Der Verein Kultur im Schäfers Hof hat mit Lilli Hager eine neue Vorsitzende. Ihr Ziel ist es, mehr Leben auf den alten Ackerbürgerhof in der Osterwiecker Altstadt zu bringen.

Osterwieck l Genau 20 Jahre ist er alt, der Verein Kultur im Schäfers Hof. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch der Verein befand sich zuletzt offenbar am Scheideweg - Aufhören oder Weitermachen.

Frank Beermann, über viele Jahre Vorsitzender und Initiator von Veranstaltungen, hatte seinen Rücktritt erklärt, will aber weiter den Verein unterstützen. Nur vier stimmberechtigte Mitglieder zur Wahlversammlung am Mittwochabend zeigten die schwierige Lage des Vereins. Somit konnten auch nur drei von eigentlich fünf Vorstandsämtern vergeben werden: an Lilli Hager als Vorsitzende, Silvia Müller als Stellvertreterin und Dr. Dieter Hager, der sich vor allem um die Mitgliedergewinnung kümmern will.

Immerhin konnten an dem Versammlungsabend noch zwei neue Mitstreiter in den Verein aufgenommen werden: Bärbel Duderstadt und Fred Wagenführ. "Das war erst der Anfang, es gibt noch einige Interessenten", sagte Dieter Hager. Er hoffe auf eine gesunde Mischung von Alt und Jung.

Die Vereinsarbeit völlig umkrempeln möchte die neue Vorsitzende nicht. Die Kunsthandwerkermärkte vor Ostern und Weihnachten soll es weiter geben. Terminlich wird sich der Schäfers-Hof-Verein dieses Jahr in den großen Weihnachtsmarkt der Stadt einklinken. Auch das Mittelalterfest im Sommer soll es weiterhin geben. Lilli Hager schwebt indes ein Mehr an Veranstaltungen auf dem Hof rings um den Taubenturm vor. "Wir müssen hier mehr Leben reinbringen. Vielleicht gelingt es, einiges anzuschieben." Ideen gibt es, die aber nach Hagers Worten noch nicht ausgegoren seien: Frühschoppen, Künstlerausstellungen, Schmucktage, Erntedankfeste, Buchlesungen, Konzerte von Musikschulen. "Ziel ist es, dass jeden Monat etwas stattfindet." Dafür braucht der Verein aber Mitstreiter. Nicht nur zwingend Mitglieder, auch Freunde des Vereins sind willkommen.

Hoffnung hegen die Vereinsmitglieder aus den jüngsten Märkten, bei denen 80 Prozent der Besucher von außerhalb gekommen und von der Hofanlage, die auch einen Bauern- und Skulpturengarten besitzt, überrascht wie begeistert gewesen seien.

"Der Schäfers Hof ist schon etwas Besonderes", sagte auch Ortsbürgermeister Ulrich Simons (CDU). Der Ackerbürgerhof gehört der Kommune, die Stadt hat in der Vergangenheit viel Geld in die Sanierung einzelner Fachwerkgebäude des Ensembles gesteckt. "Leider nagt der Zahn der Zeit schon wieder." Simons verteidigte auf eine Anfrage die schon vor Jahren getroffene Entscheidung, dass der Schäfers Hof für Familienfeiern tabu ist. Das würde sonst die verbliebenen Gaststätten in der Stadt schwächen.

Als der Verein Kultur im Schäfers Hof im Juni 1993 gegründet wurde, hatte er sich neben der Kultur auch das Ziel gesetzt, baulich zu wirken. Seinerzeit war das Objekt noch kein Vereinshaus wie heute, das auch andere Vereine und Selbsthilfegruppen nutzen. Dieses Ziel der sieben Gründer, von denen heute nur noch Ilse Lohoff dabei ist, will man wieder aufgreifen. Daher äußerte Dieter Hager Freude darüber, dass mit Fred Wagenführ ein Baufachmann beigetreten ist.

Gründungsvorsitzende vor 20 Jahren war übrigens Gudrun Gambietz. Seitdem hat es viele Wechsel an der Vereinsspitze gegeben. 1995 trat Silvia Müller, die jetzige Stellvertreterin, dem Verein bei. Die Mitgliederzahl war in all den Jahren überschaubar geblieben. Oder wie Silvia Müller schilderte: "Die Mitgliederliste hat immer auf ein Blatt Papier gepasst." Bei seinen Veranstaltungen konnte der Verein aber auch stets auf Helfer von außen bauen.