In Kamern steht sie und wartet - die alte Sekundarschule. Nebenan befinden sich Sportplatz und Turnhalle, umgeben ist sie von Eichen und Wiesen in idyllischer Lage nah am See. Nun soll sie zu neuem Leben erweckt werden und wieder ihrem eigentlichen Zweck dienen. Träger ist der im Vorjahr gegründete Verein "neugierig" Mit Stefanie Wischer vom Vorstand sprach Ingo Freihorst über das ehrgeizige Vorhaben.

Volksstimme: Was für eine Schulform soll hier entstehen?

Stefanie Wischer: Geplant ist, eine reformpädagogische Schule zu errichten, in der die Kinder gemeinsam bis in die höheren Klassenstufen lernen können. Also ähnlich dem schon lange politisch diskutierten Modell der AOS, der Allgemeinbildenden Oberschule.

Volksstimme: Gibt es überhaupt genug Schüler für solch eine Schule? Kämpfen nicht sowieso schon viele staatliche Schulen um ihr Überleben?

Stefanie Wischer: Genau um diese Problematik geht es. Es werden unaufhaltsam weitere Schulen im ländlichen Raum schließen und Kinder werden immer längere Strecken durch den Landkreis zu den Schulen gekarrt. Die Bildungslandschaft wird immer mehr ausgedünnt...

Da wollten wir nicht länger traurig zuschauen. Dagegen steht unsere Idee, eine Schule mit alternativem pädagogischen Konzept zu gründen und damit ein Signal für "Kleine Schulen vor Ort" zu setzen. Ein zusätzliches Bildungsangebot schafft einen starken Anreiz für junge Familien, in die Region zu ziehen. Wir wollen mit diesem innovativen Projekt dem demografischen Wandel aktiv entgegen wirken. Die zu erwartenden Synergieeffekte führen unter anderem zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und insgesamt zur Bereicherung des Elbe-Havel-Landes. Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zum demografischen Wandel sowie zahlreiche Beispiele aus ländlichen Regionen, in denen alternative Schulen gegründet wurden, belegen genau diese positiven Effekte.

Volksstimme: Was ist denn das inhaltlich Neue an dieser geplanten Schule?

Stefanie Wischer: Inhaltlich stützt sich unser Konzept auf Elemente der Montessori-Pädagogik sowie anderer Reformpädagogen wie Célestine Freinet oder Rebeca und Mauricio Wild. Hier steht der Erhalt der Lernfreude und der Neugier der Kinder als fundamentale Bedingung für den Wissenserwerb und die Ausbildung von Kompetenzen im Vordergrund. Erkenntnisse bekannter Neurobiologen wie zum Beispiel Manfred Spitzer oder Gerald Hüther über die Entwicklung des menschlichen Gehirns und das Lernen von Kindern und Jugendlichen sollen in die Unterrichtsgestaltung einfließen.

Fachlich arbeiten wir eng mit den Professoren Johanna Mierendorff und Georg Breidenstein von der Universität Halle zusammen. Durch die wissenschaftliche Begleitung wollen wir die Qualität unserer Arbeit von Anfang an sichern. Wir orientieren uns an langjährigen Erfahrungen staatlicher Modellschulen, wie der Laborschule Bielefeld oder der Montessorischule Potsdam.

Volksstimme: Wann und wo können Interessenten Näheres über die geplante Schule erfahren?

Stefanie Wischer: Dazu wollen wir alle interessierten und "neugierigen" Eltern und Kinder, Lehrer und Pädagogen herzlich zu unserer Informationsveranstaltung am 8. Oktober um 15 Uhr in den Saal der Gemeinde, also der alten Schulküche in Kamern, einladen. Dort wird das Schulkonzept ausführlich vorgestellt und über den derzeitigen Planungsstand berichtet. Es wird Vorträge, Diskussionen, Filme und natürlich auch ein buntes Angebot für Kinder geben.

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