Asbest "schmückt" das Gelände der ehemaligen Haftanstalt Athensleben. Seit Jahren schon. Und das nicht nur zum Verdruss der Ornithologen, die hier sehr seltene Vogelarten beobachten. Jetzt will die Stadt Staßfurt den Sondermüll entsorgen.

Athensleben/Staßfurt l Gruselig sehen die Wellasbestplatten schon aus, die zu einem Meter etwa aus der Erde ragen. Der Zahn der Zeit hat sichtlich an ihnen genagt, Abbruchkanten lassen vermuten, dass sich gefährliche Fasern lösen können. Es ist das Gelände der ehemaligen Haftanstalt Athensleben, das von den Platten eingerahmt wird. Frank Bannasch nennt das einen Skandal. Der Ornithologe habe immer ein schlechtes Gefühl, wenn er und Gleichgesinnte die teils sehr seltenen Vogelarten am Athensleber See von hier aus beobachten. Es sei zwar kein Naturschutzgebiet, doch rasten hier beispielsweise Große Brachvögel, ist der See mittlerweile von nordischen Wildgänsen besiedelt. "Es ist bemerkenswert, was sich dort vogelkundlich abspielt", so Bannasch.

"Hier nutzen auch sehr viele Jogger den Feldweg an der Anstalt."

Und eben skandalös, dass sich das gefährliche Baumaterial seit zwei Jahrzehnten quasi verselbständigt hat.

Ein Löderburger, der die jüngere Geschichte des Objekts genau kennt, ist der Löderburger Gemeinderat der ersten (Nachwende-)Stunde Manfred Lehrmann, heute immer noch Ortschaftsratsmitglied: "Nach der Schließung der Anstalt 1991 wollte der damalige Landrat Gerhard Gallus ein Asylbewerberheim daraus machen, was auf Ablehnung der hiesigen Räte stieß. Die Gemeinde entschied sich, das Gelände zu kaufen. Ein potenzieller Investor scheiterte an der Finanzierung für einen Reiterhof."

Lehrmann kann sich auch noch an eine Großübung für alle Feuerwehren des Altkreises Staßfurt 1994 erinnern. "Da war schon alles mächtig kaputt. Doch dann bedienten sich die Leute zusehends an den restlichen Baumaterialien. Peu à peu verschwand so die Haftanstalt."

Nicht nur den Vogelkundlern stößt das Asbest in der Landschaft auf. "Hier nutzen auch sehr viele Spaziergänger und Jogger den Feldweg entlang der Anstalt", weiß Frank Bannasch. Schon die kleinste Faser könne höchstgefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

"Der Auftrag, die Asbestplatten zu entsorgen, ist erteilt."

In diesem Zusammenhang macht der Staßfurter auch auf Kanalschächte auf dem Gelände aufmerksam, die nicht abgedeckt seien. Und eine ebensolche Unfallquelle dürften Stacheldraht- und Maschendrahtreste sein, die den eigenartigen Asbestzaun teilweise noch zieren.

Die Stadt hat nun - vor wenigen Tagen auf das Thema hingewiesen - versichert, dass sie aktiv werde. Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann: "Der Auftrag, die Asbestplatten zu entsorgen, ist erteilt." In den nächsten Tagen geht es an den Sondermüll, was nicht wenig kostet. Rainer Busse, Teamleiter des Stadtpflegebetriebs aus Erfahrung: "Bei einem Einsatz vor etwa einem Jahr kostete die Entsorgung von 100 Kilogramm Asbest etwa 200 Euro."