"Philosophieren mit Kindern: Ein Handbuch", so lautet der Titel eines Werkes, das der Tangermünder Michael Siegmund geschrieben hat. Die Grundlagen dafür hat er in den drei vorangegangenen Jahren beim Bachelorstudium an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal gesammelt. Der 24-Jährige studierte hier angewandte Kindheitswissenschaften und schloss das Studium zu Beginn dieses Jahres mit dem Bachelor ab.

Stendal/Tangermünde. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Sie hinterfragen Dinge, die für einen Erwachsenen selbstverständlich sind. Sie gehen mit so viel Warum durch den Alltag, dass es für Eltern, Erzieher, auch Lehrer anstrengend werden kann, auf all diese Fragen immer eine Antwort geben zu müssen. Dass bald jedes Warum eines Kindes die Gelegenheit bietet, sozusagen über Gott und die Welt auf ganz unkomplizierte Weise zu philosophieren, das zeigt der Tangermünder Michael Siegmund mit seinem Handbuch "Philosophieren mit Kindern - Spielend leicht die Welt ent-decken. Mit zahlreichen Spielen, Themen und Ideen."

Der 24-Jährige studierte in den vergangenen drei Jahren an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal Angewandte Kindheitswissenschaften. Im Zusammenhang mit seiner Bachelorarbeit forschte er zu verschiedenen Kindheitsthemen. Eines davon befasste sich mit der Thematik "Philosophieren mit Kindern".

"Die Bücher, die ich dazu in der Bibliothek fand, waren alle sehr wissenschaftlich gehalten, schwierig zu verstehen", berichtet der junge Mann. Da das Philosophieren aber schon immer ein Thema ist, das ihn interessiert, möchte er auch die Jüngsten der Gesellschaft hier mit einbeziehen.

"Mit dem Abschluss meines Bachelorstudium hatte ich drei, vier Monate Leerlaufzeit", erzählt Michael Siegmund weiter. Und die ließ er nicht tatenlos verstreichen, sondern schrieb ein Buch. Allerdings nicht das erste. Bereits während seiner Schulzeit am Privatgymnasium Tangermünde hatte er mit Mitschülern unter Anleitung von Lehrer Hartmut Wildermuth erste Bücher herausgebracht. Das setzte er während der drei Jahre in Stendal fort, schrieb an den Stendaler Studienmaterialien von Professor Joachim Bröcher mit.

In wenigen Wochen beginnt der Tangermünder mit seinem zweijährigen Studium der Bildungswissenschaften in Magdeburg. "Ich bin selbst gespannt, wohin es mich dann verschlägt", sagt er mit Blick in die Zukunft. Gern würde er in der Altmark bleiben. Denn die Menschen, die Region seien das, was er zum Leben brauchen, was ihn inspirieren würde.

"Das Individuelle in jedem Kind wertschätzen"

"Für das Handbuch hatte ich die Vorarbeit eigentlich schon während meines Studiums geleistet", berichtet der Kindheitswissenschaftler. Ideen und Spiele hatte er aufgeschrieben, die Veranstaltungen der Kinder-Uni mit vorbereitet. Bei seinen Praktikas an Schulen durfte er in Klassen hospitieren. "Auf dem Schulhof kommt man ganz schnell mit Kindern ins Philosphieren", sagt er.

Auch heute noch hat der junge Mann mindestens einmal pro Woche Gelegenheit dazu: Immer montags liest er Mädchen und Jungen in der Stendaler Kinderklinik vor. Aber nicht nur das: Viele seiner Ideen und Tipps für das Philosophieren mit Kindern hat der Kindheitswissenschaftler auch mit drei Tangermünder Jungen praktisch getestet. Sie heißen Felix, Nils und Eric, "sind Kinder von befreundeten Familien."

Mit seinem Handbuch möchte der junge Mann Eltern, Lehrern und Erziehern ein Hilfsmittel auf den Weg geben, um sich mit Kindern auf eine Thema einzulassen. "Wir Erwachsene können das Individuelle und Einzigartige in jedem Kind entdecken und wertschätzen", schreibt Michael Siegmund in seinem Buch. Sich an den kindlichen Bedürfnissen zu orientieren, sei eine der Aufgaben und Herausforderungen für alle Erwachsenen, die Umgang mit Kindern haben.

Wie simple sich das Philosophieren mit Kindern in den Alltag integrieren lässt, zeigt bereits ein erster Blick in das gut 130 Seiten umfassende Werk. Die Welt auf einem Tisch - heißt es da. Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände - alles, was wir heute haben, benutzen, kaufen, kommt aus den verschiedensten Ländern dieser Erde. Verfolgt man nur den Weg der Banane, gibt es bereits jede Menge zu erzählen, tun sich weitere Fragen auf.

Einen Perspektivwechsel bietet auch der Einsatz einer Lupe. Die Welt der kleinen Dinge zu entdecken, bringt neue Fragen, lässt Kinder darüber nachdenken, woraus Lebewesen bestehen, wie sie aufgebaut sind.

Stundenlang lässt sich auch schon mit Kindern über das Thema Arbeit philosophieren. Was ist Arbeit, was nicht - in den Augen eines Kindes? Und warum denkt es so? Eine weitere Idee von Michael Siegmund nennt sich "Die Welt der Elektrogeräte". Mit einer Digitalkamera ausgestattet sollen Kinder einen Tag lang alle elektronischen Geräte fotografieren, die sie durch den Alltag begleiten -angefangen beim Wecker am Morgen, der elektrischen Zahnbürste bis hin zu Radio, Toaster, Handy oder Telefon. Am Ende des Tages gibt es ein Dutzend Bilder. Die Frage, die es dann zu besprechen gibt, wäre die nach einer Welt ohne all diese Geräte. Wie würde sie wohl aussehen? Warum gibt es so viele elektrische Geräte? Was wird die Zukunft für Geräte bringen?

Das sind nur einige wenige Beispiele aus dem Handbuch. Wer Lust hat, die Welt mit seinem Kind oder seinen Kindern mit Hilfe dieser Anregungen zu entdecken, der bekommt diesen Ratgeber online oder auch im Buchhandel.

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