FDP-Stadtrat Werner Ackermann aus Bottmersdorf ist stocksauer. Die, wie er sagt, "während der Dorferneuerung für viel Steuergeld" entlang der Kirchenmauer gesetzten Sträucher sind am Montag in einem Ruck herausgezogen worden. Ortschef Hans-Dirk Sill erklärte auf Nachfrage, dass damit den Gemeindearbeitern die Grünflächenpflege erleichtert werden soll.

Bottmersdorf l "Was für eine Steuergeldverschwendung", schimpft FDP-Stadtrat Werner Ackermann. Als er Montagvormittag aus seinem Bürofenster schaut, traut er seinen Augen nicht. "Mit einem Kran und einem Seil ist entlang der Kirchenmauer Strauch für Strauch aus dem Erdboden gezogen worden", erzählt er. 29 Forsythiensträucher wurden entfernt. "Nach diesem langen Winter war es einfach nur schön, dass die Sträucher geblüht haben. Und dann das. Alle Sträucher sind weg, jetzt soll hier nur noch Rasen wachsen", erzählt er.

Das hätten seine Recherchen ergeben. Ortsbürgermeister Hans-Dirk Sill hätte ihm erklärt, dass die Rodung auf Beschluss des Ortschafts- rates erfolge. Die Entfernung der Sträucher soll den Gemeindearbeitern die Grünflächenpflege künftig erleichtern, habe ihm der Ortschef erklärt. Gegenüber der Volksstimme erklärte Hans-Dirk Sill, dass der Ortschaftsrat dem "Rückbau der Bepflanzung" zum einen entlang der Kirchenmauer sowie an der Böschung des Regenrückhaltebeckens geschlossen seine Zustimmung gegeben habe. "Um den Gemeindearbeitern die Bewirtschaftung der Flächen zu erleichtern", argumentierte Sill. Er könne sich die Aufregung um die Aktion nicht wirklich erklären. "Bleibt die Grünflächenarbeit in den Orten liegen, regen sich die Bürger auf, versucht man die Arbeiten zu vereinfachen, damit die Bauhofmitarbeiter auch alle Flächen schaffen, regt sich auch bloß Widerstand", merkte er an.

Was Werner Ackermann an der Strauchrodung im Prinzip am meisten ärgert ist die Tatsache, dass jene Sträucher einst für viel Steuergeld in den Boden gebracht worden waren. "Und zwar im Zuge der Dorferneuerung. Da gab es für die Straßen- und Gehwegsanierung sogar extra einen Bepflanzungsplan, in dem jeder einzelne Strauch eingezeichnet war", erinnert sich der Stadtrat. Damals habe es für die Baumaßnahme sehr detaillierte Auflagen gegeben. "Auch zur Bepflanzung." Zum einen für den Streifen entlang der Kirchenmauer und zum anderen für das Regenrückhaltebecken am Dorfplatz. "Bereits vor der Gehwegsanierung zog sich entlang des Kirchengeländes ein Fußweg. Jedoch reichten die Platten damals noch bis an die Mauer heran. Die Reinigung des Weges ging leicht von der Hand. Doch mit der Dorferneuerung mussten die Platten entfernt und ein Grünstreifen angelegt werden. Die Forsythien wurden gepflanzt. Natürlich müssen solche Sträucher hin und wieder auch einen Pflegeschnitt erhalten. Das ist mit Arbeit verbunden. Aber Rasenmähen auch. Die Rechnung und das Argument, dass sich die Grünflächenpflege entlang der Mauer nun einfacher gestalten soll, geht für meine Begriffe nicht ganz auf."

Und Ackermann wettert weiter: "Ständig liegen wir dem Bürger auf der Tasche; und hier werden erst Steuergelder eingebuddelt und anschließend wieder herausgezogen. Das ist kaum zu glauben. Da hätten wir das Geld auch gleich verbrennen können."

Wann allerdings mit dem Entfernen der Sträucher entlang der Böschung des im Ortskern gelegenen Regenrückhaltebeckens begonnen wird, konnte Ortschef Sill nicht sagen. Die Aktion war zwar für Montag geplant, wurde dann aber doch kurzfristig auf Eis gelegt.

Gemeindearbeiter Jörg Krückemeier warb derweil um Verständnis. "Damals, als die Begrünung geplant wurde, hat man bestimmt nicht damit gerechnet, dass es 2013 kaum noch Mitarbeiter geben wird, die sich um die Pflege kümmern können. Beim Rasenmähen hält so eine Bepflanzung wirklich ziemlich auf."

Derzeit seien für fünf Gemeinden (inklusive Bottmersdorf) sechs Bauhofmitarbeiter zuständig. "Im Sommer sind wir sogar nur fünf", sagte Krückemeier. Vor zehn Jahren wären in Bottmersdorf mindestens noch zehn zusätzliche ABM-Kräfte im Einsatz gewesen. "Mit den Jahren sind es dann immer weniger geworden. Seit zwei Jahren haben wir gar keine Ein-Euro-Jobber mehr im Ort", erklärt der Ortsbürgermeister.

Die Frage, wie viel Geld denn im Zuge der Dorferneuerung vor rund 15 Jahren in Bottmersdorf für jene Begrünung verbuddelt wurde, konnte Bauamtsleiter Olaf Küpper nicht beziffern. "Die Summe wird sich aber im vierstelligen Bereich bewegen", erklärte er. Er stellte auch klar, dass das "grüne" Gestaltungsrecht einzig und allein in den Händen der Ortschaftsräte liege."Fakt ist, dass wir heute tatsächlich eine andere personelle Situation vorfinden, als noch vor 15 Jahren, als die Bepflanzung in Bottmersdorf geplant worden war. Deshalb ist die Entscheidung des Ortschaftsrates, die Sträucher zu entfernen, um den Bauhofleuten die Bewirtschaftung an dieser Stelle zu vereinfachen und Kosten zu sparen, auch nachvollziehbar."

Montagabend ruderte die Gemeinde in einem Punkt zurück. 20 von 29 Forsythien konnten samt Wurzelwerk gezogen werden. Sie sollen nun doch nicht wie geplant am 30. April beim Maifeuer verbrannt, sondern an der Sarre neu eingepflanzt werden.

   

Bilder