In der Feldmark von Glinde erinnert ein Gedenkstein an den Landwirt Wilhelm Bodenburg, der 1890 bei Feldarbeiten am Hohen Teich vom Blitz erschlagen wurde. Es war in dieser Gegend kein Einzelfall.

Glinde l Der Glinder Landwirt Wilhelm Bodenburg war für damalige Verhältnisse schon hoch betagt, als er sich am 5. Mai 1890 am Hohen Teich aufhielt. Vermutlich war der 78-Jährige an jenem Montag bei der Feldbestellung. Als es in den Nachmittagsstunden in der Ferne grummelte, wird er sich gedacht haben: Bis das Gewitter kommt, werde ich mit meiner Arbeit fertig und zuhause sein. Wilhelm Bodenburg hatte in seinem langen Leben schon viele solcher Naturereignisse erlebt. Auch Blitz-einschläge in der Ferne kannte er oder Bäume, die von dem Himmelsstrahl zerfetzt wurden.

Doch der 5. Mai 1890 sollte zum Schicksalstag für den Glinder Bauern werden. Mit fürchterlichem Knall schlug der Wetterstrahl, wie man damals auch sagte, in eine der Weiden ein. Der Glinder Landwirt war vermutlich sofort tot. Bodenburg muss beliebt gewesen sein. So ist erklärbar, dass man ihm einen Gedenk- stein am Ort des Unglücks aufstellte.

Die verwitterte Inschrift auf dem Stein lautet: "Unserem Freunde Wilhelm Bodenburg zum Andenken. Wurde vom Blitz erschlagen ... Mai 1890". Längere Zeit ging man vom Todesjahr 1898 aus, weil die letzte Ziffer ziemlich abgewittert ist und statt einer Null eine Acht vermuten ließ.

Vor zwei Jahren wurde Sandsteinobelisk neu aufgestellt

Nach einem Gemeinderatsbeschluss wurde der Sandsteinobelisk 2009 neu aufgestellt. Das vorgesetzte Grabkreuz vom Friedhof, dessen Inschriften im härteren Marmor kaum vergangen sind, lässt an den Lebens- und Sterbedaten keinen Zweifel. Bodenburg wurde 1811 geboren, verunglückte 1890.

Ursprünglich stand der Gedenkstein an anderer Stelle, jedoch in der Nähe. Vermutlich direkt auf dem Acker, weshalb man ihn später an den Feldrain neben einem Entwässerungsgraben platzierte. Für die Rekonstruktion und sichere Aufstellung hatte sich der Lichtmessvorstand und Heimatfreund Wilhelm Trittel stark gemacht.

Blitzeinschläge sind in dieser Gegend offenbar häufiger als in anderen Gebieten. Der Barbyer Hauskalender berichtet davon, dass auch in einer Süßkirschenplantage, die sich nur knapp einen Kilometer von Bodenburgs Todesort befand, eine junge Frau vom Blitz getötet wurde. Weitere Unfälle dokumentierte die Barbyer Zeitung. Zitat: "Durch den Blitz erschlagen wurde am 23. Juli 1910 die 23-jährige Frieda Riemer aus Groß Rosenburg in der Nähe der Wachsfabrik Pömmelte." Das Areal, das heute "Neue Siedlung heißt", ist Luftlinie nur zwei Kilometer von Bodenburgs Todesort entfernt.

Auch in jüngerer Zeit knallte es bei Gewittern zwischen dem heutigen Kiessee und dem Glinder Elbebogen nicht selten. Narben an Bäumen erinnern daran. Vermutlich spielen die hydrologischen Verhältnisse dabei eine Rolle.

Der Sandsteinobelisk war in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr umgesunken. Er steht an einem Verbindungsweg zwischen der Barby-Pömmelter-Chaussee und Glinde.

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