In Hohenerxleben laufen die Vorbereitungen für die 16. Kulturtage auf Hochtouren. Die Musikfreunde können sich am Pfingstwochenende über erstklassige Veranstaltungen freuen.

Hohenerxleben l Den Auftakt macht heute um 19.30 Uhr in der Feldscheune der Familie Klein das Festkonzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck unter Leitung von Christian Simonis mit Kompositionen im Dienst der Fürsten von Anhalt.

Denn dieses Konzert aus der Serie "Klänge im Raum" steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von 800 Jahre Anhalt. Das nehmen die Mitglieder des Ensembles Theatrum Hohenerxleben zum Anlass, um Witziges und Wissenswertes über das Leben bei Hofe in Dessau, Köthen, Bernburg oder in Ballenstedt zu erzählen.

Hubertus von Krosigk liest unter anderem aus den Erinnerungen des Kammerherrn der Königin Elisabeth von Preußen, der seine Herrin bei ihren Besuchen in Anhalt begleitete. Über den Fürsten zu Dessau hatte er nicht nur Schmeichelhaftes zu sagen, merkte aber an: "Er hat ein gutes Herz und die kleine Zahl der Untertanen, die unter ihm leben, ist glücklich."

In Hohenerxleben mit dabei ist übrigens kein Geringerer als Prinz Eduard von Anhalt, der Chef des Hauses Anhalt-Askanien, mit dem Friederike von Krosigk ins Gespräch kommen wird. Er ist Schirmherr der heutigen Veranstaltung.

Das einstige Fürstentum Anhalt, zu dem im Raum Staßfurt die Orte Güsten, Hecklingen, Leopoldshall, Neundorf, Hohenerxleben und Rathmannsdorf gehören, war zwar politisch nicht gerade der Nabel der Welt, kulturell jedoch hatte es allerhand zu bieten.

Johann Sebastian Bach zum Beispiel, den man heutzutage eher Leipzig zuordnet, kann als anhaltische "Entdeckung" gelten. Er hat mit seiner Familie wohl die glücklichsten Jahre bei Hof in Köthen verbracht.

Eines seiner Violinkonzerte kommt heute Abend ebenso zu Gehör wie zu Unrecht unbekannte Werke seiner Kollegen Johann Friedrich Fasch, Carl Christian Agthe und August Klughardt. Dass die Region ihren kulturellen Reichtum wieder entdeckt, ist ein Herzensanliegen von Christian Simonis, dem Generalmusikdirektor der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck, der das Konzert initiiert hat.

Wer weiß zum Beispiel heute noch, dass Fasch die Hochzeitsserenata für die spätere Zarin Katharina komponierte? Oder dass Klughardt als einer der ersten Wagners Ring der Nibelungen dirigierte und bei seiner Aufführung der Oper "Hänsel und Gretel" den Komponisten Humperdinck selbst zu Gast hatte?

Das Konzert ist Bestandteil der Reihe "Klänge im Raum" und der Hohenerxlebener Kulturtage.

Dafür arbeiten die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie, Ensemble Theatrum und Stiftung am Schloss Hohenerxleben, der Kultur- und Heimatverein, die Feuerwehr und die Landwirtsfamilie Klein Hand in Hand und verwandeln die Scheune in ein Konzertpodium.

"Es keimt schon ein künftiges Dasein in mir" - Das Novalis-Zitat ist auch Titel der musikalisch-literarischen Veranstaltung am Sonntag, dem 27. Mai um 19 Uhr im Weißen Saal des Schlosses. Von seiner Liebe zu dem faszinierenden Schriftsteller, Universalgelehrten und aktiven Bergbauingenieur Novalis hat sich der Magdeburger Radiosprecher und Schauspieler Thomas Zieler bei der Idee und Realisierung seines Projekts leiten lassen.

Gemeinsam mit Friederike von Krosigk, Vahid Shahidifar vom Ensemble Theatrum und dem Schauspieler Markus Manig vom Nordharzer Städtebundtheater lässt Thomas Zieler das kurze, doch an Dramatik und künstlerischer Auseinandersetzung so reiche Leben des mitteldeutschen Dichters in Wort und Musik aufleuchten. Den Worten von Novalis selbst sind Lieder zur Seite gestellt, die Vahid Shahidifar eigens dafür komponiert hat, und die von Friederike von Krosigk einfühlsam gesungen, von heute aus Brücken bauen zum Verständnis des Dichters, wie das Ensemble Theatrum der Staßfurter Volksstimme mitteilte.

Chorkonzert und Ausstellung

Liedermacherin Ina Friebe lädt am Pfingstmontag um 10.30 Uhr gemeinsam mit ihrem Hohenerxlebener Singekreis zum Chorkonzert unter dem Motto "Die Farben des Lebens" ein.

Darin integriert ist die Eröffnung der diesjährigen Ausstellung. Der Ascherslebener Künstler Frank Nitsche zeigt "ein Bild aus jeder Schaffensphase" und gewährt dabei überraschende Einblicke in seine künstlerische Vielfalt und Entwicklung.

Eine Anmeldung ist für alle Veranstaltungen unbedingt erforderlich, teilte die Schloss Theatrum Herberge Hohenerxleben Stiftung mit. Karten für das Scheunenkonzert sind im Restaurant "Die Gute Stube" erhältlich. Zu den übrigen Veranstaltungen ist der Eintritt wie immer frei, um Spenden wird gebeten. Anmeldung per Tel. (0 39 25) 98 90 20.