Zur Ausbildungsbörse "Die Börde braucht dich!" hatten die Agentur für Arbeit Magdeburg und das Jobcenter Börde eingeladen. Viele Jugendliche kamen in die Haldensleber Kulturfabrik, um sich über freie Ausbildungsplätze in ihrer Heimat zu informieren.

Haldensleben l "Die Börde braucht dich!" lautet der Titel der Ausbildungsbörse, die die Agentur für Arbeit Magdeburg und das Jobcenter Börde am Mittwoch zum 2. Mal in der Haldensleber Kulturfabrik veranstalteten. Dabei stand im Vordergrund, die jungen Menschen, die künftig auf den Ausbildungsmarkt strömen, mit den entsprechenden Firmen zusammenzubringen.

Wenn er nicht will, muss nämlich kein Jugendlicher wegen der Ausbildung aus seiner Heimat weg. Das zumindest geht aus den aktuellen Zahlen hervor, die Steffen Kellner als Teamleiter des Jobcenters Börde kennt. Im Landkreis Börde kommen auf 857 gemeldete Ausbildungsstellen 809 gemeldete Bewerber, besagt der Bericht der Bundesagentur für Arbeit. Das bedeutet im Durchschnitt, dass auf jeden Auszubildenden 1,1 Lehrstellen kommen. "Viele Firmen beklagen, dass ihnen die Bewerber fehlen", weiß Kellner. Geburtenschwache Jahrgänge seien nur ein Grund dafür.

Hinzu komme beispielsweise, dass sich viele Jugendliche unter einigen Berufsbezeichnungen gar nichts vorstellen können - darüber sind sich viele Firmen einig. Die Vertreterinnen des zum Unternehmen Nelskamp gehörigen Dachziegelwerkes Nibra in Groß Ammensleben erklärten neben anderen Ausbildungsberufen beispielsweise besonders, was ein Industriekeramiker im Bereich Verfahrenstechnik zu tun hat. Kaum jemand wüsste nämlich von der Existenz dieses Berufes, deshalb lägen auch so wenige Bewerbungen vor, so die Erfahrung der Werksangehörigen.

Aber auch die bekannten Jobs haben anscheinend ihre Tücken: "Es gibt Jugendliche, die sich von unseren Arbeitszeiten abschrecken lassen oder davon, dass wir eben auch an Feiertagen ran müssen", weiß Melanie Lange. Die Restaurantleiterin des Hotels Sachsen-Anhalt in Barleben konzentrierte sich darauf, den jungen Menschen die Scheu zu nehmen. "Einige trauen sich nicht einmal, bei uns im Hotel nach Ausbildungsstellen zu fragen. Dabei haben wir in jedem Jahr 10 bis 15 offene Ausbildungsstellen für Köche, Restaurant- und Hotelfachleute. Wir suchen immer gute Bewerber und sind auch immer bereit, die Jugendlichen für ein erstes Kennenlernen zu uns einzuladen!"

Neben unbekannten Berufen und unbequemen Arbeitszeiten scheint heutzutage auch das Lehrlingsgehalt eine große Rolle bei den Jugendlichen zu spielen. "In unserem Bereich verdient man vielleicht nicht allzu viel. Aber ich bin so glücklich mit meinem Beruf. Für wen es der richtige Beruf ist, der wird damit auch glücklich", sagt Jessica-Maria Hiller, die im Friseur-Salon Sylke Hebecker in Haldensleben arbeitet. Dort werden stets neue Auszubildende gesucht.

"Es nutzt nichts, wenn man eine tolle Ausbildung anfängt und dann aufhört, weil man sich total falsche Vorstellungen davon gemacht hat", sagt Cornelia König von der Firma Redlich. Gemeinsam mit der auszubildenden Bürokauffrau Franziska Bader und dem Meister des Betriebes, Jens Gildemeister, informierte sie die Jugendlichen über den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Bei der Ausbildungsbörse herrschte reger Andrang am Stand der Wieglitzer Firma.

Aber auch die Tische der vielen Mitarbeiter der Agentur für Arbeit waren gut besucht. Dort wurde über die richtige Gestaltung der Bewerbungsmappen oder die finanzielle Unterstützung während des Bewerbungsprozesses beraten. "Viele junge Leute waren schon bei mir, haben gefragt, wie sie an Kontaktadressen herankommen oder wie sie erfahren, welche Ausbildungsberufe im Kreis angeboten werden", erzählte Ulrike Bollmann, Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit Oschersleben, bereits nach der ersten halben Stunde. "Unserer Erfahrung nach wollen die meisten jungen Leute heutzutage in ihrer Heimat bleiben. Die Ausbildungsplätze dafür sind vorhanden. Sie müssen nur entdeckt werden", erklärte Steffen Kellner. Die Mitarbeiter des Jobcenters Börde helfen gerne.