60 Jahre lebte Manfred Richter am Havelberger Weinberg in idyllischer Natur. Bis am 24. März ein Feuer seiner Mutter das Leben gekostet hat und sein Haus vernichtete. Sein Sohn Sebastian möchte ihm helfen, wieder dort leben zu können.

Havelberg l Manfred Richter lag im Krankenhaus, als ihn am Sonntagvormittag die Nachricht wie ein Schlag trifft, dass es am Weinberg 4 brennt. Er will zu seinem Haus, in dem der 60-Jährige sein Leben lang wohnte. Doch ist alles abgesperrt, ein Rankommen nicht möglich. Später kommt die traurige Gewissheit, dass seine 94-jährige Mutter in den Flammen ums Leben gekommen ist. Das ist vier Wochen her. Verarbeitet haben er und seine Familie diesen Schicksalsschlag noch nicht. Etwas Druck ist ihnen genommen worden, seit sie ihrer Mutti einen würdigen Abschied bereiten konnten und sie ihre Ruhe gefunden hat, sagt Lebensgefährtin Christina Blume.

Sohn Sebastian will seinem Vater helfen

Sebastian Richter will seinem Vater helfen, damit er wieder in sein gewohntes Umfeld zurückkehren kann. Doch das gestaltet sich schwierig. Die Brandruine des kleinen Hauses muss abgerissen werden, ein Wiederaufbau ist unmöglich. Richters hoffen, dass das zumindest mit Geld von der Versicherung bezahlt werden kann. Doch an einen Neubau, den sich Manfred Richter wünscht, ist nicht zu denken, weil das Haus unterversichert war. Hinzu kommt, dass das Grundstück nur von der Stadt gepachtet ist, es hätte schon längst gekauft werden müssen. Vor diesem Hintergrund der ungeklärten Fragen und der auf seinen Vater zukommenden finanziellen Probleme hat Sebastian Richter zu Spenden aufgerufen, ein Spendenkonto eingerichtet und Infozettel verteilt. Wer helfen möchte, kann dies tun: Spendenkonto Familie Richter, Kontonummer 1101086005, Bankleitzahl 81050555 bei der Kreissparkasse Stendal.

Gestern hat Manfred Richter wieder seine Arbeit im Altenpflegeheim in Sandau aufgenommen, wo er als Hausmeister tätig ist. Das lenkt ihn von den vielen Grübeleien ab, die ihn seit dem 24. März nicht zur Ruhe kommen lassen. Warum brach das Feuer aus? Erklären kann er sich das immer noch nicht. "Dort, wo der Kohlenherd stand, war schon immer eine Feuerstelle." Was hat sich in den letzten Minuten im Leben seiner Mutter abgespielt? Eine Frage, die ihn und seine Familie beschäftigt. Ein Wasserhahn soll noch gelaufen sein, hatte ein Brandursachenermittler später berichtet. Wollte die Seniorin noch selbst löschen? Eine Antwort darauf werden sie nie bekommen. "Meine Schwester macht sich Vorwürfe. Sie hatte für meine Mutti das Frühstück gemacht, war nur zum Mittagmachen kurz nach Hause gegangen", berichtet Manfred Richter vom Kummer der Familie.

Sein Vater hatte ihm das Haus vererbt, in dem er mit vier Geschwistern aufwuchs. "Wir haben schon als Kinder beschlossen, dass unsere Eltern nie in ein Heim müssen." Und er hatte auch noch einiges vor. Wollte für die Mutter an die Veranda eine Terrasse bauen, damit sie keine Treppen mehr steigen musste, um an die frische Luft zu kommen. "Ich hatte noch so viele Träume", sagt er leise und berichtet auf Nachfrage, dass er den Teich vergrößern und mit einer kleinen Brücke versehen wollte.

Dankbar für die große Hilfsbereitschaft

Jetzt hat er eine Neubauwohnung. Für einen, der sein Leben lang in der puren Natur aufgewachsen ist, eine schwere Umstellung. Dankbar ist Manfred Richter für die große Hilfsbereitschaft, die er nach der Brandkatastrophe erfahren hat. Von der Wohnbau bekam er Herd, Spüle und Kühlschrank, von der Kleiderkammer eine Anbauwand und Private haben Dinge, die man zum Leben braucht, gespendet. Aus dem Haus sind ihm nur seine Papiere geblieben, die in einem alten Schrank nicht Raub der Flammen wurden. Und Dank eines Nachbarn, der eine Fensterscheibe eingeschlagen hatte, konnte sich Hund Gismo mit einem Sprung retten.

Manfred Richter wäre froh, wenn er wieder an den Weinberg ziehen könnte. Ihm fehlt das Wasser und das Grün ringsum. Denkt er an seine Kindheit zurück, sieht er sich mit dem Vater draußen mit dem Boot auf dem Wasser. Ein kleines Haus im Bungalowstil würde er bauen wollen. "Für ihn ist es wichtig, dass er bald wieder runter ans Wasser kann", sagt Sebastian Richter.