Die Bewohner des Altkreises Staßfurt haben sich offensichtlich gut auf den Wintereinbruch mit Schneehöhen von etwa 30 Zentimeter vorbereitet. Das machten Umfragen der Volksstimme bei der Rettungsleitstelle, im Revierkommissariat der Polizei, bei der Stadtverwaltung und beim Stadtpflegebetrieb deutlich. Allerdings bekamen benachbarte Orte der A 14 den ganzen Tag regen Umleitungsverkehr zu spüren, nachdem ein Rübenlaster auf schneeglatter Autobahn umgekippt war.

Staßfurt. "Ich muss den Winterdienst der Stadt loben. In unserem Viertel rund um das Gymnasium war heute morgen alles geräumt, auch die Nebenstraßen", sagte Helmut Lampe.

Sehr gefreut hat er sich auch, dass er trotz der außergewöhnlichen Entwicklung seine Volksstimme wie immer bereits um 5.30 Uhr im Kasten vorfand. "Das hätte ich nicht gedacht", sagte Helmut Lampe und dankte dem unbekannten Zusteller beziehungsweise der Zustellerin für ihre Mühe.

Probleme mit der pünktlichen Zustellung der Tageszeitung gab es dort, wo die Straßen beziehungsweise Fußwege nicht geräumt worden waren, hieß es. Das sei zum Beispiel in Hakeborn der Fall gewesen, insgesamt also keine leichte Aufgabe für die rund 90 Zusteller im Altkreis Staßfurt.

Ein Lob über den Winterdienst kam gestern auch aus dem Buschweg in Hecklingen. "Der Mitarbeiter, der dort zum Einsatz gekommen war, hat gute Arbeit geleistet – im Gegensatz zum vergangenen Jahr", sagte ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Ärger mit den Nachbarn gab es unterdessen in Egeln. Dort beschwerte sich eine Anliegerin, dass ihr von nebenan der Schnee auf den frisch geschobenen Fußweg und sogar aufs Grundstück gekippt worden sei.

"Wir hatten uns rechtzeitig mit dem Eigenbetrieb zusammengesetzt, um uns auf den Winter vorzubereiten", sagte der Fachbereichsleiter der Stadt Staßfurt, Wolfgang Kaufmann. So habe man ausreichend Streusalz geordert und den Bereitschaftsdienst organisiert.

"Es reicht, einen Meter zu beräumen"

Während die Hauptstraßen in den meisten Orten einigermaßen passierbar waren, zeigten die Nebenstraßen in Staßfurt ein ganz anderes Bild. Die Steinstraße beispielsweise war gegen 11 Uhr immer noch nicht geräumt – der Räumdienst auch weit und breit nicht in Sicht. Ein Durchkommen war bei dem knietiefen Schnee nur schwerlich möglich, mit Heckantrieb bisweilen sogar gar nicht. Wohl dem, der einen Eimer Splitt oder Sand im Auto parat hatte.

"Wir können nicht überall gleichzeitig sein", erklärte Rainer Busse. Der stellvertretender Betriebsleiter Stadtpflegebetrieb hatte seit Mitternacht zehn Leute mit vier Multicar, einem Radlader und einem Lkw im Einsatz. "Wir sind kaum in die Nebenstraßen gekommen. Den Butterweckerweg und Am Steinbruch beispielsweise räumten wir alle Stunde, um dem Lkw-Verkehr freie Fahrt zu gewähren", so Busse. Eigentlich sei es ganz schön deprimierend, wenn man so schnell immer wieder von vorn beginnen muss. Aber seine Leute waren dennoch sehr motiviert. Die zweite Schicht begann gegen sechs Uhr. Gestern Abend wurde nochmal nachgeräumt, als der "Schnee auf den Straßen geschmeidig" war.

Einen Hinweis hatte Rainer Busse noch für Anlieger mit breiten Gehwegen vor der Tür. "Es reicht, einen Meter zu beräumen. Ansonsten muss der auf die Straße geschobene Schnee notgedrungen wieder zurückgeworfen werden. Irgendwo brauchen wir für diese Massen Platz."

"Keine besonderen Vorkommnisse", meldete der Chef des Revierkommissariates in Staßfurt Mario Focke auf Anfrage der Volksstimme. Es habe zwar einige Unfälle in Staßfurt und Umgebung gegeben. Diese seien zum Glück aber alle so verlaufen, dass Personen nicht zu Schaden gekommen seien, sagte er. Ähnlich äußerte sich die Rettungsleitstelle des Landkreises in Staßfurt.

Auf die Geduldsprobe wurden unterdessen Nutzer der A 14 gestellt, die zwischen Calbe und Strenzfeld in Richtung Süden unterwegs waren. Auf Höhe des Parkplatzes Strenzfeld hatte sich ein Rübenlaster quer gelegt. Der Fahrer war kurz nach 7 Uhr auf schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern geraten, kippte mit seinem 40-Tonner um. Er selbst wurde dabei leicht verletzt. Die süße Fracht verteilte sich über die Fahrbahn. Zwei Pkw rutschten schließlich noch in die Unfallstelle. Es lief noch glimpflich ab. Allerdings musste die A 14 in besagtem Bereich zwischen Calbe und Strenzfeld bis gegen 16 Uhr voll gesperrt bleiben. Die benachbarten Orte bekamen das ebenfalls zu spüren. Die Blechlawine durch die engen verschneiten Straßen in Rathmannsdorf riss nicht ab. Auch durch Güsten und Ilberstedt quälten sich die umgeleiteten Kraftfahrer.

Die Brummilenker, die die Abfahrt Staßfurt passiert hatten, waren noch weniger zu beneiden. Für sie gab es neun Stunden lang kein Vor und kein Zurück.

 

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