Die von der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair für den 30. März 2011 angekündigte Aufnahme des Passagierverkehrs in Cochstedt (Stadt Hecklingen) stößt bei den Politikern der Region auf ein positives Echo.

Cochstedt. "Ich freue mich unheimlich darüber", kommentierte Landrat Ulrich Gerstner (SPD) die Entwicklung auf dem Börde-Airport. "Man sieht, dass so ein privater Investor scheinbar ganz andere Hebel in Bewegung setzen kann, um solche Fluggesellschaften an so einen Standort anzuziehen. Darüber bin ich froh." Für ihn als Landrat sei es natürlich sehr schön, "dass wir dieses Infrastrukturprojekt jetzt mit Leben erfüllen können. Das war ja schon fast eine unheimliche Geschichte", so der Kreischef.

Hecklingens Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche (CDU) sprach von einem "herrlichen Tag". "Ich bin froh darüber, dass es dem privaten Investor gelungen ist, Passagierflüge in den Mittelmeerraum von der Stadt Hecklingen aus zu organisieren. Das hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigung", sagte der Kommunalpolitiker. Er hoffe, dass der Flughafen-Betreiber positive Ergebnisse einfahren könne und dass sich die Entwicklung auch einmal positiv auf die Hecklinger Stadtkasse auswirken werde.

"Es gab im Umfeld sicherlich Bedenken, ob es überhaupt gelingt, von Cochstedt aus planmäßige Starts von Passagiermaschinen zu organisieren. Ich habe für diesen Standort eine Zukunft gesehen, weil der Flughafen ein wichtiger Standortfaktor für die Region ist", sagte Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos).

Er werde die Entwicklung sehr aufmerksam verfolgen auch wegen des Überflugs der Stadt Staßfurt beziehungsweise von Löderburg, dessen Wohngebiet Am Wasserturm in der Einflugschneise liegt. "Ich bin überzeugt, dass sich die Belastung für die dort wohnenden Menschen in Grenzen halten wird", sagte Zok.

Als positiv wertete er, dass am Flughafen und im Umfeld neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Die irische Fluggesellschaft Raynair geht von rund 100 Jobs aus. Zudem habe er die große Hoffnung, so das Ortsoberhaupt, dass sich durch den Linienverkehr neue Firmen in Cochstedt oder im Umfeld ansiedeln. Zok: "Für alle Urlauber der Region wird es künftig angenehmer von Coch-stedt aus zu starten. Da spart man sich eine lange Anfahrt zu weit entfernten Flughäfen." Er könnte sich durchaus vorstellen, im nächsten Jahr mit seiner Familie von Cochstedt aus zu starten. "Ich habe meine Urlaubsplanung noch nicht abgeschlossen", so der Oberbürgermeister.

Sein Ascherslebener Amtskollege Andreas Michelmann (Widab) sagte: "Ich hoffe, dass das in Cochstedt ein langfristig tragfähiges Konzept ist und nicht dass es kurz vor der Landtagswahl aufflackert und danach in sich zusammen stürzt. Wir haben ja in Cochstedt in der Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes schon vieles erlebt." Er hoffe für alle, dass das Projekt weiter gut gehe und dass die Investoren den wirtschaftlichen Erfolg verbuchen können.

Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) gestand bei der Pressekonferenz am Mittwoch auf dem Flughafen ein, dass er in seiner Amtszeit gar nicht mehr so richtig damit gerechnet hatte, in Cochstedt die Aufnahme eines regelmäßigen Passagierverkehrs zu erleben.

In diesem Jahr sei aus diesem Projekt endlich ein international anfliegbarer Flughafen geworden, äußerte sich Wirtschaftsminister Reiner Haseloff nicht ohne Stolz (CDU). Er hatte sich wie Daehre Jahre lang gegen alle Widerstände für dieses Vorhaben stark gemacht. Nach seiner Einschätzung steigen mit dem Einstieg von Ryanair auch die Flächen im angrenzenden 75 Hektar großen Flughafen-Gewerbepark deutlich an Wert.

Wie Flughafen-Geschäftsführer Uwe Hädicke informierte, verhandele man derzeit noch mit zwei weiteren Fluggesellschaften. Er wollte aber noch keine Namen nennen. Ziel sei es, mittelfristig 500 000 Passagiere pro Jahr in Cochstedt abzufertigen.

Hädicke ist fest davon überzeugt, dass das die Lebensqualität der Menschen in Sachsen-Anhalt erhöhen und die rund 40 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Magdeburg stärken werde.

Haseloff appellierte an die Region: "Jetzt gilt es, diesen Standort, diese Marke und den Ortsnamen positiv zu belegen und alles auszubuchen, was alles Vergangenheit ist."