Hunderte Menschen waren am Heiligabend in die St. Stephanskirche gekommen. In der Nachmittags-Christvesper wurde ihnen das Krippenspiel geboten – die Junge Gemeinde hatte es in den vergangenen Wochen einstudiert.

Tangermünde. "Unsere Welt hat zwei Klimaprobleme", sagt Pfarrer Jürgen Weinert am Heiligabend. In seinen Worten an die Gemeinde und die vielen Besucher des Gotteshauses erinnert er in der Christvesper an die Umweltkatastrophen der vergangenen Monate – weit weg in Pakistan und ganz nah in Ost-Sachsen. Dringend, so sagt er, müsse etwas gegen die Erderwärmung getan werden.

Und er spricht von einem zweiten Klimaproblem – der Abkühlung des Klimas zwischen den Menschen. Das Miteinander werde immer kälter, der Umgangston rauher, die Anonymität steige, "selbst in so einer kleinen Stadt wie Tangermünde". Auch dieses Klima rufe nach Verbesserung und jeder könne seinen Teil dazu beitragen.

Das wirre Klima setzt sich am Heiligabend in der Kirche fort. Denn auch das Krippenspiel, das die Junge Gemeinde bietet, beginnt mit einem zerrütteten Ehe-Dasein. Josef will und kann nicht verstehen, wie seine Frau Maria schwanger werden konnte. Er vermutet Untreue. Sie zieht sich verletzt zurück. Josef sucht den Kontakt zu Gott, bittet ihn um Antwort auf seine Fragen. Die bekommt er: Ein Scheinwerfer strahlt direkt in Josefs Gesicht, während ihm eine Stimme erklärt, dass Maria einen Sohn unter ihrem Herzen trage, der als der Heiland geboren werde.

Noch immer verwirrt, doch mit einer Antwort ausgestattet, macht sich Josef zusammen mit seiner Frau auf den Weg nach Bethlehem. In einem Gasthaus treffen sie nacheinander ein – Josef und Maria, die Hirten und Könige. Der Wirt ist genervt ob der immer gleichen Geschichte von einem hellen Stern und der Geburt des Erlösers. Sein einziger Stammkunde hingegen folgt den letzten Besuchern – den Königen –, weil jetzt auch er sehen möchte, ob tatsächlich ein Kind in der Krippe liegt.

Die Geschichte, die Christian Sadel, Mitglied der Jungen Gemeinde, in diesem Jahr für das Krippenspiel geschrieben hat, ist viel ursprünglicher als die der vergangenen Jahre. Er hat Josef und Maria nicht in das Heute gesetzt, sie wandern nicht durch eine Stadt zu Wendezeiten, Josef arbeitet nicht auf einer Baustelle. In diesem Jahr gibt es sie wieder – die Hirten, die Könige (als Astronomen) sowie Josef und Maria.

"Wir sind ein wenig zurückgerudert", hatte Matthias Schulz – er spielt in diesem Jahr den Josef – zu einer der Proben zum Krippenspiel gesagt. Zu modern sei das Stück in den vergangenen Jahren gewesen, zu viele Menschen hätten im vergangenen Jahr ihren Unmut geäußert – nicht direkt, doch über Umwege kam er bei der Jungen Gemeinde an. "Wir sind gespannt, wie die Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr aussieht. Letztes Jahr waren wir zum ersten Mal hier in der Kirche und absolut beeindruckt von der ganz anderen Art", erzählen Anja und Ralf Remmelin. Das Paar aus Berlin verbringt einen Teil der Weihnachtszeit bei ihren Eltern in Tangermünde.

Es ist kein traditionelles Spiel, das Krippenspiel am Heilig-abend. Die Hirten sprechen jugendlich unvollständig, einer der Könige wissenschaftlich kompliziert, Wirt und Wirtin eher gewöhnlich, Josef und Maria die Sprache, die jeder versteht. Ein Stück also, das Menschen verschiedener Schichten zusammenführt, zumindest für etwa 30 Minuten für ein Miteinander auf der Bühne sorgt.

Die Weihnachtsgeschichte ist fast so, wie sie wohl viele haben wollen. Nur sind sie in diesem Jahr nicht mehr alle dabei, die vielen Besucher, die sonst am Heiligen Abend für eine volle Kirche sorgten. Ob das Wetter oder andere Faktoren der Grund dafür sind, bleibt unbekannt. "Uns hat auch diese Variante sehr gut gefallen", sagt das junge Paar aus Berlin und verschwindet in den Weihnachts-abend, zurück zu den Eltern und dem erst wenige Wochen alten Sohn.

Begleitet wird das Krippenspiel auch dieses Jahr wieder vom Engelschor unter Leitung von Kantor Christoph Lehmann.