Land unter in Glöthe. Der langanhaltende Regen ist für die Einwohner des Staßfurter Ortsteiles zu einem großen Problem geworden. In zahlreichen Haushalten steht der Keller unter Wasser. Die Ackerböden sind gesättigt. Der Marbe-Graben kann das Wasser nicht mehr abführen und der Rusche-Schacht droht "überzulaufen". Die Bürger sind verzweifelt.

Glöthe. Beinah aus jedem Kellerfenster in der Nähe des Rusche-Schachtes in Glöthe hängt derzeit ein dicker Schlauch. Er führt das Wasser, das bei den Bewohnern teilweise einen halben Meter hoch im Keller steht, auf die Straße hinaus. Die Pumpen laufen inzwischen Tag und Nacht. Steigt das Grundwasser weiter, müssen einige Anwohner ihre Heizung abstellen. So wie Simone und Ingo Jurgeit, bei denen nur noch wenige Zentimeter fehlen.

Die Ursache für die vollgelaufenen Keller ist zweifelsohne ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die Böden sind durch den anhaltende Regen gesättigt. Der Teich des Rusche-Schachtes steht inzwischen kurz vor dem "Überlaufen". Dies kann normalerweise zwar nicht so schnell passieren, da der Wasserstand des Teiches durch regelmäßiges Abpumpen in den Marbe-Graben reguliert wird, doch seit Juni dieses Jahres ist die Pumpe kaputt.

Eine neue Pumpe zu besorgen, das habe die Stadt Staßfurt versäumt, behauptet der Anwohner Hans Albrecht Gerich. "Stimmt nicht", sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Anke Michaelis. Eine neue Pumpe sei eingebaut worden. Diese war allerdings nach drei Tagen kaputt. Ursache: eindurchtrenntes Kabel.

Längst ist die Pumpe wieder repariert – installiert werden kann sie dennoch nicht. "Ein Schreiben vom Anwalt des Grundstücksbesitzers untersagt den Mitarbeitern der Stadt den Zutritt zum Gelände und dadurch die Installation der Pumpe", so Anke Michaelis. "Uns sind diesbezüglich die Hände gebunden." Derzeit werde allerdings geprüft, ob die Gefahrenabwehrerordnung greife. "Wir müssen rechtlich auf der sicheren Seite stehen", so die Fachbereichsleiterin.

Fragwürdig sei jedoch, so Anke Michaelis, ob es derzeit überhaupt sinnvoll ist, das Wasser des Teiches in den Marbe-Graben abzuleiten, da die Kapazitäten des Grabens erschöpft sind. So führe der Graben nicht allein das Wasser des Rusche-Schachtes, sondern auch jenes der Autobahn sowie Ortswasser.

In Glöthe ist der Graben voll und bei Lust fast leer

"Das Wichtigste ist, dass das Wasser im Graben wieder zum Fließen gebracht wird", verdeutlicht der ehemalige Ortsbürgermeister Glöthes, Winfried Sperling. Denn während in Glöthe das Wasser steht, ist der Graben in Höhe des Löderburger Ortsteiles Lust beinah trocken. "Schaut man sich den verkrauteten Zustand an manchen Stellen des Grabens an, ist das kein Wunder", meint Förderstedts Ortsbürgermeister Peter Rotter. Die Unterhaltung des Grabens sei mancherorts scheinbar vernachlässigt worden.

Das sieht die Geschäftsführerin des zuständigen Unterhaltungsverbandes "Untere Bode", Martina Ritterhaus, allerdings anders. "Gegen derartige Naturgewalten – sprich die Wassermassen von oben – können auch wir nichts machen." Für so viel Wasser habe der Graben gar nicht die Kapazitäten. Trotzdem veranlasste die Verbandschefin den Graben nocheinmal zu prüfen und wenn nötig, auch zu beräumen.

Seitens der Stadtverwaltung wurde ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Grundwasserstände und Fließgeschwindigkeiten sollen ebenso geprüft werden, wie Oberflächenwasser und die besondere Geländemorphologie, denn zu allem Übel ist der Rusche-Schacht der tiefste Punkt in der Region. In Glöthe sammelt sich das Wasser von allen Seiten.

 

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