Homophobie ist schon ein sperriges Wort. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird merken, dass die Inhalte und Probleme genauso schwer anzupacken sind. Der Begriff beschreibt eine unbegründete Feindseligkeit gegen schwule und lesbische Menschen.

Polkau l Der Jugendaustausch- und Kulturförderverein "Die Schmiede" in Polkau hat sich des Themas angenommen und eine Petition gestartet, die in den Kreistag eingebracht werden soll. Am Sonnabend wurde im Rahmen der Veranstaltung "Feuerball" das Thema diskutiert und mit Informationen bereichert.

Es gilt immer noch als unnormal, sich zu outen

Eva Bretschneider von der Schmiede stellte gegenüber der Volksstimme das Papier vor: "Es gilt hier immer noch als unnormal, sich zu outen. Wir wollen in der Mehrheitsgesellschaft darauf aufmerksam machen, dass es Menschen mit anderer sexueller Orientierung gibt. Wir fordern die Aufklärung über Homophobie und Sexismus an den Bildungseinrichtungen im Landkreis." Dazu sei eine Sensibilisierung der Pädagogen nötig. "Ich wünsche mir, dass die Lehrkräfte die Diskriminierung sofort unterbinden, wenn auf dem Pausenhof die Wörter ¿schwule Sau\' zu hören sind", nennt Bretschneider als Beispiel.

Nötig sei die richtige Ausbildung von Pädagogen für das Thema und ausreichend Platz in den Lehrplänen. Die angehende Lehrerin gesteht ein, dass das Papier wenig Konkretes enthält. Vielmehr sei es nach einem nahezu wirkungslosen offenen Brief, der vor neun Monaten an die Schulen verschickt wurde, wichtig, das Thema in die Gesellschaft zu tragen. "Es gibt für Jugendliche keinen Anlaufpunkt, wo sie sich hinwenden können", klagt Eva Bretschneider. Gemeinsam mit 14 Jugendlichen wurde die Petition erarbeitet, die während der Veranstaltung "Feuerball" unterschrieben werden konnte.

Auf dem Gelände des Kulturvereins waren zahlreiche Ansprechpartner zu den Themen Homosexualität, Aids und Coming-out anzutreffen. Vor Ort waren das Jugendnetzwerk Lambda und der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). In kleinen Gesprächsrunden wurde diskutiert und informiert. Lothar Zahn von der "Schmiede" freute sich, dass auch "bürgerliche Menschen" den Weg zur Veranstaltung fanden.

Kulinarische und musikalische Genüsse in der Palisadenburg

Für das leibliche Wohl war gesorgt, zudem wurden den Gästen am Abend auch kulturelle Genüsse zuteil. Der Berliner Künstler Ali Alican startete gemeinsam mit lokalen Musikern eine Jam-Session, bevor er allein das Programm gestaltete. Mit melancholisch-schönen Melodien aus Anatolien, die der Musiker auf dem Volksinstrument Saz spielte, begeisterte er das Publikum.

Eva Bretschneider ist engagiert, das merkt man. Interessant wurde das Thema für den Verein unter anderem, weil einige Mitglieder homosexuell sind. Bretschneider: "Es gibt in unserer Region keine Feten und kein Kennenlernen dieser Subkultur. Wir wollen beispielhaft wirken - wie mit dem ¿Feuerball\', der im nächsten Jahr wieder aufgelegt werden soll."

 

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