Die größte und leistungsstärkste Photovoltaikanlage auf einer Bahnfläche ist gestern in Güsten von der Deutschen Bahn AG und dem Projektentwickler Greenvest Solar offiziell in Betrieb genommen worden.

Güsten l "Das auf dem ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof errichtete Solarkraftwerk hat eine Ausdehnung von 10,4 Hektar und erbringt eine Spitzenleistung von 6,4 Megawatt. Der hier produzierte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Er deckt den Bedarf von rund 1500 Vier-Personen-Haushalten, sagte der Geschäftsführer der DB Energie Werner Raithmayr.

Der Geschäftsführer der Firma Greenvest Solar, Matthias Bäcker, verwies auf die sehr kurze Bauzeit für den rund 6,4 Millionen Euro teuren Solarpark. Von der Rammung des ersten Pfostens bis hin zur technischen Inbetriebnahme seien lediglich vier Wochen vergangen. Inzwischen sei die Photovoltaik so weit ausgereift, dass sie heute wirtschaftlicher arbeite als die Atomenergie.

Der DB-Konzernbevollmächtigte des Landes, Alexander Kaczmarek, rief den Politikern, die in Berlin über eine große Koalition und damit auch über die künftige Energiepolitik in Deutschland beraten, zu: "Schaut auf Güsten. Hier gehen wir den wichtigen Schritt voran." Die Sachsen-Anhalter stünden nicht nur früher auf, sondern hätten auch die besten Ideen, so Kaczmarek. Er ist fest davon überzeugt, dass Sachsen-Anhalt das Mutterland der Energiewende werden wird. "Wir werden unseren Beitrag dazu leisten", versicherte der Bahnmanager.

Sachsen-Anhalts Landesentwicklungs-Minister Thomas Webel (CDU) äußerte sich erfreut darüber, dass der neue Solarpark auf einer alten Industriebrache entstanden ist.

Sachsen-Anhalt sei bei guten Windverhältnissen heute teilweise schon zu 100 Prozent in der Lage, sich selbst mit Strom zu versorgen. Es wäre aber an der Zeit die überhöhten Kosten, die die hiesigen Stromkunden bezahlen müssen, auch auf die anderen Bundesländer zu verteilen.

Wie Raitmayr sagte, sei die Bahn der fünftgrößte Energieversorger in Deutschland. Schon heute decke er ein Viertel seines gesamten Strombedarfs aus erneuerbaren Energien. Die in Güsten produzierte Jahresstrommenge reiche aus, um die ICE-Relation von Hamburg nach Berlin zweimal täglich zu versorgen, sagte Raitmayr.

Güstens Bürgermeister Helmut Zander (SPD) dankte der Bahn AG, dass sie die alten, verfallenen Ruinen, die dauernd gebrannt hätten und zur Müllablagerung genutzt wurden, abgerissen und durch einen modernen Solarpark ersetzt hat. "Es ist wichtig, dass die Gewerbesteuern in Güsten bleiben und dass die Betonstraße als Radweg nach Warmsdorf genutzt werden kann", sagte er.