Eine ganz besondere Herzlichkeit wird Christian Simonis mit dem Staßfurter Publikum in Erinnerung behalten. Der äußerst beliebte Dirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie (MKP) verabschiedete sich im Salzlandtheater - bezeichnenderweise mit Beethovens Schicksals-sinfonie.

Staßfurt l Die Zuneigung liegt auf beiden Seiten der Bühne. Spätestens seit dem Neujahrskonzert vor sechs Jahren, als Simonis erstmals die große Herzlichkeit im Salzlandtheater spürte. "Wenn der Radetzky-Marsch gespielt wurde, ist normalerweise Schluss", beschrieb Christian Simonis nach dem Abschiedskonzert am Sonnabend in Staßfurt das besondere Verhältnis zu seinem hiesigen Publikum, "aber von Ihnen kam so eine Herzlichkeit, dass wir den Radetzky-Marsch zwei Mal spielten."

Was hier zur Tradition werden sollte. "Das ist der einzige Ort auf der Welt, wo das passiert", bedankte sich der charmante Dirigent nochmals bei den Staßfurtern und natürlich auch bei seinem Orchester.

Nach einem grandiosen Konzert im wiederholt ausverkauften Haus - mit Mozarts Ouvertüre zur Zauberflöte, mit Brahms Konzert für Violine und Orchester und dem Solisten Serge Zimmermann sowie mit Beethovens 5. Sinfonie - verabschiedeten sich zahlreiche Freunde persönlich. Allen voran die Chefin des Fördervereins des Salzlandtheaters Karin Marzahn.

"Sie sind für das Publikum der Dirigent der Herzen."

Karin Marzahn, Vorsitzende des Theaterfördervereins

Sie erinnerte an die Zeit vor acht Jahren, als man gemeinsam mit der damaligen Theaterleiterin Annemarie Stoya Pläne schmiedete - für die Operettengala, für Kinderkonzerte. "Sie sind für das Publikum der Dirigent der Herzen", sagte Marzahn und überreichte einen prächtigen Strauß Rosen.

"Ein Konzert in diesem Haus ist ein Genuss. Ein Konzert mit Simonis ist ein Hochgenuss", würdigte Hans-Günther Fischer im Namen der Hausherren des Salzlandtheaters, der Loge zu den drei Weltkugeln, und bedankte sich für das Konzert, das quasi ein Freimaurer-Konzert gewesen sei. Er versprach weiterhin Unterstützung von Kultur und Kunst im Salzlandtheater.

Stadtrat Johannes Hauser hob hervor, dass es die Kammerphilharmonie seit 2006 vermutlich nicht mehr gegeben hätte ohne Simonis, der sich mutig für deren Erhalt eingesetzt habe.

Auch Oberbürgermeister René Zok bedankte sich "im Namen aller, die Ihre Kunst genossen haben".

In die Gratulantenschar eingereiht hatten sich unter anderen Vertreter des Jugendblas-orchesters, des Männerchors und des Frauenchors Staßfurt, des Chors vom Dr.-Frank-Gymnasium, die alle mit Christian Simonis zusammenarbeiten konnten. Auch Nachwuchsmusiker wie Kilian Scholla und Cora-Charlotte Jahns. Letztere wird es dem Profimusiker nie vergessen, dass sie am Klavier schon als Zehnjährige beim "Karneval der Tiere" in der Aula des Gymnasiums mit ihm konzertieren durfte. "Es gibt sicher nicht viele Kinder, die diese Chance bekommen", so die heute 16-Jährige. Diese Meinung vertritt auch Tatjana Lackmann. "Es ist sehr schade, dass er geht. Er hat kulturelles Niveau nach Staßfurt gebracht und viel für den Nachwuchs getan", so die Staßfurterin.

"Meine Beerdigung kann eigentlich nicht schöner sein."

Dirigent Christian Simonis

Auf Blumen und Geschenke blickend, meinte Christian Simonis schließlich noch mit seinem bekannten Wiener Humor: "Meine Beerdigung kann eigentlich nicht schöner sein."

So weit ist es aber lange nicht. Unter anderem wird er noch ein Konzert mit Kinderchören am 26. Mai in der Leopoldshaller Kirche gestalten und auch den Operettensommer auf dem Bierer Berg. Und wenn der 57-Jährige den Dirigentenstab für die MKP an Gerard Oskamp übergeben hat, wird er nach 28 Jahren als Orchesterleiter dann als freier Dirigent sicher noch unzählige Musikliebhaber in Deutschland und Österreich begeistern. Wie er am Rande noch verriet, werde er der Region als Magdeburger treu bleiben.

 

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