Güsten. Die Freude über den Rückzug der Investoren aus Schackenthal (Stadt Aschersleben) und Ilberstedt, die im Raum Güsten Großstallanlagen für 600 000 Hühner und 30 000 Schweine sowie eine Biogasanlage für insgesamt 47,5 Millionen Euro geplant hatten, währte bei der Bürgerinitiative nicht lange.

Denn wie Güstens Bürgermeister Helmut Zander (SPD) in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Vergabeausschusses des Stadtrates am Dienstag-abend im Rathaus mitteilte, habe der Anwalt der Investoren die Kommune informiert, dass sie an dem bisherigen unveränderten Projekt festhalten. Darüber hinaus hätten sie weitere Unterlagen, wie zum Beispiel einen Eigentumsnachweis zur Bewirtschaftung der Flächen sowie eine Studie zur Geruchsausbreitung, vorgelegt.

Die Kommune habe sich rechtlichen Beistand geholt und diesem die Unterlagen bereits zugeschickt. Den Schriftsatz, den man von dem Anwalt bekommen werde, werde man abwarten, sagte Zander. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck", fügte er hinzu. Es müsse geprüft werden, ob die Investoren die Forderungen der Gemeinden berücksichtigt haben. "Nach meiner Einschätzung sind da einige Lücken drin", sagte der Bürgermeister.

Zugleich kündigte er an, dass die Beratungen zu diesem brisanten Thema im Januar fortgeführt werden sollen.

In diesem Zusammenhang teilte Zander mit, dass die Kommunalaufsicht des Salzlandkreises das Vorgehen der Stadt wegen der damit verbundenen Rechtsberatungskosten moniert hat. Die Güstener hätten auch auf den Sachverstand des Rechtsamtes des Landkreises zugreifen können.

"Wir verlassen uns lieber auf fachkompetente Anwälte, die etwas davon verstehen", verteidigte der Bürgermeister die Position seiner Kommune.

Die dabei anfallenden Kosten teile sich die Stadt Güsten mit der Verbandsgemeinde.

Nach den Vorstellungen der Investoren sollen in den Gemarkungen Güsten und Amesdorf Ställe für über 30 000 Schweine und 450 000 Legehennen gebaut werden. Dazu gehört auch noch eine Junghennenanlage für 150 000 Tiere in unmittelbarer Nachbarschaft auf Schackenthaler Seite. Außerdem soll eine Biogasanlage entstehen, die Hühnerkot und Schweinegülle in Energie verwandelt.

Während die Schweineanlage mit ihrem etwa 250 mal 130 Meter großen Kompaktstall für genau 21 312 Mastschweinplätze, 8400 Ferkelplätze und 2160 Sauenplätze an der Chaussee zwischen Osmarsleben und Plötzkau (gegenüber Windpark) geplant ist, haben sich die Investoren für die Lege- und Junghennenanlagen eine Fläche wenige hundert Meter südwestlich davon Richtung Schackenthal ausgesucht. Mit dem Vorhaben sind rund 40 bis 50 neue Arbeitsplätze verbunden.

Gegen diese Pläne läuft eine Bürgerinitiative Sturm. Innerhalb von nur fünf Stunden hatte sie beim Tag der Regionen in Staßfurt am 10. Oktober über 300 Unterschriften gesammelt. "Das ist eine Sünde, was da passieren soll", brachte es Marga Wiest auf den Punkt. 600 000 Hühner und 30 000 Schweine sollen einmal Großställe zwischen Güsten und Plötzkau füllen. "Da wird so viel von Naturschutz erzählt, und dann werden die Tiere so unwürdig behandelt", sagte die 86-jährige Staßfurterin.