Normalerweise dürfen Hunde Schulgebäude und -gelände nicht betreten. Für Robby gilt dieses Verbot nicht, denn er ist ein Schulhund und darf mit Genehmigung des Landesschulamtes sogar am Unterricht in der Goethe-Grundschule teilnehmen.

Halberstadt l "Wenn ich mit Robby am Morgen auf den Schulhof komme, begrüßen die Kinder meist ihn zuerst, dann mich", berichtet Kerstin Liesecke. Die Schulleiterin der Goethe-Grundschule hat damit jedoch kein Problem. Im Gegenteil, sie freut sich, dass alle so schnell mit ihrem Jack-Russel-Spitz-Mischling Freundschaft geschlossen haben. Auch ihr Kollegium, das erst skeptisch war, sich aber schnell von der Begeisterung der Schüler anstecken ließ.

Bei Lieseckes gehören Hunde schon immer zur Familie. "Vor ein paar Jahren beschäftigte ich mich erstmals mit dem Thema Schulhund. Allerdings kam die Vorgängerin von Robby dafür nicht in Frage, weil sie schon zu alt war", erzählt die Tierfreundin. Als sie Mitte vergangenen Jahres den achtwöchigen Welpen kaufte, der Ähnlichkeit mit einer kleinen Robbe hatte, nannte sie in Robby und nahm sich vor, ihn zum Schulhund ausbilden zu lassen.

Doch zuvor galt es erst einmal das Kollegium und die Eltern mit ihren Plänen vertraut zu machen und vom Landesschulamt eine Genehmigung für den Einsatz eines Schulhundes zu bekommen. Nachdem die Eltern und die Gesamtkonferenz zugestimmt hatten, begann nach einer Eignungsfeststellung die Ausbildung im Therapie- und Ausbildungszentrum (TAZ) Hundeschule Magdeburg. Dort folgte der Vermittlung von Fachwissen an die Hundeführerin eine praktische Ausbildung mit dem Hund. Seine erste große Bewährungsprobe bestand Robby beim Praxistag in einem Behindertenkrankenhaus und in der Kinderpsychiatrie.

Ende April endet die zeitaufwendige und kostspielige Ausbildung zum Therapiehund, dann folgt eine weitere Qualifizierung zum Schulhund. Allerdings darf sich Robby schon als solcher bezeichnen lassen und mit Genehmigung des Landesschulamtes seit einigen Wochen seine Besitzerin in die Schule begleiten. Manchmal nur, um in seinem Körbchen im Schulleiterzimmer, das mittlerweile scherzhaft "Hundesalon" genannt wird, zu entspannen.

Auf Wunsch von Kollegen geht Kerstin Liesecke mit ihrem Schützling in den Unterricht. Diesmal ist es die Klasse 2a von Klassenlehrerin Helga Köller. Im Sachunterricht steht das Thema Hund auf dem Plan. Die Kinder haben sich gut darauf vorbereitet und einen langen Fragenkatalog vorbereitet. Doch bevor sie in einem großen Kreis vor der Schultafel Platz nehmen, benennt die Schulleiterin die Regeln, an die sich alle halten müssen.

"Tiergestützte Pädagogik steigert die Lebensfreude und fördert soziale Kontakte."

Schulleiterin Kerstin Liesecke

Robby sitzt brav in der Mitte des Kreises, vollführt auf Wunsch kleine Kunststücke, lässt sich mit dem großen Lineal vermessen, präsentiert sein Lieblingsspielzeug, bekommt Streicheleinheiten und Leckerli. Viele Fragen werden gestellt, es wird aber auch über eigene Erlebnisse mit Hunden berichtet. Kai-Uwe Schubert aus Schauen mag seinen Labrador namens Oskar und weiß entsprechend viel über Hunde. Robby hat er längst ins Herz geschlossen. "Er ist so süß, ganz brav und gut gepflegt. Toll, was der schon alles kann", staunt der Achtjährige. Kim Ilse hat ebenfalls einen Hund zu Hause hat, spielt und spaziert gern mit ihm. In der Stunde habe sie viel Neues erfahren über die Vierbeiner: "Es hat mir viel Spaß gemacht." Emma Bücherl steht zwar mehr auf Hasen, sie besitzt selbst einen solchen als Haustier, doch von dem Schulhund ist sie begeistert: "Man muss ihn einfach lieb haben, so schlau und gut erzogen wie er ist."

"Tiergestützte Pädagogik steigert die Lebensfreude, fördert soziale Kontakte und Kommunikations- und Konzentrationsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein, hilft Angst, Aggressivität und Spannungszustände abzubauen. Sie unterstützt die emotionale Entwicklung, stärkt das Selbstbewusstsein und die Freude am Lernen", zählt Kerstin Liesecke nur einige Erfahrungen auf. "Ich habe selbst festgestellt, dass Kinder ruhiger werden, wenn Robby einfach nur anwesend ist. Sie wollen nicht nur kuscheln oder streicheln, sie empfinden ihn als einen Freund und auch als aufmerksamen Zuhörer." Deshalb soll der Hund im nächsten Schuljahr in das Projekt Leseförderung eingebunden und eine AG "Umgang mit dem Hund" ins Leben gerufen werden, verrät die Schulleiterin zwei ihrer vielen Ideen.