Zehn Tage lang haben sich die Schüler aus den achten Klassen der Havelberger Sekundarschule in verschiedenen Berufszweigen erprobt. Und zwar in solchen, die ein Computerprogramm für sie empfohlen hat.

Havelberg l Maxi Angermann legt fleißig Stein auf Stein, achtet darauf, dass jeder davon gerade liegt sowie exakt an die anderen anschließt und schwingt die Maurerkelle. Ihr Pfeiler in den Abmessungen von 49 mal 49 Zentimetern nimmt nach und nach Gestalt an. "Das sieht richtig gut aus, was du da machst", wird sie gelobt. In dem Beruf könnte sie gut bestehen. "Auf jeden Fall ist es interessant und abwechslungsreich, mal selbst auszuprobieren, was die Facharbeiter in ihren Berufen so alles leisten müssen", erzählt die Achtklässlerin.

Und zusammen mit den Klassenkameraden und den netten Ausbildern von der Berufsausbildungsakademie "Altmark" (BBA) bereite ihr das auch großes Vergnügen. "In meinem Traumberuf konnte ich mich hier allerdings nicht testen", sagt sie. Denn dieses Berufsfeld würde in der BBA-Ausbildungsstätte im Havelberger Gewerbegebiet Nord leider nicht angeboten. "Mein großer Wunsch ist es nämlich, später einmal als Lehrerin mein Geld zu verdienen." Die praktischen Erfahrungen, die sie jetzt im Rahmen des BOP-Projektes (Berufsorientierungsprogramm) sammelt, könnten ihr für die Verwirklichung dieses Zieles aber sicherlich nicht schaden, meint das sympathische Mädchen.

Auch Daniel Meinert hat andere Vorstellungen über seinen künftigen Berufsweg. "Der Maurerberuf hat mir in diesem zehntägigen Praktikum von allen drei Berufsfeldern, in denen ich tätig war, zwar am besten gefallen, aber das Richtige, glaube ich, ist er nicht für mich." Denn Daniel begeistert sich mehr für technische Dinge. "Mein erstes Betriebspraktikum zum Ende der achten Klasse möchte ich auf jeden Fall in der Werkstatt eines Klietzer Autohauses machen", sagt der 14-Jährige. Kfz-Mechatroniker ist sein Berufswunsch Nummer eins. Bei einer zum Ende des vergangenen Schuljahres vorgenommenen sogenannten Potenzanalyse hatte ein speziell dafür entworfenes Computerprogramm für ihn neben dem Maurerhandwerk auch noch die Berufsfelder Holz/Farbe/Raumgestaltung sowie Lager/Handel/Verkauf vorgeschlagen.

Achtklässler waren die Ersten in dem Programm

Richtig gelegen haben könnte dieses Programm mit seiner Analyse bei Fabian Weichert aus Havelberg. "Ich möchte später irgendwas mit Computern machen", erklärt er. Die ersten Grundlagen dafür hat er in den letzten Tagen erhalten. Denn er gehörte zu den Schülern, die im Bereich Wirtschaft/Verwaltung/IT praktisches Wissen sammeln konnten "Da vergingen die Stunden einfach viel zu schnell", erzählt der junge Mann.

Die Achtklässler aus der Sekundarschule "Am Weinberg" - insgesamt 40 aus zwei Klassen - waren die Ersten, die sich an BOP beteiligt und es nun komplett durchlaufen haben. Dieses Programm, das vom Bundesinstitut für Berufsbildung initiiert worden ist, läuft vorerst über einen Zeitraum von drei Jahren: von 2011 bis 2013.

"Das Berufsorientierungsprogramm bereichert die Berufsvorbereitung an unserer Schule ganz hervorragend", macht Ulrich Gruber, verantwortlicher Lehrer für die Berufsorientierung an der Sekundarschule, deutlich. "Aus diesem Grund sind wir auch sofort mit eingestiegen, als uns die Teilnahme an dem Programm angeboten worden ist." Mit den dafür notwendigen Partnern wurden die entsprechenden Kooperationsverträge geschlossen.

Wie es für die Schüler aus den 8. Klassen nun nach dem BOP weitergeht? "Im Unterricht werden wir die Maßnahme weiter auswerten und natürlich auch mit den Berufswahlpässen arbeiten." Das ist ein Ordner mit Materialien, die dabei helfen, die Stärken eines jeden Einzelnen zu entdecken und zu fördern und schließlich in einen passenden Beruf einzubinden. In dem Ordner werden zum Beispiel Zeugniskopien, Bescheinigungen für schriftliche Bewerbungen, Nachweise über die Teilnahme an Praktika und vieles andere mehr abgeheftet. Er begleitet die Schüler von der 7. bis zur 10. Klasse.

 

Bilder