Güsten. Wenn sich die gros-sen Verlage der Welt auf internationalen Buchmessen präsentieren ist manchmal auch ein eher kleiner dabei. Der Verlag Kirchschlager aus Güsten, ein Familienunternehmen. Gabriele Kirchschlager führt Buch und Vertrieb. Ihr Mann Bernhard ist Herr des Handlagers und verantwortlich für die Privatkundenauslieferung.

Mit Sohn Michael begann die Geschichte des Verlags Kirchschlager vor 15 Jahren – eher ungewollt, wie er sagt – als er sich an der Finanzierung des Buches "Das teuflische Werkzeug" beteiligte. Dieses Erstlingswerk erschien im "burgverlag zu weißensee in thüringen". Der gebürtige Güstener hegte nie Ambitionen für das Verlagsgeschäft, wollte immer schon lieber Autor sein. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, im gleichen Jahr den Heinrich-Hetzbold-Verlag zu gründen. Der Bau einer so genannten Blide, einer Wurfmaschine durch den Runneburgverein Weißensee/Thüringen e.V. in der Zeit von 1994 bis 1997 inspirierte Kirchschlager wohl insbesondere zur Arbeit an dem historischen Roman über eine der gefürchtetsten Waffen des Mittelalters. "Wo der Historiker zum Stehen kommt, da er den Quellen verpflichtet ist, geht der Schriftsteller einige Schritte weiter", beschreibt der Autor seine literarische Tätigkeit, von der er bald nicht mehr lassen kann.

Schon 1999 erschienen zwei weitere Titel. Sie hatten das Reinheitsgebot der deutschen Bierbrauer zum Thema: Die "Statuta thaberna – Altdeutsche Wirtshausregeln & Gesetze über das Brauen von Bier nebst dem ältesten deutschen Reinheitsgebot der Landgrafenstadt Weißensee in Thüringen Anno Domini 1434" und "Was Sie schon immer über teutsches Pier wissen wollten".

Premiere auf Buchmessen

2002 feierte der kleine Verlag seine Premiere auf der Leipziger Buchmesse, drei Jahre später auf der Frankfurter.

Einen lang gehegten Wunsch erfüllte sich der Verleger und Hobbykoch, als er 2004 seine Sammlung mittelalterlicher Rezepte nebst kurzgefasster und amüsanter Kulturgeschichte des Essens und Trinkens im Mittelalter veröffentlichte. "Ich will ein guter Koch sein" bildete schließlich auchdie Grundlage für seinen Auf- tritt ein Jahr später als Küchenmeister Michael in der Produktion "Abenteuer Mittelalter" von ARD, MDR und Arte.

Michael Kirchschlager vergaß nie seine privaten Wurzeln. So gehört zu zahlreichen regionalen Titeln des Verlags auch "Güsten/Anhalt – Eine historische Reise durch das Güstener Becken und die Wipperaue" von Hans Joachim Kessler, einem promovierten Historiker, der wie Kirchschlager aus Güsten stammt. Beide nennen es eine Ehrensache, ihre Heimatstadt in Buchform zu würdigen. Zwei Jahre später, 2003, veröffentlichte der Verlag die kleine 32-seitige Broschüre St. Marien Güsten, eine Festschrift zur 100-jährigen Geschichte der Güstener katholischen Kirche, herausgegeben von Pfarrer Andreas Lorenz.

Den ersten Bestseller landete Michael Kirchschlager, der von 1986 bis 1991 Germanistik und Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle mit Abschluss als Diplom-Historiker studierte, mit dem "Thüringischen Obscurum – Erschreckliche, scheuderliche und greuliche Geschichten sowie allerlei Merkwürdigkeiten aus alten Chroniken". Damit war 2001 die Obscurum-Reihe begründet, die durch Bände über Fälle aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Band "Das Obscurum" mit Schwerpunkt Europa ergänzt wurden. Die regionalen Geschichten über Aberglaube und schaurige Kriminalfälle wurden zunehmend für das Fernsehen attraktiv. Und so produzierte der MDR Sachsen-Anhalt 30 Kurzfilme unter dem von Kirchschlager konzipierten Titel "Historische X-Akten aus Sachsen-Anhalt".

"Bibliothek des Grauens"

Es folgte ab 2002 die "Bibliothek des Grauens" mit 100 Biografien deutscher Verbrecher des 15. bis 18. Jahrhunderts. Darauf folgte ein Hörbuch, an dem Kirchschlager auch als Sprecher mitwirkte. Mit dem Band "Historische Serienmörder" und Platz 269 schaffte es der kleine Verlag Kirchschlager immerhin unter die Top 1000 von amazon.de. "Stolze Preise in Antiquariaten erzielt mittlerweile ,Das Obscurum‘ aus dem Jubiläumsjahr zum 10. des Verlags", freut sich Michael Kirchschlager.

Bleibt nur zu wünschen, dass dem kleinen Verlag das Gleiche gelingt mit dem limitierten Jubiläumsband zum 15-jährigen Bestehen. Dafür arbeitet er an einem Faksimileband der "Practica" von 1550 des großen deutschen Rechenmeisters Adam Ries – eine zweibändige Ausgabe im Schuber.

www.Michael-Kirchschlager.de