0,74 Prozent des Stroms in Sachsen-Anhalt kommen aus Sonnenenergie. Aus Sicht der Grünen viel zu wenig. Sie wollen, dass der Anteil an Solaranlagen deutlich erhöht wird. Um zu zeigen, dass man dafür nicht auf Großinvestoren warten muss, gibt es seit einigen Jahren Initiativen zu Bürgersolaranlagen. Der Stendaler Kreisverband der Grünen lud zu diesem Thema zu einer Info-Veranstaltung ein.

Stendal. Wie Bürgersolaranlagen funktionieren und welche Vorteile aus solchen Vorhaben erwachsen, erklärte am Mittwochabend Dorothea Frederking, energiepolitische Sprecherin des Landesverbands der Grünen Sachsen-Anhalt. Sie berichtete von der Bürgersolaranlage in Magdeburg, die 2006 auf dem Dach der Salbker Grundschule installiert wurde. Frederking selbst ist eine der gut 50 Privatpersonen, die sich dabei in einer GbR zusammengeschlossen haben.

Klare Vorteile aus ihrer Sicht: "Die Stromerzeugung ist in Bürgerhand, wir leisten selber einen Beitrag, um die Energiewende voranzubringen, und es ist die demokratischste Form der Energieversorgung", so Frederking. Der Solarertrag liege bei 31 300 Kilowattstunden pro Jahr, entspreche damit mehr als dem Jahresstromverbrauch von zehn Haushalten. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist, die Anteilseigner bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Vergütung.

Verbunden mit der Bürgersolaranlage, die 2008 den Solarpreis der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie gewann, sind Bildungsprojekte in eben der Schule, auf deren Dach die Solarpaneele gebaut wurden.

Ob Bürgersolaranlagen in Stendal eine Chance haben? Wenn man sich das Interesse an der Veranstaltung anschaut, wohl kaum. Nur eine Interessentin abseits von Presse und Einladenden hörte sich die Ausführungen an.

Adolf Gröger vom Kreisverband der Grünen sieht in Stendal ein "enorm hohes solares Potenzial", das bis heute nicht richtig genutzt sei. Bürgersolaranlagen sieht er genau wie seine Kollegin aus dem Landesverband als gute Möglichkeit, den Anteil regenerativ erzeugten Stroms zu erhöhen. Geeignete Dachflächen gebe es in Stendal ausreichend, sagt Gröger und verweist vor allem aufs Stadtseegebiet.

Und tatsächlich beschäftigt sich einer der großen Vermieter, die Städtische Wohnungsbaugesellschaft, intensiv mit dem Thema Solarenergie. Wie SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik auf Volksstimme-Nachfrage erklärt, sei die Option Bürgersolaranlage aus seiner Sicht allerdings mit zu vielen Ungewissheiten behaftet. Vielmehr strebe man an, sich mit professionellen Betreibern zusammenzutun und Dachflächen zu verpachten. "Fest steht, dass wir in dieser Richtung etwas machen werden, es ist ein sehr interessantes Metier und wir haben ja genügend große Dachflächen", so Jircik.

Ein offenbar erfolgreiches Projekt namens Bürgersolaranlage gibt es als Verein in Chemnitz. Dort wurde 2007 eine Anlage auf dem Dach einer Schule in Betrieb genommen. Die Stadt Chemnitz unterstützt solche Initiativen mit der Bereitstellung von kommunalen Dachflächen. Sie ist dem "Klimabündnis der europäischen Städte" beigetreten und damit nach eigenen Aussagen "eine Selbstverpflichtung eingegangen, die Emissionen von CO2 pro Einwohner bis zum Jahr 2010 zu halbieren und später schrittweise zu senken". Ein Beitrag dazu sei eben die Etablierung der Photovoltaik in der Stadt.

www.adolf-groeger.de www.buergersolaranlage- chemnitz.de