In diesen Tagen wird die Einlagerung der Ende November angelieferten Castoren im Zwischenlager Gorleben abgeschlossen. Steter Beobachter der Vorgänge ist auch ein Altmärker: Rüdiger Kloth aus Aulosen ist dort tätig.

Gorleben/Aulosen l Rund 20000 Polizisten, ungefähr genauso viele Demonstranten, elf Castorenbehälter, ein Ziel. "Es ist erstaunlich, wie schnell wieder Ruhe eingekehrt ist", sagt Rüdiger Kloth einige Tage, nachdem der Transport mit den Atommüllbehältern das Zwischenlager in Gorleben erreicht haben. Der Aulosener ist seit 1998 bei der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Und das aus Überzeugung. "Bevor ich hier anfing, habe ich mich schon erkundigt, worum es geht und entschieden, dass es das Richtige für mich ist", erzählt er. Er schloss sich auch einer Besuchergruppe an, ließ sich informieren und überzeugen. Mittlerweile führt er selbst Besucher durchs Informationshaus an der Lüchower Straße am Rande Gorlebens. Das wurde 1980 errichtet, um den aufkommenden Protesten etwas entgegenzusetzen.

Sachlich erklärt Kloth, dass Verträge Deutschland dazu verpflichten, den Atommüll aus Frankreich zurückzunehmen, seine Firma die Castoren entwickelt hat und somit lediglich Vereinbarungen auf möglichst sichere Art erfüllt werden. Modelle von Glaskokillen, in denen die Brennstäbe transportiert werden, und Castoren verdeutlichen dem Besucher - unterstützt von Schautafeln und kurzen Filmen -, was zwischen der Aufarbeitung des Atommülls und der Einlagerung in Gorleben passiert.

Eindrucksvoll wird im Film beispielsweise die Sicherheit eines Castorbehälters demonstriert. Er wird von Brücken geworfen, muss eine Detonation überstehen, und schließlich rast auch noch eine Lokomotive in den Behälter. "Es wurde alles simuliert, was auf dem Transport von der Aufbereitungsanlage ins Zwischenlager passieren kann", sagt Kloth.

"Wir sind wie eine Mannschaft, die gut spielt und keiner mag."

Auf einer Grafik wird gezeigt, wie sich die Strahlung des Castors mit zunehmendem Abstand verändert. Drei Faktoren sind es, die für Kloth die Sicherheit ausmachen: Abschirmung, Abstand und Aufenthalt. Gemeint ist, einen Schutz zwischen sich und dem Strahlenmaterial zu haben, nicht zu dicht und nicht zu lange dran zu sein. Die Grenzwerte der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), die das Zwischenlager betreibt, lägen unter den gesetzlichen Vorgaben. Und die würden nie überschritten. Strahlung an sich sei nichts Ungewöhnliches.

"Die gibt es auch in der Natur", betonte er. Menschen, die mit dem Flugzeug unterwegs seien, würden kosmischer Strahlung ausgesetzt, wer in seinem Badezimmer Granit habe, könne mit einem Geigerzähler einen Ausschlag registrieren. Er könne aber auch jeden verstehen, der mit der Atomenergie nichts am Hut oder Ängste habe, so wie die Castor-Demonstranten. "Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigene Meinung", ist für ihn ein Grundsatz. Was ihn allerdings stört, seien Proteste, die sich auf falsche Informationen gründen. Und er sieht die GNS nicht als das richtige Ziel von Demonstrationen. Schließlich erfülle die Firma nur den Auftrag politischer Entscheidungen. Ein Kollege habe es einmal so formuliert: "Wir sind wie eine Mannschaft, die gut spielt, aber die trotzdem keiner mag."

Ob sich das Arbeitsfeld in Gorleben noch ausweiten wird, kann Kloth angesichts der neuen Standortsuche für ein Endlager nicht sagen. In Gorleben wäre man vorbereitet, die zur Endlagerung notwendige Pilot-Konditionierungsanlage steht bereits. "Technisch", da ist er sich sicher, "gibt es keinen Ausschlussgrund."

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