Nostalgie pur! Das Salzlandmuseum zeigt Spielzeugwelten aus drei Jahrhunderten. Puppe, Stofftier und Co. sind nicht nur schön anzusehen, sondern vermitteln auch etwas über Spielgewohnheiten verschiedener Zeiten.

BadSalzelmen l Rüdiger Radicke geht zielgerichtet auf eine Glasvitrine im Salzlandmuseum zu. Der Museumsleiter zeigt, befragt nach seinen Lieblingsstücken der aktuellen Spielzeugausstellung im Salzelmer Haus, Lineol-Figuren. "Ich finde es spannend, wie die Figuren verarbeitet sind, wie detailgetreu die Darstellung ist." Neben Indianern, Cowboys, Tieren und Soldaten stehen Krippenfiguren und bunte Kinderfiguren im Glasschrank.

Die bunte Mischung steht sinnbildlich für die aktuelle Schau im Salzlandmuseum. "Spielzeug im Märchenwald - Spielzeug aus drei Jahrhunderten" ist ihr Titel. Und die Zahl der Ausstellungsstücke, die Rüdiger Radicke und seine Helfer zusammengetragen haben, ist beachtlich. 210 verschiedene Spielzeugarten mit noch mehr verschiedenen Exemplaren werden im ehemaligen großen Ratssaal ausgestellt. Die Besucher können allein 45 Puppen und Teddys, 30 Autos und über 20 Märchenfiguren sehen. Dazu Spiele, Bücher und Zeitschriften.

Dabei haben die Macher auf Abwechslung gesetzt. Traditionell wird im Salzlandmuseum zu Weihnachten eine Ausstellung mit Spielzeugen gezeigt. In diesem Jahr ist aber der eigene Fundus in das Museum Schloss Bernburg ausgeliehen. Eine Kooperation der vier Museen im Salzland setzt auf den Austausch und die Zusammenarbeit. In Salz- elmen hat man die Ausstellung 2011 daher vor allem aus Fremd- exponaten zusammengestellt.

"Die Leute kommen, schauen, staunen und reflektieren ihre eigene Kindheit."

Rüdiger Radicke, Leiter des Salzlandmuseums in Bad Salzelmen

21 Sammler oder Institutionen haben dem Museum Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Heimatstube Plötzky ebenso wie der Nostalgieverein Klein Rosenburg oder "Antik und Trödel" aus dem Breiteweg. Von sieben Gebern bekam das Museum die Ausstellungsstücke sogar geschenkt, eine Bereicherung für das eigene Sammelsurium. "Alles nach einem kleinen Aufruf", freut sich der Museumschef. Auslöser, den Blick auf Spielzeug und Märchen zu lenken, sei eine Schenkung aus der Kreisstadt gewesen. Der Museumschef berichtet, dass die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg seinem Haus große Märchenfiguren geschenkt hätte, die in einzelnen Szenen zusammengestellt sind.

Während der Konzeption der Schau kamen echte Raritäten dazu: die Lineol-Figuren, Figuren aus der Biedermeier-Zeit, Käthe-Kruse-Puppen aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts oder die Modelleisenbahn von 1935. Das älteste Schaustück ist eine kleine Puppen-Kommode, um 1700 entstanden. Unscheinbar, wie eine kleine Schatztruhe steht sie in der Glasvitrine. "Sie hätte bestimmt viele Geschichten zu erzählen", meint Rüdiger Radicke. Geschichten vom Spielen in früheren Zeiten. Ein Anliegen, dass das Kreismuseum durchaus verfolgt. Besucher aller Altersgruppen kommen zum Schauen. "Bei Schulklassen und Kindern merken wir, dass es oft darum geht, wie Spielzeug früher war." Es gab Puppen für arme und reiche Kinder, getrenntes Spielzeug für Mädchen und Jungen. "Die Kinder erfahren, dass sich auch die Spielkultur verändert hat." Viel mehr sei auch handgefertigt gewesen, damit individueller als heute. Das könne auch für Erwachsene spannend sein, meint Rüdiger Radicke: "Die Leute kommen, schauen, staunen und reflektieren ihre eigene Kindheit."

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. März zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Telefonische Vereinbarung für Gruppen zu jeder Zeit unter (03928)69417.