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Oebisfelde-Weferlingen l Der Markt mit Biogasanlagen boomt. Immer mehr Gemeinden und Landwirte bauen auf diese Art der umweltfreundlichen Energiegewinnung. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist eines der Hauptziele der aktuellen Umweltpolitik in Deutschland. Auch aus diesem Grunde werden Biogasanlagen mit Abnahme- und Preisgarantien für den erzeugten Strom gefördert. Doch der daraus resultierende verstärkte Anbau von Energiepflanzen speziell für die Biogasgewinnung könnte zum Artenschutzproblem werden und den Anbau von Monokulturen wie Mais fördern, wie Umweltschützer befürchten.

Um einen aktuellen Stand über die Biogasanlagen im Gebiet der Stadt Oebisfelde-Weferlingen zu geben, schaut Peter Schorlemmer, Wirtschaftsförderer der Stadt, auf die Landkarte. "Die Biogasanlage in Bösdorf läuft schon einige Jahre. Im Oebisfelder Gewerbegebiet an der Krummen Breite soll der Bau einer Biogasanlage im Frühjahr beginnen. Die Genehmigungen sind so gut wie durch. Die Firma Pure Nature Energy GmbH baut diese Anlage auf", berichtet Schorlemmer. "Es gab einige Bedenken von Oebisfeldern, die befürchten, dass die Lastwagen und Traktoren, die die Biogasanlage beliefern, durch den Ortskern fahren. Aber durch den Bau der Ortsumgehung wird der Schwerlastverkehr umgeleitet." Eine weitere Anlage sei in Siestedt geplant. "Die Biogasanlage in Rätzlingen ist fast fertig", zählt der Wirtschaftsförderer weiter auf. Auch in Niedersachsen in unmittelbarer Nähe entstehen Biogasanlagen, weiß Schorlemmer: "Eine gibt es bereits in Altena. Und auch in Wahrstedt ist eine Biogasanlage in Planung."

"Unsere Einheitsgemeinde ist in Sachen erneuerbarer Energie - wenn man es hoch rechnen würde - Selbstversorger", meint Schorlemmer. Vorreiter sei Rätzlingen, denn dort gibt es neben den Windrädern jetzt noch eine Biogas- und eine Photovoltaikanlage. Auch Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin Silke Wolf beschreibt Rätzlingen - energetisch gesehen - als Ortsteil mit dem größten Know-how. "Besonders in Rätzlingen ist verdammt viel passiert. Auf der Gewerbefläche stehen jetzt energetische Anlagen im Wert von mehreren Millionen Euro", weiß Silke Wolf.

René Feldmann und Ingo Pätz aus Rätzlingen stehen der Biogasanlage in Rätzlingen sehr skeptisch gegenüber: "Nicht nur weil wir direkte Anwohner sind, sondern auch weil die Zukunft der Landwirtschaft in unserem Bereich auf dem Spiel steht. Wenn man richtig viel Energie aus so einer Anlage rausholen will, wird sie nur mit Mais betrieben." Außerdem befürchten viele Anwohner, dass der Verkehr zu den Erntezeiten stark zunimmt und die Wohnqualität nicht mehr gegeben ist.

"Der Betreiber der Biogasanlage ist dabei, den Bauern Verträge über zehn Jahre anzubieten. Viele Landwirte sind da schon sehr skeptisch. Denn das bedeutet, wenn sie in einem Jahr einmal keinen Mais haben, müssen sie sich Mais dazu kaufen", sagt Feldmann. "Die landwirtschaftlichen Flächen in Rätzlingen reichen nicht aus, um diese Anlage zu betreiben." "In unserem Umkreis gibt es mehrere Anlagen, die müssen ja irgendwie alle bestückt werden. Man weiß nicht, wo das alles noch hinführt", fügt Pätz hinzu.

Jürgen Roland, Landwirt und Betreiber der Biogasraffinerie Rätzlingen GmbH, sieht die Herstellung von Biogas als eine Chance für die Bauern der Region.

"Unsere Anlage wird zu 60 Prozent mit Mais und zu 40 Prozent mit anderen Produkten betrieben. Das ist so festgelegt"

Jürgen Roland, Betreiber der Biogasanlage Rätzlingen

"Unsere Anlage wird zu 60 Prozent mit Mais und zu 40 Prozent mit anderen Produkten, wie Zuckerrüben, Grassilage und Gülle, betrieben. Das ist durch das Energieeinspeisegesetz so festgelegt, um Monokulturen zu vermeiden", erklärt Roland. Um die Anlage zu bestücken, soll es einen Bedarf an Rohstoffen von einer über 800 Hektar großen Fläche geben. "Wir machen auch Ganzpflanzensilage. Wir bauen zum Beispiel Roggen an, der im Herbst gesät und im Mai gemäht und siliert wird. Und dann bauen wir Zuckerhirse oder Mais an. So sind wir in der Lage, von einer Fläche zwei Mal im Jahr zu ernten", erklärt Roland.

Der Biogasbetreiber erzählt, dass er mit der Gemeinde im Gespräch ist. "Wir wollen noch ein Blockheizkraftwerk bauen. Dort entsteht neben Strom auch Wärme, mit der zum Beispiel die Schule und der Kindergarten im Ort beheizt werden könnten."

Die Idee, das Biogas aus Rätzlingen auch für öffentliche Einrichtungen der Stadt zu nutzen, befürwortet Schorlemmer. Genaueres müsste man vertraglich abklären.

Wichtig sei es nach Ansicht von Schorlemmer, dass die Gewerbesteuern als Einnahmen auch in der Stadtkasse ankommen. Auch beim Bau der Photovoltaikanlage in Rätzlingen habe man als Stadt darauf geachtet, dass laut Verträgen das Geld in der Einheitsgemeinde bleibt.

Wolfgang Sender, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Drömling, sieht in Sachen nachwachsender Rohstoffe schon viele akute Beispiele für eine Monokultur, die zu einer Artenverarmung in der Feldflur führt. "Diese Monokultur ist durch die ganzen Fördermechanismen, die da greifen, lukrativ. Was mich daran stört ist, dass das Zeug von sonst wo rangefahren wird. Das kann nicht gut für die Umwelt sein", sagt Sender.

"Landwirtschaftliche Flächen sinnvoll nutzen. Es gibt auf dem Erdball so viele Menschen, die hungern."

Wolfgang Sender, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Drömling

"Wir haben erlebt, dass von Weddendorf die Silage nach Kusey gekarrt wird. Den Diesel, den diese Traktoren verbrauchen, könnte man direkt zur Stromerzeugung nutzen. Dann hätte man noch landwirtschaftliche Fläche frei, um diese sinnvoll zu nutzen. Es gibt auf dem Erdball so viele Menschen, die hungern."

Sender betont, dass er nicht total gegen Biogasanlagen ist. "Vom Ansatz her ist es eine gut gemeinte Geschichte. Ursprünglich sollte ja auch Gülle in Energie umgewandelt werden. Aber Mais steigert eben die Menge der Energie enorm. Es wächst deshalb viel weniger Feldkultur", weiß Sender und nennt als Beispiel die Feldlerche, die als gefährdete Art immer mehr verschwindet, weil sie mit den Bedingungen der Monokultur nicht klar kommt. "Wenn die Leute der Region sonntags spazieren gehen und sie bewegen sich nur noch in Monokulturen, dann ist doch das kein Lebensgefühl. Es ist eine Verarmung für die Bevölkerung, die dort leben muss."

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