Stendal/Schönhausen (ge/sl). Gegen 16 Uhr endete am Dienstag die Fahrt des Busses, der Schüler aus dem Tangermünder Gymnasium und der dortigen Sekundarschule in ihre Heimatorte östlich der Elbe bringt, auf der B 107 am Ortseingang von Fischbeck. Der Bus war defekt.

Auch der Sohn von Katrin Seiptius aus Sydow saß in diesem Fahrzeug und fand sich kurz nach dem unplanmäßigen Ende der Busfahrt mit allen anderen Schülern am Straßenrand wieder. Der Busfahrer hätte die Kinder informiert, dass er nicht weiter könne und ihnen gesagt, sie sollten ihre Eltern anrufen, damit diese sie abholen, gibt Frau Seiptius wieder, was ihr Sohn berichtete, nachdem er vom Vater dort abgeholt worden war.

Ein Junge, ein Schüler der fünften Klasse, habe sich sogar zu Fuß auf den Weg nach Schönhausen gemacht. In dem elf Kilometer entfernten Dorf wohnt seine Oma. Andere Kinder aus dem Bus seien in die "Teppichdomäne" – ein Geschäft im Gewerbegebiet unweit der Stelle, an dem der ausgefallene Bus stand – gegangen, "um nicht bei zweistelligen Minustemperaturen im Freien warten zu müssen", bis sie abgeholt werden.

"Das ist unverantwortlich. Was hätte da alles passieren können?", fragt Katrin Seiptius in ihrem Brief. Die Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass die Menschen, in deren Obhut sie ihre Kinder geben, dieser Verantwortung auch in so einer Situation gerecht werden.

Erst einmal Luft holen musste Verbandsbürgermeister Bernd Witt aus Schönhausen, der sich in den letzten Wochen um eine Verbesserung des Schülerverkehrs bemühte und auch selbst morgens eine Tour zu den Tangermünder Schulen mitfuhr. Wenn dem so wäre, sei das eine Unverfrorenheit des Fahrers, die Kinder einfach sich selbst zu überlassen. "Egal, ob minus zwölf oder plus 25 Grad – so etwas darf niemals passieren! Dafür gibt es auch keine Entschuldigung! ", so Witts erste Reaktion Allerdings wolle er auch hören, was der Busfahrer sagt, "um sich ein objektives Bild machen zu können". Der Zwischenfall sei zumindest ärgerlich, weil einige Probleme mit dem neuen Busfahrplan bereits geklärt wurden und weitere Verbesserungen mit dem neuen, ab 10. Januar 2011 geltenden Plan umgesetzt werden sollen.

Die Verantwortung dafür trägt die Stendalbus GmbH. Das Unternehmen ist bekanntermaßen seit dem 1. November für den Schülerverkehr im Landkreis zuständig und war in den vergangenen Wochen wegen des teils chaotisch verlaufenden Systemwechsels im Schülerverkehr hart kritisiert worden (die Volksstimme berichtete).

In der Stendaler Mobilitätszentrale von Stendalbus ging gestern Iris Heim ans Telefon, als die Redaktion in dem geschilderten Fall nachhakte. Die Mitarbeiterin bestätigte den Vorfall, über den die Mobilitätszentrale zum Zeitpunkt des Anrufes der Volksstimme bereits informiert war. Zuerst einmal entschuldige sich das Unternehmen für den Vorfall. Der Sache werde nachgegengen, versicherte die Stendalbus-Mitarbeiterin. Ein Subunternehmen sei auf dieser Linie im Einsatz und mit den Vorwürfen bereits konfrontiert worden. "Wir haben aber noch keine Rückantwort", sagte Iris Heim gestern gegen 14 Uhr.

Fakt sei, dass in Fällen wie dem geschilderten, die Kinder die Möglichkeit haben müssten, im Bus zu bleiben, bis ein Ersatzbus vor Ort ist.

Dass sie diese Möglichkeit nicht gehabt hätten, wagt Dirk Rößler, Geschäftsführer von Stendalbus, nicht zu behaupten. Er sprach am gestrigen späten Nachmittag mit dem betreffenden Busunternehmer. Nach dessen Aussagen hatte der Busfahrer den Bus verlassen, um zu versuchen, den Defekt zu beheben. Als er wieder in den Bus einsteigen wollte, seien die Kinder schon weg gewesen. Dirk Rößler: "Mir ist versichert worden, dass es sich um einen sehr zuverlässigen Fahrer gehandelt hat, der die Kinder keinesfalls sich selbst überlassen hätte."