Die seltene Großtrappe, die kürzlich in Rathmannsdorf gesichtet wurde (Volksstimme berichtete), ist dank eines Förderstedter Hobby-Ornithologen an den Ort gebracht worden, wo sie schlüpfte. Eingefangen im Achslagerwerk Staßfurt, fuhr Wolfgang Hahn den gefiederten Gast zur Vogelschutzwarte Buckow bei Rathenow.

Staßfurt. Für den 62-Jährigen war es wie ein Hauptgewinn, als er vergangene Woche von der Großtrappe erfuhr. Das Exemplar des weltweit vom Aussterben bedrohten, schwersten flugfähigen Vogels – Hähne können bis zu 18 Kilogramm schwer werden – war nach seinem Ausflug über Rathmannsdorf und das Achslagerwerk zum Staßfurter Tierpark gebracht worden. "Ich habe sofort versucht, mehr über die Herkunft des Tieres in Erfahrung zu bringen. Die Henne trug einen grünen Farbring der Vogelwarte Hiddensee", erzählt der Förderstedter begeistert von dem seltenen Gast.

Er sei wie Frank Bannasch seit seiner Jugend immer auf den Spuren der Vogelwelt, verriet Wolfgang Hahn. Und so kann er sich noch genau erinnern, wie er in den 1960er Jahren Großtrappen in unserer Region beobachten konnte. Die Vorkommen bei Hecklingen, Borne-Bahrendorf und im Raum Egeln seien leider längst Geschichte. "Bei schätzungsweise gut 100 Tieren, die heute im Fiener Bruch (Jerichower Land), den Belziger Landschaftswiesen und bei Buckow (Brandenburg) leben, kann man sich vorstellen, wie wertvoll jedes einzelne Exemplar ist", erklärt der passionierte Naturfreund.

Und so überlegte Wolfgang Hahn nicht lange, brachte die Großtrappe mit seinem Auto zur Vogelschutzwarte nach Buckow, nachdem er über den Landesbeauftragten für den Großtrappenschutz Sachsen-Anhalt in Tuchheim herausgefunden hatte, woher das Tier stammt. "Auch bei ihm war die Freude groß und sofort klar, dass diese Henne im Frühjahr in Buckow erbrütet, aufgezogen und im Spätsommer im Fiener Bruch ausgewildert wurde. Mit Ring und Sender bestückt, hat sie sich bis Oktober dort aufgehalten. Danach verschwand sie. Den Sender hatte sie offensichtlich verloren", berichtet Hahn. In der Vogelschutzwarte Buckow gebe es die besten Möglichkeiten, das Tier auch weiterhin zu betreuen.

"Die Bauern dort ziehen mit. Sie sprechen mit der Vogelschutzwarte ab, wann bestellt und geerntet wird"

Der "Ausreißer" von Staßfurt, normalerweise sind Großtrappen sehr standorttreu, war etwas abgemagert, aber stark genug, weiß Wolfgang Hahn noch. Die Henne wog etwas über drei Kilogramm. Warum sie so weit flog, erklären sich die Vogel-Experten damit, dass das Fiener Bruch durch die vielen Niederschläge in diesem Jahr zu nass war. Alle fünf Tiere von diesem Standort – sie leben in Gruppen – wurden schon längere Zeit nicht mehr gesichtet. Im Winter ernähren sie sich übrigens von Raps und Getreide. "Für die Jungenaufzucht ist tierische Nahrung erforderlich, doch Grashüpfer, Heuschrecken und dergleichen existieren nur in ökologisch gesunden Lebensräumen", meint der Förderstedter.

Den sich erholenden Beständen in den genannten Gebieten, sie konnten erfolgreich verjüngt werden, rechnen die Experten jedenfalls gute Chancen aus. "Die Bauern dort ziehen mit. Sie sprechen mit der Vogelschutzwarte ab, wann bestellt und geerntet wird", schwärmt Wolfgang Hahn von dem Schutzprogramm, das bereits zu DDR-Zeiten existierte.

Das Mitglied der Staßfurter Fachgruppe Faunistik und Ökologie, das auch noch ehrenamtlich im hiesigen Tierpark aktiv ist, wird seinen Mitstreitern sicher noch viel mehr vom schwersten flugfähigen Vogel der Welt berichten können. Denn für das nächste Jahr plant Wolfgang Hahn einen Urlaub in Spanien – zur Beobachtung dortiger Großtrappenbestände.

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