Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal beschäftigen sich derzeit mit Stendals Jugendkultur in der Zeit von 1950 bis 1990. Unter anderem werden Interviews mit Zeitzeugen geführt.

Stendal l Was haben Stendaler Jugendliche in der DDR in ihrer Freizeit unternommen? Wo haben sie sich getroffen? Welche Musik war bei ihnen angesagt? Diesen und anderen Fragen wollen Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal in ihrer Studie "Jugendkultur in Stendal" nachgehen. Dabei blicken sie auf die Jahre zwischen 1950 und 1990. Ihr Interesse gilt dabei vor allem der Frage, wie sich das jugendkulturelle Leben in den verschiedenen Jahrzehnten geäußert hat.

Dazu sollen Menschen interviewt werden, die in besagter Zeit in Stendal und Umgebung gelebt und ihre Jugendphase hier verbracht haben, als sie zwischen 15 und 25 Jahre alt waren. In den Gesprächen geht es um persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, insbesondere um Orte (zum Beispiel Jugendzentren, Cafés, Kneipen, öffentliche Plätze), um Veranstaltungen (zum Beispiel Konzerte, Tanz- und Sportfeste) und um Musik, Kleidung und Jugendstile. Zu erzählen gibt es sicher viel über die Tanzabende im "Waldfrieden" oder im "Klubhaus der Jugend", über Konzerte angesagter regionaler Bands wie "Olympia", über Veranstaltungen in den neuen Jugendklubs im Stadtseegebiet, sicher auch über zentrale Jugendtreffen zu Pfingsten auf der einen Seite und Jugendarbeit in kirchlichen Gemeinden auf der anderen.

"Es geht in den Interviews auch um Einstellungen gegenüber Jugendlichen in der jeweiligen Zeit und deren Interessen und Engagement", erklärt Prof. Dr. Günter Mey, der die Studie leitet. Ferner sei interessant zu erfahren, "inwieweit es auch zu Konflikten und Problemen gekommen ist".

Die Gespräche werden mit Video aufgezeichnet. Geführt werden die Interviews in den kommenden Wochen - und zwar im Studio des "Offenen Kanals", der als Kooperationspartner gewonnen werden konnte, sowie zusätzlich bei einem "Stadtspaziergang", um sich einen möglichst lebendigen Eindruck von den Jugendorten und dem damaligen Jugendleben zu machen. Die Termine werden individuell abgesprochen.

Geplant ist, dass am Ende der Studie die Ergebnisse öffentlich präsentiert werden: "Wir arbeiten gerade die Konzepte aus, wie wir den stadtöffentlichen Raum dafür nutzen könnten, um die Jugend-Geschichte(n) greifbar zu machen", so Professor Mey, der bereits Ausstellungen im Rahmen des "Angst(frei)-Festivals" und "Heimatperspektiven" in Stendal realisiert hat. Für diese Präsentationen sollen möglichst viele Dokumente (Fotos, Filmaufnahmen, Plakate, Zeitungsberichte, Ton-/Musikaufnahmen) aus der jeweiligen Zeit hinzugezogen werden.