Schüler aus Schneidlingen waren kürzlich Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann und Schauspieler gleichzeitig. Sie machten mit an einem Filmprojekt der Medienanstalt Sachsen-Anhalt. Das widmete sich den sozialen Netzwerken im Internet, damit verbundenen Risiken und wie man sich schützt. Zudem schnupperten die jungen Teilnehmer beruflich in die Medienbranche rein.

Von Nora Menzel

Schneidlingen. Über soziale Netzwerke virtuell mit Freunden in Kontakt treten, sich verabreden, das Neueste austauschen - Auch in Schneidlingen sind Internet-Plattformen wie SchülerVZ oder Facebook für die Mädchen und Jungen der neunten Klasse der Sekundarschule "Leben Lernen" Alltag. Bleibt zu fragen: Welche Informationen gibt man für jedermann zugänglich offen über die eigene Person im Internet preis, wem kann man vertrauen und was passiert, wenn andere jemanden bei anderen schlecht dastehen lassen, also mobben? Antworten darauf und Erfahrungen tauschten 18 Jugendliche zusammen mit Betreuern der Medienanstalt Sachsen-Anhalt in drei Gruppen kürzlich aus. Der Startschuss einer Projektwoche. Dabei herausgekommen sind drei Filme.

Die Teilnehmer setzten sich an fünf Tagen mit Internet-Risiken auseinander, entwickelten Ideen für Handlungen. So entstand ihr eigenes Drehbuch. Dialoge wurden getextet, Rollen verteilt. Mit Kamera und Klappe ausstaffiert drehten die Filmteams im Schneidlinger Park, auf der Straße, in der Schule, auf dem Pausenhof. Das Material wurde am Computer geschnitten bis zur fertigen DVD.

"Nicht der Film als Endprodukt ist entscheidend, es geht um die medienpädagogische Arbeit", erklärt Christian Klisan von der Medienanstalt Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen ist seit 2001 in Schulen und Jugendeinrichtungen landesweit unterwegs. "Wir wollen den Jugendlichen mit der praktischen Arbeit zu verstehen geben, was sie konsumieren und wie sie damit verantwortungsvoll umgehen", sagt der Betreuer.

Klassenlehrerin Ramona Görling hat dasselbe Ansinnen und holte die Experten ins Haus. Auch Mütter und Vätern wurden im Vorfeld sensibilisiert. Bei Elternabenden sei schon über Gefahren im Umgang mit Internet und Handy gesprochen worden. Die Anmeldung für die Filmprojektwoche der Landesmedienanstalt habe sich da prima eingereiht, begründet Görling. Nach den Drehtagen zieht sie eine positive Bilanz, auch weil die Jugendlichen direkt in die Filmproduktion mit eingebunden waren. So habe sich bei vielen eine "starke Eigenständigkeit" entwickelt. Zudem konnten sie einen Beruf, der mit Medien zu tun hat, kennenlernen.

Sehr zum Nutzen der Jugendlichen. "Ich habe gesehen, dass der Beruf des Schauspielers gar nicht so einfach ist", hat Steven für sich persönlich erfahren, dass er vor der Kamera auch ernst sein kann. Und Lisa fügt an, dass der Aufwand, einen Film zu machen, enorm ist. "Das viele Material zusammenfügen, das ist schon lang und aufwändig", sagt die Schülerin, dass auch beim Dreh Disziplin gefragt war, sonst muss die Szene ja so lange wiederholt werden, bis sie im Kasten ist. Spitzenreiter sei eine Sequenz gewesen, die 22 Mal lief.

Ein anderes Mädchen sagt, wie man sich gegen Mobbing im Internet schützt: "Kontakt ignorieren und die Person dem Internet- oder Netzwerkanbieter melden."

Betreuer Christian Klisan schätzt die Arbeit in Schneidlingen alles in allem positiv ein: "Die Jugendlichen waren engagiert dabei", spricht er von einer erfolgreichen Projektwoche.