Der Jugendclub Jukon, der in der Bernburger Straße beheimatet ist, wurde überraschend geschlossen, der Leiter der Einrichtung gekündigt. Ob der Club wieder geöffnet wird, ist unklar.

Staßfurt l Alles andere als ein schönes Weihnachtsgeschenk flatterte Uwe Kersten ins Haus. Dem Leiter des Staßfurter Jugendclubs Jukon wurde vor Weihnachten eine Kündigung beschert. Seit dem 31. November ist er seiner Position als Leiter der Einrichtung enthoben. Die Kündigung war fristgemäß. Eine Begründung, warum er entlassen wurde, habe er bisher nicht erhalten, sagt er. Der Jugendclub ist seither geschlossen. Wie es weiter geht, ist unklar.

Diese Frage kann auch die Vorsitzende des Vereins Jukon e.V., Kerstin Liebig, nicht beantworten. "Wir arbeiten derzeit sehr eng mit dem Jugendamt zusammen, um nach einer Lösung zu suchen", so Liebig. Wie diese Lösung aussehen wird ist offen. "Wir wollen selbstverständlich die Angebote für die Jugendlichen aufrechterhalten. Wo, wann und in welcher Form, können wir jedoch nicht sagen", so die Vorsitzende.

Zu den Gründen, warum Uwe Kersten gehen müsste, möchte sich Kerstin Liebig nicht öffentlich äußern. Lediglich, dass sie ihre Gründe hatte, will sie sagen.

Stephanie Tacke, Besucherin des Jukon, kann die Entscheidung Uwe Kersten gehen zu lassen, nicht verstehen, schließlich sei der Bernburger immer sehr engagiert gewesen und mit allen im Hause gut ausgekommen. "Wir haben ihn gerade wegen seiner unkonventionellen Art sehr gemocht. Er spricht die Sprache der Jugend", sagt sie.

Sollten Jugendliche nur von Fachkräften betreut werden?

Dass der Jugendclub nun geschlossen ist, stellt für viele Jugendliche die den Jukon"regelmäßig besucht haben, ein Problem dar. "Wo sollen wir jetzt hin?", fragt Stephanie Tacke. Draußen sei es schließlich zu kalt und jeden Tag einen Kaffee im Bistro trinken, ginge letztlich auch nicht. Einen anderen Jugendclub als Ausweichmöglichkeit zu nutzen, käme auch nicht wirklich in Frage, da die Jugendlichen, die im Jukon ein- und ausgehen zumeist älter als 18 Jahre sind.

Eine Lösung für dieses Problem hat die Vorsitzende Kerstin Liebig adhoc auch nicht parat. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht", sagt sie. Fakt sei, dass, wenn es weitergehen sollte, es strukturelle Veränderungen geben wird. So wolle sie beispielsweise bewirken, dass die Jugendbetreuung nicht mehr durch Ein-Euro-Kräfte sondern durch Fachkräfte durchgeführt wird. Schließlich würden viele der Ein-Euro-Kräfte eigentlich selbst einer Betreuung bedürfen. "Das hilft nicht gerade dabei, die Jugendarbeit voranzutreiben."

Außerdem erwarte Kerstin Liebig in Zukunft mehr Engagement von den Jugendlichen selbst. "Ich weiß, dass es für viele, gerade berufstätige Jugendliche schwierig ist, Zeit aufzubringen", so Liebig. "Allerdings muss es doch möglich sein, dass die Jugendlichen bei den vielen Veranstaltungen, an denen wir als Verein teilnehmen, sich einbringen." Es könne nicht sein, dass die Standbetreuung nur durch die Ehrenamtlichen vorgenommen werde.

Um die Zukunft des Jukon e.V. bangt auch die Stadtjugendpflegerin Nicole Netwall. "Sollte der Jugendclub wirklich geschlossen bleiben, wäre das ein herber Verlust", sagt sie.

Gabriele Haberland, Regionalbereichsleiterin des Paritätischen, unter dessen Dachverband der Verein wirkt, wusste nichts von der Schließung, wies allerdings darauf hin, dass die Vereine rechtlich selbstständig wirken.