Dreileben/Drackenstedt l 40 Minuten Wartezeit am Bahnübergang in Dreileben-Drackenstedt - "das ist zu viel", ärgert sich die Oschersleberin Renate Brügmann. Täglich pendelt sie mit dem Bus zwischen Oschersleben und Haldensleben. Am Dienstagnachmittag stand am Bahnhof Dreileben dann das "große Warten" auf dem Fahrplan. Während der Verkehr auf den Schienen rollte, staute er sich auf der Straße.

"Ich fahre täglich mit dem Bus 16.10 Uhr von Haldensleben Richtung Oschersleben. Am Dienstag hielt der Busfahrer wie gewohnt vor den geschlossenen Schranken am Bahnhof Dreileben-Drackenstedt. Aber es vergingen keine 5 oder 10 Minuten Haltezeit, sondern ganze 40 Minuten! Sieben Züge passierten während dieser Zeit den Bahnhof, ohne dass ein einziges Mal die Schranken geöffnet wurden", erzählt Fahrgast Renate Brügmann. Während dieser Zeit habe sich der Busfahrer erkundigt, warum die Schranken geschlossen blieben. "Der Busfahrer muss sich ja schließlich auch an Fahrpläne und Abfahrtzeiten auf seiner Route halten", gibt die Oschersleberin zu bedenken. Viele Fahrzeuge hätten gewendet, um sich wohl einen anderen Weg zu suchen. "Erst nach 40 Minuten und sieben Züge später wurden die Schranken für den Verkehr geöffnet. Das ist zuviel", ärgert sich die Oschersleberin.

Die Volksstimme hakte bei der Deutschen Bahn in Leipzig nach. Pressesprecherin Erika Poschke-Frost erklärte am Freitag, dass der Grund dieser langen Schließungszeit keine Störung am Bahnübergang gewesen sei, sondern dass es, bedingt durch den gegenwärtigen Umleitungsverkehr infolge der Hochwasserschäden, zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf der Strecke Berlin-Eilsleben-Helmstedt gekommen sei. "Bevor ein Zug diesen Bahnübergang befahren kann, muss dieser technisch gesichert sein. Diese technische Sicherung erfolgt über Ein-und Ausschaltkontakte. Dies kann in ungünstigen Fällen durch eine sehr hohe Zugfolge zu langen Schließzeiten führen", erklärte die Sprecherin.

"Diesen Umleitungsverkehr werden wir auf dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke noch eine ganze Weile haben. Zu der Situation am Dienstagnachmittag muss man aber sagen, dass es sich hier um einen Ausnahme- und Extremfall handelt. In diesem beschriebenen 40-minütigen Zeitfenster sind einfach sehr viele Züge in kurzen Abständen auf der Schiene gewesen, so dass es zu dieser langen Wartezeit an der Schrankenanlage gekommen ist." Die Sprecherin meinte auch, dass der Busfahrer richtig reagiert hätte, indem er sich erkundigt hat. "Denn wäre der Grund weshalb sich die Schranken nicht öffnen, ein technischer Defekt gewesen, würde die verständigte Polizei tätig werden und den Verkehr manuell über die Gleise führen", erklärt sie.

Gerald Böhner, Einsatzleiter bei der KVG Börde Bus, sagte gestern auf Volksstimme-Nachfrage, dass solche Wartezeiten an verschlossenen Schranken für die Fahrgäste immer höchst ärgerlich seien. "Wenn die Busse stehen, kommt der ganze Fahrplan der Linie durcheinander", sagt er. "Dann ist nicht nur die Zeit, sondern auch die Fahrt futsch."