Kraftvolle Stimmen erfüllten am Freitagabend die Stendaler Katharinenkirche. Die Maxim Kowalew Don Kosaken zogen das Publikum mit russischen Volksweisen und mit Kirchenliedern in ihren Bann. Und sie sangen auch deutsch.

Stendal l "Wow!" Gleichermaßen anerkennend und staunend registrierte Viacheslav Yeromin, Dirigent und Moderator der Maxim Kowalew Don Kosaken, den Mut des Stendaler Publikums und die Textsicherheit großer Teile von ihm. Als der Chor am Freitagabend als Zugabe das von Johannes Brahms vertonte "Wiegenlied" anstimmte, fielen die Zuhörer in das "gute Abend, gute Nacht ein" und bescherten sich selbst ein Gänsehautgefühl.

Yuri Yukushev erzählt im tiefen Bass eine Klosterlegende

Dieses Gefühl hatte eine Reihe der rund 140 Konzertbesucher bereits in den vorangegangenen 110 Minuten durchlebt, beherrschten doch mächtige Stimmen die Katharinenkirche. Die sieben Sänger präsentierten sich facettenreich mit großartigen Stimmlagen, tiefschwarzen Bässen und klaren Tenören.

Im ersten Teil rückten die Künstler die russisch-orthodoxe Kirchenmusik in den Vordergrund. So erklang beim "Lobet den Namen des Herrn" ein vielstimmiges Halleluja. Anschließend "erzählte" das Kosaken-Ensemble eine "Klosterlegende", bei der Yuri Yakushev mit seiner Bassstimme überzeugte. Er sorgte anschließend bei den bekannten "Abendglocken" für ganz besondere Glockentöne.

Bei ihrem Auftritt verharrten die Sänger in den schwarzen Kosaken-Uniformen fast wie angewurzelt auf ihren Plätzen, kamen mit geringer Mimik und Gestik aus. Lediglich ein Schritt nach vorn bei Solodarbietungen und eine kurze Verbeugung danach sorgten für Bewegung. Mit einem Lied auf die Gesundheit ihrer Zuhörer mit dem Titel "Auf viele Jahre" verabschiedete sich der Chor in die Pause.

Kalinka bietet Mitklatsch-Garantie und Temposteigerung

Mit russischen Volksweisen kehrte er zurück. Und mit Instrumentalbegleitung. Anatoli Kunitski hatte sich ein Akkordeon umgehängt und spielte munter drauflos. Ein Kosakenlied und ein Kosakenmarsch sorgten für Schwung, ließen im Publikum erste Füße mitwippen.

Deren Zahl nahm gegen Ende des Konzertes zu, beispielsweise bei "Katjuscha". Das anschließende "Kalinka", wohl bekanntestes russisches Volkslied des Abends, bot schließlich Mitklatsch-Garantie und die Gewähr auf eine musikalische Temposteigerung.

Klar, dass das Publikum danach die Don-Kosaken nicht einfach so von dannen ziehen ließ. Es erklatschte sich die "Wiegenlied"-Zugabe und damit den eigenen Sangeseinsatz.

In den Gesang fiel auch Brigitte Klawin ein. Die Wolmirstedterin darf durchaus als Groupie der Maxim Kowalew Don Kosaken bezeichnet werden, auch wenn sie mit dieser englischen Umschreibung für einen besonderen weiblichen Fan nicht viel anzufangen weiß. Seit nunmehr 15 Monaten reist die 78-Jährige dem Chor hinterher. "Bei Konzerten im Umkreis von ungefähr 50 Kilometern bin ich dabei", berichtet die Rentnerin, die seither mit Büchern und einer Fernsehsendung ihre Russisch- kenntnisse auffrischt.

"Groupie" ist sich sicher: Musik hat die Seele gesund gemacht

Nach dem Tod ihres Mannes habe sie nicht mehr wirklich gelebt, am Sinn des Lebens gezweifelt. Aber als sie dann im Mai des Vorjahres ein Konzert des Ensembles in Wolmirstedt erlebte, habe die Musik sie wieder aufgebaut, erzählt Brigitte Klawin und erklärt: "Die Musik hat meine Seele gesund gemacht." Die Konzerte sind nun für sie eine Art Kur und inzwischen, versicherte sie, "könnte ich alle Lieder mitsingen".

Da dürfte man sie wohl erneut in Stendal sehen, wenn die Maxim Kowalew Don Kosaken hier wieder einmal ein Gastspiel geben. Die Chancen dafür scheinen so schlecht nicht. Schließlich schätzte Viacheslav Yeromin ein: "Die Katharinenkirche hat einen schönen Klang."