Die fünf städtischen Linden an der Magdeburger Straße, deren Zweige schon an die Fenster der Wohnhäuser klopfen, haben eine Gnadenfrist bekommen. Sie werden nicht gefällt, dafür aber zurückgeschnitten und gepflegt.

Haldensleben l Noch haben sich die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Abwasserangelegenheiten des Haldensleber Stadtrats zu keinem Grundsatzbeschluss durchringen können, wie mit Bäumen an Engstellen im Stadtgebiet künftig verfahren werden soll. Damit bekommen fünf Linden an der Magdeburger Straße zunächst eine Gnadenfrist.

Dort, in Höhe der Nummern 70 bis 76, wurden die Bäume vor gut zehn Jahren gepflanzt - mit einem Abstand von etwa drei Metern zu den Hauswänden. Mittlerweile sind die Linden so groß, dass ihre Zweige an die Fassade stoßen. Das scheint in Haldensleben kein Einzelfall zu sein, denn "wir brauchen dafür eine prinzipielle Lösung, nicht nur für die Bäume in der Magdeburger Straße", macht Raik Gaudlitz, Leiter des Bereiches Grünanlagen beim Haldensleber Stadthof, deutlich.

Mit einer Fällung der Bäume und einer Ersatzpflanzung wäre das Problem zu lösen, mag man meinen. Doch so einfach ist das nicht. Zum einen ist den Ausschussmitgliedern das Fällen zu radikal. "Das lässt sich dem Bürger nur schwer vermitteln", ist Klaus Czernitzki (Die Linke) überzeugt. Zum anderen fehle es für Neupflanzungen an geeigneten Bäumen, schränkt Gaudlitz ein. Denn was immer dort gepflanzt wird, muss eine kleinere Krone ausbilden als die Linden. "Und da kommen nicht viele Bäume in Betracht. Und die, die geeignet wären, werden bei weitem nicht so groß wie die übrigen Bäume in der Magdeburger Straße. Es wäre ein sehr starker Kontrast zu den hohen Bäumen, wenn fünf auf einmal kleiner sind", gibt Gaudlitz zu bedenken.

Eine Beschneidung statt Fällung, das sehen sowohl Czernitzki als auch Ausschussvorsitzender Günter Dannenberg (SPD) als die bessere Lösung. Das allerdings, darauf weist Dezernent Henning Konrad Otto hin, hätte eine intensive Pflege zu Folge. "Wir kommen dann nicht mehr hinterher. Die Belegschaft des Stadthofes für den Grünbereich ist nicht gewachsen, der Baumbestand in der Stadt aber hat sich seit Anfang der 90-er Jahre verdreifacht", sagt er. Auch sei das mit der vorhandenen Technik nicht hinzubekommen. "Dann müssen wir über den Haushalt für mehr Personal und weitere Technik sorgen", so Otto weiter.

Noch ist unklar, was die zusätzliche Pflege kosten könnte. Doch sollten die Finanzen nicht aus den Augen verloren werden, warnt Otto: "Es nützt uns nichts, wenn wir versuchen, uns irgendwie durchzuwurschteln, und in fünf Jahren stellen wir fest, das schaffen wir gar nicht finanziell. Denn eines steht fest: Mehr Geld bekommt Haldensleben in Zukunft nicht!"

Auch Gaudlitz sieht die Pflege unter jetzigen Bedingungen problematisch. "Ein regelmäßiger Baumschnitt ist mit dem derzeitigen Personal möglich. Aber dann müssen wir Prioritäten setzen und vorrangig nach Gefahrenstellen agieren." Er befürchtet zudem, dass dann der sogenannte Erziehungsschnitt der Jungbäume im Stadtgebiet auf der Strecke bleibe und sich dadurch künftig mehr Gefahrenstellen ergeben.

"Die Pflege der fünf Bäume wird uns nicht ruinieren", meint Czernitzki. Er befürchtet, "wenn wir die Bäume jetzt aber fällen, dann werden ganz schnell auch an anderen Engstellen die Bäume fallen." Einstimmig folgten die Ausschussmitglieder daher Dannenbergs Vorschlag, die Bäume stehen zu lassen und zu beschneiden. "Ende 2014 hätten wir konkrete Zahlen, was die Pflege kostet. Und dann können wir einen Grundsatzbeschluss fassen, ob künftig alle Bäume, die nicht weiter als 3,5 Meter von einer Fassade entfernt sind, gefällt werden müssen", so sein Vorschlag.