Havelberg l In Havelberg ist sie schon längst in Vergessenheit geraten, jetzt soll sie im Zuge der Havelrenaturierung wieder auferstehen: die Petroleuminsel. Auf alten Landkarten sieht man, dass über die Insel bis zum Bau der Chaussee im Jahre 1844 der Verkehr in Richtung Sandau rollte. Daher stammt auch die Bezeichnung "Vor dem Sandauer Tor" für die Dammgärten. Die erste Sandauer Brücke entstand als Zugbrücke und wurde 1907 durch die jüngst abgerissene ersetzt. Die Insel, damals auch "Bleiche Gärten" genannt, verschwand mit dem Schleusenbau im Jahre 1934.

Das Eiland soll als Bestandteil der Renaturierung der Havel wieder auferstehen, denn Altarm-Anschlüsse sind ein Bestandteil des größten europäischen Renaturierungsprojektes. Ein positiver Nebeneffekt ist durchaus gewollt: Zur Bundesgartenschau 2015 soll gleich daneben ein Informationszentrum entstehen, wo sich die Besucher an Ort und Stelle über die Renaturierung informieren können. Dazu soll ein Steg über das Eiland führen, so die ersten Planungsskizzen.

Über Einzelheiten zum geplanten Altarmanschluss informierten kürzlich Ulrike Will und Thies Geertz vom Nabu-Projektbüro aus Parey an der Havel den Havelberger Umweltausschuss. Der Stadt entstehen beim Bau keine Kosten, alles wird gefördert.

Der Altarm auf dem Gelände des Verladehafens wurde damals komplett verfüllt, jetzt befinden sich auf dem Terrain noch abrissreife Gebäude. Entstehen würde eine Insel von 4000 Quadratmetern, der neue Altarm wäre um die 190 Meter lang. Das Eiland soll der Natur überlassen werden, würde zum Biotop für Eisvogel, Biber und Fischotter. Weiden und Pappeln werden zur Begrünung angepflanzt. Da die Spundwand des Hafens erhalten werden soll, wird der Altarm stärker gekrümmt und somit etwas kürzer als sein Vorgänger.

Die Planungen können erst nach Bewilligung der Mittel erfolgen, so der Redner. Geplant sei, dass die Planungsvergabe bis Mai kommenden Jahres erfolgt, Anfang 2013 könnten die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren eingereicht werden, 2014 würde dann der Bau beginnen.

Ausschussvorsitzender Volker Kanzler störte sich an der Aussage, dass die Insel der Natur überlassen werden soll. Sie sollte auch für Angler und Touristen zugänglich sein, meinte er. Amtsleiter Klaus Heidrich informierte, dass das Eiland im Innenbereich der Stadt liege und somit auch betreten werden könne.

Auf die ambitionierte Zeitschiene verwies hingegen Sven Hetke: "Was, wenn das Projekt nicht rechtzeitig zur Buga fertig wird? Eine Baustelle mit Baggern können wir den Gästen nicht präsentieren." Das Projekt samt dem Infozentrum würde seiner Ansicht nach das Erscheinungsbild der Stadt wesentlich verbessern, denn derzeit stehen auf dem Areal unschöne Ruinen.

Auch Klaus Heidrich pflichtete ihm bei, dass das Vorhaben bis zur Buga abgeschlossen sein muss. Ansonsten brauche man gar nicht erst beginnen. Mit fünf Ja-Stimmen plädierte der Ausschuss für das Vorhaben.

Sven Hetke und Dr. Hans-Jürgen Nisch schlugen vor, auch das Mühlenholz mit in die Planungen zur Buga einzubeziehen. So könnte dorthin ein Rundweg führen, die einstige Schutthalde könnte umgestaltet werden und auch die Tonabgrabungen sollte man mit nutzen.

Im Zuge der Havel-Renaturierung sollen 15 Altarme angeschlossen und 160 Kilometer Deckwerk entfernt werden.

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