Auf die Spuren der Menschen aus der Jungsteinzeit begeben sich ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger im Bebertaler Wald. Bis Ende der Woche schwingen sie Pinsel und Kelle an einer etwa 5000 Jahre alten Grabanlage.

Bebertal l Ein verrückter Findling hatte 2011 den Anlass für die Schulungsgrabung im Bebertaler Wald gegeben. Wahrscheinlich war der Stein einer Wald-Erntemaschine im Weg gewesen, sie hatte Erdschichten am Großsteingrab freigelegt. Dort und anderen Stellen rund um die mächtige Findlingsformation begann das Landesamt für Archäologie und Denkmalschutz unter Leitung von Barbara Fritsch mit der Arbeit.

Millimetergenau werden die Funde auf Papier dokumentiert

Täglich graben hier zwischen acht und 15 ehrenamtliche Bodendenkmalpflege aus ganz Sachsen-Anhalt und aus Brandeburg. Oft sind es die ehrenamtlichen Archäologen, die bei neuen Fundstellen für die Notbergung und Sicherung als Erste vor Ort sind.

Christine Dünser (19) und Jonas Sack (21) sind zwei von ihnen. Im Gegensatz zu den anderen absolvieren die beiden zurzeit ihr Freiwilliges Jahr beim Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege (siehe Kasten). Jonas ist das zweite Mal in Bebertal dabei, will später Grabungstechnik studieren. "Es ist toll, hier von Anfang an dabei zu sein und eine gute Erfahrung für mein Studium."

Das ist bei Christine anders. "Als Beruf ist die Archäologie nichts für mich, eher ein Hobby, das Spaß macht. Das habe ich hier herausgefunden." Sie will Medizin studieren und wollte einfach mal den Alltag bei einer Grabung kennenlernen.

Angehende und bereits tätige Bodendenkmalpfleger (Hobby-Archäologen) vertiefen bei der Schulungsgrabung ihre Kenntnisse über Grabungstechniken, vervollkommen ihr Wissen um die Dokumentation einer Fundstelle - mit Bleistift auf Millimeterpapier und mit dem Fotoapparat. Jedes noch so kleine Detail, jede Anordnung, jede Tiefe und Verfärbung der Erdschichten wird exakt vermessen und eingezeichnet.

Bisher haben die Archäologen einige hundert Feuersteinabschläge gefunden. Das lässt darauf schließen, dass hier Werkzeuge hergestellt wurden. Auch verbrannte Feuersteine und so genannte Klopfsteine wurden geborgen. Aber ganz wenig Scherben.

Bisherige Funde zeugen von der Errichtung der Grabanlage

"Wir haben noch nichts gefunden, was auf eine Bestattung hindeutet, wir wissen auch gar nicht, ob dort, wo wir graben, auch tatsächlich die Grabkammer gewesen ist. Alle bisherigen Funde zeugen nur von der Errichtung der Grabkammer, nicht aber von einer praktizierten Bestattung. Aber wenn wir etwas finden, sagen wir natürlich der Volksstimme Bescheid", betont Grabungsleiterin Barbara Fritsch, lächelt sanft und lässt ihren Blick übers Hünenbett streifen.

Größte Ansammlung von Hünengräbern in Mitteleuropa

Das Hünenbett- eine Formation von Findlingen - umsäumt die eigentliche Grabkammer. Zwischen Hünenbett und Kammer liegt der Schwerpunkt der Grabung. Die Grabkammer an sich ist das Zentrum des Großsteingrabes. Wände und Kammerdecke bestehen aus Findlingen. Vor mehr als 5000 Jahren bestatteten die Menschen der so genannten Trichterbecherkultur ihre Toten in der Grabkammer. Nach der Bestattung wurde die Kammer bis zum nächsten Begräbnis geschlossen. Im Großraum Haldensleben gibt es mehr als 80 Großsteingräber. Das ist die höchste Konzentrationen von Hünengräbern in ganz Mitteleuropa. Die bekanntesten Anlagen sind das Kaisergrab, Teufelsküche und Küchentannen.