen. "Dieser ist nicht durch die Vergaberichtlinie gedeckt", stellte Barz klar. Die Spendengelder sind, wie durch den Stadtrat im Juli beschlossen, ganz konkret für die Flutopfer der Gemeinde Elbe-Parey, der Stadt Jerichow und der Gemeinde Wust-Fischbeck bestimmt.

Allerdings habe man unter Bezugnahme einer Härtefallregelung beschlossen, auch den Schönhauser Antrag mitaufzunehmen, erläuterte der Bürgermeister. "Ich halte das nicht für gerecht, wäre es bekannt gewesen, dass wir auch dort helfen, hätte es mehr Anträge gegeben", äußerte Karl-Heinz Steinel (CDU) seine Meinung.

"Wenn es ein Härtefall ist, bin ich dafür, dass dieser Antragsteller bedacht wird", meinte hingegen Horst Leiste (SPD). Eine andere Meinung hatte Franz Schuster (LWG Fiener): "Hier ist einer, der sich gedacht hat, ich versuch es mal. Das ist den anderen gegenüber nicht gerecht".

"Die Menschen haben einen Schaden erlitten, ohne dass sie etwas dafür können, wenn wir die Möglichkeit haben zu helfen, sollen die Leute auch Hilfe bekommen", redete Lutz Nitz (Grüne) seinen Kollegen ins Gewissen.

Davon ließ sich durchaus auch Heinrich Telmes (Pro Genthin) überzeugen, mahnte aber: "Wir müssen bei dieser Entscheidung einstimmig sein". In einer kurzen, nichtöffentlichen Unterbrechung beschäftigten sich die Ausschussmitglieder nochmals eingehend mit dem Schönhauser Antrag und nahmen auch die Begleitmaterialen in Augenschein. Danach war eine Einigkeit hergestellt und im öffentlichen Teil wurde die Spendenvergabe wie in den Unterlagen vorgesehen beschlossen.

"Wir freuen uns, dass wir in diesem Umfang helfen können", sagte Thomas Barz. "Insgesamt sind 15 Anträge eingegangen", erläuterte Thomas Barz. 14 seien von privater Seite, einer von einem Unternehmer gekommen. Er sei überrascht gewesen, auf welch hohem Niveau die Anträge eingereicht wurden. "Wir haben sehr umfängliche Unterlagen mit Fotos und beigelegten Bild-CDs bekommen", so der Bürgermeister. Die Prüfung der Stadt sei sehr genau vorgenommen worden. Auch eine Vor-Ort-Begutachtung hätte es von Fall zu Fall gegeben. Schadensmeldungen und Versicherungsbewertungen waren ebenfalls Teil der Prüfung.

"Hilfreich war auch das Phönix-Spendenmanagementsystem", erklärte Thomas Barz. Damit war es möglich, bereits erfolgte Auszahlungen von anderer Stelle nachzuvollziehen. "Wir haben nun die Überweisung angewiesen und hoffen, einen kleinen Teil zur Schadensregulierung beitragen zu können", so Barz. Denn die komplette Summe wird kaum ein Betroffener ersetzt bekommen. Viele Geschädigte haben Verluste von mehr als 60 000 Euro zu beklagen. Wenn die Stadt Genthin beispielsweise 3000 bis 4000 Euro zur Verfügung stellt, ist nur ein Bruchteil dieser Summen abgedeckt. "Es mag im Verhältnis wenig sein, aber als erster Schritt ist das für die Betroffenen schon eine große Hilfe", machte der Bürgermeister deutlich.