Kabarett und Schule - passt das zusammen? Nach Ansicht der Brüder Hengstmann und des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums ja. Beide Partner geben heute eine Patenschaft bekannt.

Schönebeck/Magdeburg l Eine außergewöhnliche Partnerschaft und Patenschaft bahnt sich im Schönebecker Gymnasium an. Zum Weihnachtskonzert der Schule am heutigen Freitag in der St.-Jakobi-Kirche gehört die feierliche Unterzeichnung einer Urkunde, die die Zusammenarbeit der Bildungsstätte und dem Kabarett "... nach Hengstmanns" aus Magdeburg dokumentiert. "Das hat mit dem Titel ¿Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage\' zu tun, den wir tragen" klärt Ulrike Prill auf. Sie ist Lehrerin für Sozialkunde und Englisch.

Ein Kriterium des verliehenen Titels sei, dass sich Schulen Paten suchen. Die meisten haben sich für Politiker entschieden, für Bürgermeister, Landtags- oder Bundestagsabgeordnete, die dann schöne Reden halten. Das Schönebecker Gymnasium entschied sich vor knapp drei Jahren für Sven Liesegang vom Magdeburger Handball-Bundesligisten als Paten. Doch in Magdeburg ist der Trainer nicht mehr verpflichtet, sondern in Halle. "Die Distanz ist zu groß, das lässt sich nur schwer überbrücken", schätzt Ulrike Prill ein.

So habe man lange überlegt und sei auf das Hengstmann-Kabarett gekommen. Wie das? "Kabarettbesuche gehören zum Schulalltag. Sozialkunde lässt sich nirgendwo besser vermitteln als im Kabarett", sagt die Lehrerin mit überzeugtem Tonfall. Sie berichtet von ihrer elften Klasse, die begeistert war von den Programmen der Hengstmänner (dazu gehört neben den Brüdern Sebastian und Tobias auch Vater Frank Hengstmann). "Wir sind auf die Künstler zugegangen und haben unseren Vorschlag unterbreitet", berichtet Ulrike Prill vom Werdegang der Patenschaft. Hengstmanns zeigten sich sehr angetan. Ihnen ist es wichtig, dass junge Leute den Weg ins Kabarett finden. Und: "Es gibt nichts wichtigeres, als sich gegen Rassismus zu engagieren", sagte Tobias Hengstmann gestern im Gespräch mit der Volksstimme.

Beide - Tobias und Sebastian - waren von Anfang an von der Patenschaft überzeugt. Vor allem auch deshalb, weil ein Gymnasium im Schatten der Landeshauptstadt auf die Idee gekommen sei, die Kabarettisten überhaupt anzusprechen.

Das Miteinander hat quasi schon begonnen. Die Weihnachtsfeier des Lehrerkollegiums ist im Kabarett "... nach Hengstmanns" im Magdeburger Breiten Weg ausgerichtet worden. Bei schulischen Höhepunkten, wie etwa dem geplanten Comenius-Ball im April kommenden Jahres, so kann es sich die Pädagogin jedenfalls vorstellen, könnten die Kabarett-Leute dabei sein. Außerdem gibt es an der Schule eine Theatergruppe. Vielleicht bekommen die jungen Mimen ja den ein oder anderen Tipp von den Profis, wenn es um schauspielerische Kunst geht, eventuell bei einem Workshop. Zudem fände es Ulrike Prill super, wenn sich eine Kabarettgruppe am Gymnasium bilden würde.

Das wäre dann direkt vor Ort die aktive Fortsetzung des Sozialkundeunterrichtes mit anderen, mit idealen Mitteln. Bei all der deutlich werdenden Zuneigung erübrigt sich dann wohl die Frage, ob Frau Lehrerin auch persönlich Kabarett anregend findet? "Finde ich gut, na klar."

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