Die von Anke Schleusner-Reinfeldt unlängst im "Guten Morgen" geäußerten Empfindungen hinsichtlich der neuen Hinweisschilder auf die romanische Klosteranlage in Jerichow kann ich als Pfarrer an der Tauf- und Patronatskirche der von Bismarcks nur teilen. Auch mich durchzuckte es einigermaßen und seither immer wieder, wenn ich an den neuen Hinweisschildern auf den Bundesstraßen 107 und 188 vorbeifahre. Da sind die Jerichower den Schönhausern in Sachen Öffentlichkeitsarbeit nun also eindeutig einen Schritt voraus! Oder aber, anders ausgedrückt: Da zeigen die Jerichower den Schönhausern nun also, was mit recht einfachen Mitteln an guter Öffentlichkeitsarbeit für einen Ort mit wertvollem kulturellem Erbe

möglich ist.

Dabei könnte das durchaus vorbildliche Vorgehen der Jerichower Verantwortungsträger einen Schönhauser ja völlig "kalt" lassen, wenn nicht Schönhausen mit der Kirche, dem Bismarck-Museum, dem Schlosspark und dem Gut II wohl durchaus vergleichbar große Sehenswürdigkeiten vorzuweisen hätte wie das benachbarte Jerichow. Um so schmerzlicher noch ist diese Einsicht mit Blick auf die in Schönhausen bevorstehenden Fest- und Gedenkjahre zu empfinden, das Festjahr aus Anlass des 800-jährigen Bestehens der Kirche im kommenden Jahr und den 200. Geburtstag Otto von Bismarcks im Jahr 2015. Letzterem Datum schenken, während Schönhausen gerade in den Schatten der Jerichower Hinweisschilder gerät, mittlerweile auch schon die Landesregierung Sachsen-Anhalts und der Tourismusverband Altmark ihre Aufmerksamkeit. Als wenig ratsam erscheint mir an dieser Stelle übrigens jedes "Kirchturmdenken", das nur am Vorankommen des eigenen Dorfes

interessiert ist. Geradezu unsachgemäß wäre eine solche Haltung auch deswegen, weil es in der Region zwischen Elbe und Havel ja in fast jedem Ort wertvolle steinerne Zeugen aus einer bis in die Zeit der Romanik zurückreichenden Vergangenheit gibt. Man denke nur an Wust, Melkow und Großwulkow sowie nicht zuletzt an Havelberg mit seinem Dom. Eine in der Region abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch Hinweisschilder an Bundes- und Landstraßen gehören, könnte dazu beitragen, die kulturellen Schätze insgesamt zu heben, den Tourismus zu fördern und die Menschen dafür zu begeistern, in einer sowohl von der Historie wie auch von der Natur so reich bedachten Landschaft zu leben.

Ralf Euker,Schönhausen