Lebensfroh ist Peter Damian. Und sterbenskrank. Seit Mitte November lebt er im Stendaler Hospiz – hier hat er dank warmer Fürsorge seinen Lebensmut wiedergefunden und ist jeden Tag aufs Neue dankbar dafür.

Stendal. "Drei Tage haben Sie noch." Als das ein Arzt zu Peter Damian sagte, brach für ihn eine Welt zusammen. Ein Schlaganfall hatte ihn vor eineinhalb Jahren aus seinem Leben gerissen, da wurden plötzlich weitere Krankheiten diagnostiziert. Peter Damian wusste: Er würde bald sterben.

Aus den drei Tagen sind noch viele Wochen geworden. Mitte November entschied sich Damian, ins Hospiz zu gehen. "Ich wusste ja gar nicht viel darüber, nur dass das irgendwas mit den Diakonissen zu tun hat. Sicher wissen viele Leute nicht genau, was hier eigentlich getan wird."

Peter Damian ist so dankbar für all die menschliche Nähe, die Fürsorge und den Respekt, der ihm zuteil wird, dass er diesen Dank auch öffentlich aussprechen möchte. Deshalb hat er die Zeitung eingeladen. Die Menschen sollen wissen, dass einen Ort gibt, wo man in Würde dem Tod begegnet. "Wenn ich nicht ins Hospiz gegangen wäre, gäb‘s mich jetzt nicht mehr", sagt Peter Damian und schaut mit einem wachen Blick voller Dankbarkeit zu Pfarrer Ulrich Paulsen.

"Jeden Morgen, wenn ich aufwache, bin ich dankbar"

Der ist selbst erstaunt über den Wandel, den Peter Damian seither gemacht hat. "Wenn ich daran denke, dass ich Sie anfangs als Wrack erlebt habe, und Sie nur schwach und müde im Bett lagen ..." Auf die Uhr habe Damian immer geschaut – als ob er auf den Tod wartete.

Aber dann war der prophezeite dritte Tag vorbei. Und jetzt fährt Damian sich im Rollstuhl selbst durch die Räume des Hospizes. Und wenn er nicht kann, dann wird er geschoben. "Wenn ich rauchen will, rollen sie mich raus auf die Terrasse." Dann geht‘s ihm gut. Auch seit er weiß, dass er Wünsche äußern darf und seine so geliebte Hausschlachteleberwurst bekommt oder ein Glas saure Gurken, wenn er Appetit drauf hat.

Wenngleich es schlechte Tage gibt, Peter Damian fühlt sich richtig wohl. Er liest viel, romantische Gedichte vor allem, schaut den anderen bei Gesellschaftsspielen zu. Es scheint, als ob Peter Damian noch einmal richtig Ja zum Leben sagt. Am 25. Dezember feierte er seinen 62. Geburtstag, drei Wochen vorher hat er geheiratet – im Hospiz. 27 Jahre hatte er da schon mit seiner Ursula zusammengelebt. Das Foto von der Hochzeit am 3. Dezember hängt über seinem Bett im Hospiz, das Brautpaar von der Torte, die ihm die Schwestern gebacken haben, steht auf seinem Nachtschränkchen.

Natürlich, sein altes Leben lebt Peter Damian hier nicht, aber er sagt: "Jeden Morgen, wenn ich aufwache, bin ich dankbar, dass ich hier sein darf. Weil ich einen Platz gefunden habe, wo man mich umsorgt." Zu Hause wäre das nicht mehr gegangen, die Medikamente und Spritzen, und wenn ihm dann plötzlich wieder die Luft wegbleibt ... Seine Frau besucht ihn täglich, eine befreundete Familie fährt mit ihr aus Tangermünde nach Stendal. "Dafür danke ich Frau Brack, dass sie das so uneigennützig macht." Außer den Schwestern schaut regelmäßig auch eine Studentin ehrenamtlich vorbei. "Sie bringt mir Musik und kleine Geschenke mit", sagt Damian und wirkt glücklich. Und auch sonst bekommt er viel Besuch, seine Schwester Karin und sein Schwager Manfred wollen ihn sehen.

Mit den anderen Hospizbewohnern ist er per du, man kommt gut miteinander aus. Damian fühlt sich frei, sagt, er hat seine innere Ruhe gefunden. Auch mit der Kirche hat er seinen Frieden gemacht. Er ist wieder eingetreten – auch das erst, seit er im Hospiz ist. "Weil ich dankbar bin für alles, was mir hier gegeben wird."

"Ich will bald wieder eine Nacht zu Hause verbringen"

Dem Sterben begegnet er ohne Angst. Wenn er mitbekommt, dass im Hospiz jemand gestorben ist, wenn der Bestatter wieder im Haus ist, dann sagt er sich: "Da kommste auch mal hin." Er scheint gelassen. Auch seit er weiß, dass seine Frau allein für sich sorgen kann.

Peter Damian weiß, wie es um ihn steht. Trotzdem: Sterben will er noch lange nicht. "Ich hoffe, dass es bald wärmer wird. Damit ich mal wieder für eine Nacht nach Hause kann."