Eine kleine Familienrarität schlummert im Textilgeschäft von Yvonne Kramer-Herbst in Groß Börnecke. Oder besser: Sie nickt. Die Rede ist von einem Weihnachtsmann. Keine gewöhnliche Deko-Figur. Der Bärtige mit dem roten Mantel kann aufgezogen werden, wackelt mit seinem Kopf und steht Jahr für Jahr im Schaufenster. Das Besondere: Die Figur ist schon älter als 80 Jahre und eng verbunden mit der Geschichte eines Ladens, der seither in Familienbesitz ist.

Groß Börnecke. Vermutlich wurde die Pappfigur selbst gebaut. Dass muss vor mehr als 80 Jahren gewesen sein. Damals gehörte der Laden dem Opa von Yvonne Kramer-Herbst. "Er war Schneider und führte den Laden noch auf dem Rüsternberg", erinnert sich die Enkelin. Möglicherweise hat ihr Großvater seiner Weihnachtspuppe auch den roten Mantel verpasst. Sicher steht fest: Der Weihnachtsmann wurde in den 1930er Jahren von Hand gefertigt.

Auch wenn nicht bekannt ist, wer genau der Erfinder war, so zeugt die Konstruktion von keiner maschinellen Fertigung. Denn das historische Weihnachtspuppen-Kunstwerk ist hohl und auch ein Rücken fehlt. Umwickelt ist der Körper unterm Mantel mit Zeitungspapier. Ein Datum ist darauf nicht erkennbar, trotzdem lassen Papier und Schrift Schlüsse auf das hohe Alter der Figur zu. Im Inneren ist die damals eingebaute Technik noch voll funktionsfähig. "Es befindet sich ein Uhrwerk drin", weiß Yvonne Kramer-Herbst.

Familienbetrieb in dritter Generation

Noch heute zieht sie es in der Weihnachtszeit gern auf. Dann läuft die kleine Maschine geschätzte drei Stunden. Zeit, in der der Weihnachtsmann vorbeigehende Bürger mit einem Nicken begrüßt. Denn noch immer hat er seinen Platz im Schaufenster des Textilgeschäfts sicher. Das ist mittlerweile in die Mittelstraße umgezogen und wird in dritter Generation geführt.

Leistungen und Waren, die angeboten werden, haben sich über die Jahre verändert. Einst als reine Schneiderei geführt, kamen später Textilien dazu. Seit 1994 steht Yvonne Kramer-Herbst hinter der Ladentheke. Sie ist mit dem Geschäft groß geworden, die gelernte Verkaufsstellenleiterin hätte sich keinen anderen Beruf vorstellen können. Der Familienbetrieb ist ihr wichtig, genauso wie die Pflege damit verbundener Traditionen. Und die leben vor allem in der Weihnachtszeit wieder auf.

Der Weihnachtsmann trägt dazu bei. Ihn weg zu geben, würde Yvonne Kramer-Herbst nicht in den Sinn kommen. Zu sehr ist der lustige Geselle mit dem rotbackigen Gesicht und den braunen Glasaugen mit dem Geschäft verwachsen, hat er seinen Platz neben anderen Artikeln des Sortiments in der Auslage sicher, erinnern sich auch die Kunden. Vor allem die älteren Leute kennen die Figur noch von früher, weiß die Inhaberin und berichtet, was sie dann sagen: "Als Kinder standen wir schon vor dem Laden und der Weihnachtsmann hat damals schon so schön genickt."

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