Im Juni 2010 begannen in der Kita Sandmännchen, in der auch der "Teenie Treff" beheimatet ist, Sanierungsarbeiten. In der Kita ist soweit alles fertig. Nun will auch der Jugendclub einziehen. Vorher bringen Gymnasiasten jedoch Farbe ins Spiel.

Staßfurt l Freitagnachmittag. 16 Uhr. Während andernorts Jugendliche ihre Wochenendpläne gestalten, gestalten 31 Schüler des Dr.-Frank-Gymnasiums Räume. Mit Pinsel und Farbe ausgerüstet, reihen sie sich entlang der Wände des Kinder- und Jugendzentrums "Teenie Treff". Sie zeichnen Konturen, malen aus, bessern nach. Und das seit nunmehr sechs Wochen.

Im Rahmen ihres Kunstunterrichtes zeichnen sich die Schüler der Klassenstufe zwölf für die farbliche Gestaltung der Einrichtung verantwortlich. In beinah jedem Raum sind sie zugange. Denise Fischerova und Jenny Kluge lassen beispielsweise Blumenranken im sogenannten Kommunikationsraum die Wand emporklettern. Franziska Kluge malt einen Boxsack an die Wand des Sportraumes. Den Tischtennisraum gestalten Pia Forth, Meike Nestorowicz, Philipp Früchtel und Justine Fischmann mit grauen Silhouetten von Sportlern. Und sogar die Kunstlehrerinnen Christiane Vesper und Sybille Hunger sind mit Pinsel und Farbe unterwegs.

"Proportionen und Farben wirken ganz anders als auf einem A3- oder A4-Blatt."

Sylvia Bock (18), Schülerin des Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasiums

Die Leiterin der Kita "Sandmännchen", Aneliese Lau, und "Teenie Treff"-Leiter Matthias Dobe sind begeistert. "Die Professionalität und die Ausdauer, mit der die Jugendlichen ans Werk gehen, ist unglaublich", findet Matthias Dobe. Und auch Lehrerin Sybille Hunger ist stolz. Manch Schüler sei sogar weit über das eigentliche Pensum hinaus engagiert und bleibe bis die Einrichtung schließt.

Dass der unkonventionelle Unterricht Spaß macht, ist den Schülern zweifellos anzusehen. Sie lachen, schnattern, kaspern rum - machen ihre Arbeit dennoch gewissenhaft. "Es ist einfach mal etwas anderes, viel entspannter", beschreibt Schülerin Sylvia Bock die Besonderheit des Unterrichts. Das großflächige Malen sei für die 18-Jährige eine echte Herausforderung. "Proportionen und Farben wirken an den Wänden ganz anders als auf einem A3- oder A4-Blatt", sagt sie.

Dass die Schüler genau dieses feststellen, sei eines der Ziele des Kurses "Raum und Farbe", erklärt Lehrerin Sybille Hunger. Dennoch wurde nichts dem Zufall überlassen. Schließlich seien zum "einfach mal Ausprobieren" Farben viel zu teuer und die Zeit sei zu knapp.

Bereits zum Schuljahresbeginn startete der Kurs, der übrigens vom Land rechtmäßig genehmigt wurde, mit grundlegendem Theorieunterricht. Farbenlehre und Raumkonzepte standen unter anderem auf dem Stundenplan. Sie lernten, dass durch die Auswahl der Farben optische Raum- korrekturen durchgeführt werden können. "Helle Wände und Decken erscheinen dem Betrachter entfernter und vergrößern einen Raum optisch. Dunkle Wände dagegen schieben sich nach vorn, dunkle Decken nach unten. Somit verkleinern dunkle Farben einen Raum", lernten die Kunstschüler.

Das Wissen um die Wirkung von Helligkeiten und Farben ist bei der Raumgestaltung des Teenie Treffs unverzichtbar. Schließlich befindet sich das Kinder- und Jugendzentrum in den eher lichtarmen Keller-Räumen der Kita "Sandmännchen" (Sülzestraße).

Ehe die Jugendlichen ans Werk gehen durften, mussten sie schließlich Entwürfe einreichen. Die Lichtverhältnisse dabei immer im Blick behaltend.

Die Entscheidung, welche der unzähligen Entwürfe letztlich umgesetzt werden durften, trafen schlussendlich die Kunstlehrerinnen und der "Teenie-Treff"-Leiter. Und beim Anblick des fast fertigen Endproduktes sind sie sich einig: Es waren die richtigen Entscheidungen.

 

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