Gaststätte, Schule, Kindergarten - all das hatte Poppau einst zu bieten. Wo sich diese Einrichtungen in dem 650 Jahre alten Dorf einst befanden, erfuhren die Teilnehmer des historischen Rundgangs mit "Schweinehirte" Helmut Fehse.

Poppau l Wandern macht hungrig und durstig. Nur gut, dass Helmut Fehse während seines historischen Dorfrundgangs durch Poppau auch an reichlich Raststationen gedacht hatte. So durften die Teilnehmer in der Feinkostmanufaktur von Simone Heidmann und Tatjana Schubert Häppchen mit selbstgefertigten Brotaufstrichen probieren und bei Familie Lindner einen Tomatensnack mit Mozzarella naschen. Doch wo erfrischten sich die Poppauer früher, als es noch Gaststätten im Ort gab?

Helmut Fehse wusste auch hierauf eine Antwort und entführte die Spaziergänger in die 123-jährige Kneipengeschichte Poppaus. An der Abzweigung des Weges nach Siedentramm befand sich die Gaststätte. 1902 erbaut, bewirtschaftete bis 1919 Gastwirt Bismark, gefolgt von Isensee (bis 1925) das Gebäude. "Anschließend haben Schierhorns die Kneipe übernommen, bis sie 1992 zumachte. Dort fanden alle großen Feiern statt", erinnerte sich Fehse.

Weitaus komplizierter ist die Poppauer Schulgeschichte. Gegenüber dem heutigen Kriegerdenkmal befand sich einst das alte Hirtenhaus, in dem im Winterhalbjahr der Unterricht stattfand. 1852 wurde das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen und die Gemeinde errichtete sechs Jahre später an gleicher Stelle eine neue Schule. Doch auch die genügte schon bald nicht mehr. "Zeitweise wurden hier bis zu 40 Kinder der ersten bis achten Klassen unterrichtet", so Fehse.

1913 beschloss der Rat einen Neubau schräg gegenüber dem Dorfteich. "Er kostete 2800 Goldmark und wurde von Maurermeister Schmidt aus Beetzendorf 1915 fertiggestellt", berichtete Helmut Fehse. Zu Ostern konnte der erste Jahrgang Kinder unterrichtet werden, in die angeschlossene Lehrerwohnung zog Lehrer Gruß aus Rohrberg mit seiner Frau ein. "Er war eine Institution im Dorf und hat hier 47 Jahre bis 1949 unterrichtet. So etwas gibt es heute gar nicht mehr", erzählte der ehemalige Bandauer Bürgermeister.

1949 wurde auch der letzte Schülerjahrgang in Poppau eingeschult, die erste bis vierte Klasse absolvierten die Kinder dann bis 1968 in Bandau. Für die höheren Klassen waren Klötze und Beetzendorf die Standorte. Das Schicksal des alten Schulgebäudes, das 1931 abgerissen wurde, blühte dem neuen jedoch nicht. 1954/55 wurde es als Erntekindergarten genutzt, ab 1956 fungierte es als Säuglingsheim des Kreises Klötze und 1966 zog die Konsum-Verkaufsstelle der Gemeinde ein. Seit 1999 ist das Gebäude ein reines Wohnhaus.

 

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