Die Kreisverkehrsgesellschaft Bernburg ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Aufsichtsrat und Gesellschafter schnüren ein Rettungspaket. Sowohl Firma als auch Belegschaft wurden aufgerufen, ihren Teil zur positiven Veränderung beizutragen.

Bernburg/Schönebeck. Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Sehr ernst. Die Kreisverkehrsgesellschaft Bernburg, eine hundertprozentige Tochter des Salzlandkreises, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Für Landrat Ulrich Gerstner (SPD) ist die wirtschaftliche Schieflage des kreiseigenen Verkehrsunternehmens aber keine neue Situation, "denn seit Jahren ist der öffentliche Personennahverkehr ein Zuschussgeschäft".

Einen Grund "für die wirtschaftliche Schieflage" sieht der Landrat in den Altlasten, die die Kreisverkehrsgesellschaft Bernburg drücken. Nach der Fusion der beiden kommunalen Unternehmen der Altkreise Bernburg und Schönebeck treiben Verbindlichkeiten in Höhe von einer halben Million Euro, die aus der Fusion resultieren und auf das Konto der Schönebecker gehen, die neue gemeinsame Gesellschaft in diese Schwierigkeiten.

Die Situation war jetzt so brisant, dass auf einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafter am Montag ein Lösungsweg aus der Misere diskutiert wurde. "Wir haben eine Lösung gefunden, die dem Unternehmen ermöglicht, die Geschäfte weiterzuführen. Wir haben ein gemeinsames Rettungspaket geschürt", sagt Gerstner. Denn einig waren sich alle Beteiligten, dass die Lösung sowohl aus dem Unternehmen als auch aus dem Landkreis als Gesellschafter kommen müsse. "Aus dem Unternehmen erwarten wir – so wie sie die Geschäftsführung vorgetragen habe – zum einen organisatorische Veränderungen und zum anderen auch die Bereitschaft der Belegschaft, ihren Teil zu leisten", sagte der Landrat zum geplanten Rettungspaket.

Für Gerald Bieling, CDU-Fraktionschef im Kreistag und Mitglied im KVG-Aufsichtsrat, sei es nicht Schuld der KVG Bernburg, dass sie sich in eine Fusion stürzen musste, deren Folgen am Anfang nicht absehbar waren. "Die Kreisverkehrsgesellschaft hat in den letzten drei Jahren eine Million Euro eingespart", sagte er und rückte die wirtschaftliche Schieflage ein wenig gerade, "das Unternehmen hat gut gearbeitet, das darf jetzt nicht kaputt gemacht werden."

Die Mitarbeiter sollen weder auf Sonderzahlungen verzichten noch Lohneinbußen hinnehmen. Jedenfalls nicht in diesem Jahr. "Es sind in den letzten beiden Jahren jeweils drei Prozent Lohnerhöhung gezahlt worden", sagt Helmut Zander, SPD-Fraktionschef und ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, "auch die Mitarbeiter sollten jetzt ihren Teil beitragen." Ohne in die Tarifauseinandersetzungen eingreifen zu wollen, könne das heißen, dass die Löhne und Gehälter auf dem jetzigen Stand eingefroren werden.

Neben den Sofortmaßnahmen hatte dies auch der Landrat zu den Sparmaßnahmen im Jahr 2011 gerechnet. Über die finanzielle Situation ihres Unternehmens soll die Belegschaft in dieser Woche informiert werden.