Architekten beweisen jetzt in Oschersleben "Mut zu Lücke". Das heißt, sie wollen im Rahmen eines Architektenwettbewerbs dazu beitragen, dass in der Halberstädter Straße eine Baulücke geschlossen wird.

Oschersleben l "Oschersleben ist die siebente Stadt, die in diesem Jahr in den Wettbewerb einsteigt", sagte Nancy Eggeling von der Architektenkammer Sachsen-Anhalt kürzlich bei einem Kolloquium zum Wettbewerb "Mut zur Lücke - Mut zu Neuem" in Oschersleben. Hierbei sind in den nächsten Monaten frische Ideen von Architekten gefragt, die nicht nur eine (Bau-)Lücke in der Halberstädter Straße schließen, sondern auch Lösungen für nachhaltiges Wohnen bringen. Aspekte wie größtmögliche Energieeffizienz und Barrierefreiheit spielen dabei eine große Rolle. Teil der Wettbewerbsaufgabe ist es aber auch, dass sich das Objekt sensibel in das Umfeld einpasst.

Insgesamt hatte sich die Stadt mit zehn Lücken für den Wettbewerb beworben - die in der Halberstädter Straße 94 bis 97 erwies sich letztlich als am besten geeignet. Zehn Ar- chitekturbüros wollen jetzt dazu ihre Ideen entwickeln und in den Wettbewerb einsteigen.

Glücklich darüber, dass es jetzt richtig losgeht, ist auch Bürgermeister Dieter Klenke. Durch die Stadtsanierung, so sagte er, sei seit 1991 vieles erhalten und umgestaltet, aber auch neu geschaffen worden. Die Quartiere im Sanierungsgebiet seien ansehnlich geworden und manche interessante Lösung, wie beispielsweise für den sozialen Wohnungsbau, sei gefunden worden. "Auch in diesen Bereichen haben wir Lücken gehabt", machte er den Architekten, die sich nun dem Wettbewerb zu dem Objekt Halberstädter Straße 95 bis 97 stellen wollen, Mut. Es brauche Leute, die Interesse daran haben, auch wenn es nicht einfach sei, im Bestand zu bauen.

Andererseits zeigt sich aber auch ein Bedarf an Wohnraum in der Innenstadt. "Es gibt einen Wandel in der Stadt, immer mehr junge Leute ziehen wieder ins Zentrum", unterstrich Dieter Klenke. Für die ältere Generation, die nach derartigem Wohnraum fragt, lässt sich als Slogan "Kurze Wege für alte Beine" ableiten.

Die Entwicklung hat auch Jens Schneider, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Neues Leben, erkannt. Die Wohnungsgenossenschaft ist als Bauherr des Neubaus, der zunächst in der Halberstädter Straße 95 bis 97 entstehen soll, mit ins Boot gestiegen. Geplant ist, dass die Häuser mit den Hausnummern 96 und 97 abgerissen werden, bevor ein Neubau die Lücke von der Hausnummer 95 bis 97 schließt.

"Wichtig ist, dass die Wohnungen und Geschäfte vermietbar sind", erklärte Jens Schneider seine Vorstellungen. So gab er auch bereits einige Aspekte für die Architekten vor. Parkplätze beispielsweise in einer Tiefgarage wären wünschenswert, helle Räume, Abstell- und Fahrradräume sollten im neuen Haus vorhanden sein. Würde das Wohn- und Gewerbehaus generationsübergreifend angelegt werden, wäre es, so Jens Schneider, für junge Leute eine Alternative für ein Eigenheim auf der grünen Wiese.

"Wir hätten schon Interesse, die Lücke ganz zu schließen", fügte Jens Schneider hinsichtlich der Freifläche auf dem Grundstück Nummer 94 hinzu. Doch hier gibt es derzeit noch einige Unklarheiten.