Das Musikfest "Klänge im Raum" im Salzlandkreis besteht seit 20 Jahren. Von Anfang an organisierte ein Team von Kulturschaffenden die Konzertreihe. Projektleiterin ist Dorothea von Pock. Mit Volksstimme-Redakteur Daniel Wrüske sprach sie über Anfänge, Gegenwart und Zukunft von "Klänge im Raum".

Volksstimme: Jubiläumsjahr für "Klänge im Raum" - ist das Festival "erwachsen" geworden? Worin sehen Sie den Erfolg für den langen Bestand?

Dorothea von Pock: Das Musikfest hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Entwicklung erlebt. Ja, das Festival ist erwachsen geworden. Gemeinsam mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie wurde es zum Bindeglied für die gesamte Region des Salzlandkreises. Musik erreicht nun auch unsere ländlichen Regionen, wird in kleinen Gemeinden und Kirchen erlebbar, was bis vor 20 Jahren eine Ausnahme war.

Volksstimme: Worin, glauben Sie, liegt der Erfolg der Reihe?

Dorothea von Pock: Die interessante Mischung musikalischer Programme sowie die Einbeziehung von Musikschülern, Chören und anderen Laienmusikern tragen maßgeblich zu diesem langjährigen Erfolg des Festivals bei. Immer wieder spüren außerdem die "Klänge im Raum" dem Besonderen in Ort und Musik nach, mit dem Ziel, den Geschmack des Publikums zu treffen.

Volksstimme: Es geht um die Musik! Klänge im Raum macht Musik in einem besonderem Umfeld erlebbar. Was bietet das Jubiläumsjahr? Würden Sie ein Konzert empfehlen?

Dorothea von Pock: Ich empfehle alle zwölf Konzerte, denn jedes Einzelne zeigt in seiner Programmatik eine unverwechselbare Daseinsberechtigung. Das ist allein dem Gespür von Christian Simonis zu verdanken. Das Festkonzert anlässlich 20 Jahre "Klänge im Raum" am Freitag, 26. April, soll natürlich zu einem musikalischen Höhepunkt werden. Generalmusikdirektor Christian Simonis stellt mit dem Programm über die musikalischen Jubilare Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Benjamin Britten und Witold Lutoslawski einen Bezug zum 20. Jubiläum her. Programmhöhepunkte werden sicher die Arien aus Verdis Opern "La Traviata", "Macbeth" und "Rigoletto" mit Sopranistin Annika Gerhards und Bariton Henryk Böhm, begleitet von unserer Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Wissenswerte Einblicke über alle zwölf Konzerte sind im sehr gut gelungenen Programmheft enthalten.

Volksstimme: Sie schrieben einmal: "Das Musikfest Klänge im Raum und die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie sind zu einem festen Bindeglied für die gesamte Region geworden. Mit den Konzerten werden immer wieder neue Räume erschlossen, wird Musik auch zu den Menschen gebracht, welche die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie bislang noch nicht kennen und diesen Klangkörper nun mit Sicherheit auch lieben und schätzen lernen werden. Musik verbindet, weil die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie verbindet." Wo ist es wichtig, heute weiter integrativ zu wirken - ist die Kraft der Kunst, zu verbinden, genauso stark wie vor 20 Jahren?

Dorothea von Pock: Diese Kraft ist in den 20 Jahren natürlich noch stärker geworden. Die Projektgruppe wird sich auch in den nächsten Jahren bemühen, gemeinsam mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie immer weitere "Räume" zu erschließen und vor allem mit den Musikschulen und Allgemeinbildenden Schulen noch intensiver zusammenzuarbeiten. Die "Klänge im Raum" konnte ich als damaliger Koordinator für Kultur im Landkreis Schönebeck gemeinsam mit den Kulturverantwortlichen der Kommunen in Schönebeck Lothar Finke, in Calbe Petra Ambach-Raschke, in Barby Heike Krull, mit Kreiskantor Joachim Steinbach und Gerald Gödecke realisieren. Natürlich ging die Entwicklung weiter. Unter Trägerschaft des Fördervereins der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie gehören heute zum Vorbereitungsteam Generalmusikdirektor Christian Simonis, Geschäftsführer der Kammerphilharmonie Hans Simon, die Musikschule Béla Bartók mit ihren verschiedenen Standorten, die Kirchenmusiker Thomas Wiesenberg, Birgit Wassermann und Sebastian Saß aus den Kirchenkreisen Egeln und Bernburg, das Carl-Maria-von-Weber-Theater Bernburg, das Bestehornhaus Aschersleben, das Salzlandtheater Staßfurt mit seinem Förderverein, das Ensemble Theatrum, Schloss Hohenerxleben und der Künstlergarten Feldbach in Zens. Durch gut akzentuierte Programme und unermüdliches, geschicktes künstlerisches Engagement gelang es Generalmusikdirektor Christian Simonis, unser Festival im neuen Salzlandkreis fest zu etablieren. Er begeistert Organisatoren und Musikinterpreten immer wieder, so dass die "Klänge im Raum" zu einem verbindenden Konzerthöhepunkt werden.

Volksstimme: Schirmherren der "Klänge im Raum" waren in den zurückliegenden Jahren stets die Landräte des Landkreises und die Superintendenten der Kirchenkreise. Zeitweilig konnte auch der jeweilige Minister des Landes Sachsen-Anhalt als Schirmherr gewonnen werden. Ist die politische Dimension wichtig?

Dorothea von Pock: Selbstverständlich ist die politische Akzeptanz eines solchen Musikprojektes von besonderer Bedeutung. Ohne ideelle und finanzielle Unterstützung der zuständigen Gremien unserer Landesregierung, des Landkreises mit seinen Städten und Gemeinden sowie der evangelischen Kirchenkreise wäre die kontinuierliche Fortsetzung des Festivals und eine immer besser werdende Qualität im Laufe der 20 Jahre nicht möglich gewesen.

Volksstimme: Wo kann "Klänge im Raum" in Zukunft Akzente setzen?

Dorothea von Pock: Für die Zukunft hat sich das Projektteam vorgenommen, zur Absicherung der Finanzierung des Festivals weitere Partner aus der freien Wirtschaft zu gewinnen, den Förderverein als Träger noch intensiver einzubeziehen und neue interessante Konzerträume zu erschließen. Unsere Zusammenarbeit mit den Standorten der Musikschule "Béla Bartók" sowie der Musikschule Bernburg werden wir vertiefen und Schulen, wie zum Beispiel das Martinszentrum noch intensiver in die Konzertgestaltung einbeziehen. Wir sind voller Ideen, werden stets neue interessante Akzente setzen und die "Klänge im Raum" auch in den kommenden Jahren zum unvergesslichen Musikerlebnis gestalten. Ich bin überzeugt, unser Festival wird auch weiterhin zur Bereicherung des kulturellen Angebots im Land Sachsen-Anhalt beitragen.