Salzwedel (pn) l Es war ein erstes Abtasten im Kampf um den begehrten Platz im Bundestag. Die Wirtschaftsjunioren Altmark hatten das erste Podium für die Bewerber um das altmärkische Direktmandat zur Bundestagswahl organisiert. Im Publikum des Salzwedeler Hansehofes saßen vor allem Unternehmer und Kommunalpolitiker. Sie sollten sich ein Bild von den Kandidaten machen.

Wirtschaftsförderung, Fachkräftemangel, Infrastruktur und Energiepolitik - die Wirtschaftsjunioren legten den Fokus auf Themen, die sie als junge Unternehmer interessieren. Wie hält man junge Menschen hier? Wie gewinnt man die gut ausgebildete Fachkräfte und bewegt sie, hier eine Familie zu gründen? Ein wichtiger Faktor ist die Kinderbetreuung.

René Schernikau (Piraten) kritisierte, dass sich die Politiker in den neuen Bundesländern zu lange auf dem flächendeckenden Angebot ausgeruht hätten. "Die alten Bundesländer haben uns was die Qualität bei der Kinderbetreuung anbelangt, überholt", sagte er. Christian Franke (Grüne) kritisierte, dass der Betreuungsschlüssel zu gering sei.

Streit gab es, als es zum Thema Kosten kam. Markus Faber (FDP) meinte, dass für Kinder aus Familien, bei denen die Eltern arbeitslos sind, ein halber Tag Betreuung reichen würde. Es sei nicht gerecht, dass arbeitende Eltern mitzahlen müssten, damit die Kinder einen ganzen Tag betreut werden. Schließlich seien die arbeitslosen Eltern den ganzen Tag zu Hause und könnten somit einen halben Tag selber auf ihren Nachwuchs aufpassen.

"Kinder müssen gleichbehandelt werden", sagte dagegen Katrin Kunert (Die Linke). Auch Marina Kermer (SPD) kritisierte die Auffassung Fabers. "Die Chancen müssen für alle Kinder gleich sein", sagte Kermer. Oft hätten Kinder aus benachteiligten Familien viele Talente. Doch diese müssten erkannt und gefördert werden.

Jörg Hellmuth (CDU) hielt sich dagegen bei dem Thema bedeckt. Ohnehin antwortete er eher knapp und zeigte sich relativ ruhig. Als René Schernikau Landrat Michael Ziche für das Rufbus-Konzept im Altmarkkreis Salzwedel lobte und vorschlug dieses in Stendal zu übernehmen, reagierte Hellmuth aber unwirsch und erhob seine Stimme. "Das gibt es schon seit Jahren. Was Sie teilweise...", stoppte er abrupt.

Was die Infrastruktur angeht, zeigte sich Hellmuth optimistisch, "dass wir bis 2020 bayerische Verhältnisse in der Altmark haben könnten." Breitband-Ausbau und Autobahnbau seien dafür wichtige Voraussetzungen. Katrin Kunert forderte die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen für die Menschen in der Altmark. Ein großes Investitionsprogramm soll helfen. "Die Zeiten sind vorbei, wo jemand mit der großen Geldgießkanne vorbei kam", entgegnete ihr Marcus Faber. René Schernikau sagte: "Man kann nicht in Regionen, wo wenig Menschen leben, etliche Millionen reinpumpen."