Stadtrat Hubert Friepörtner fordert für den Hohendodeleber Sportplatz eine "Notfalltür" nachdem ein Rettungshubschrauber abdrehen musste, weil der Notarzt nicht ohne ein Klettern über den Zaun zum Patienten gekommen wäre. Er schätzt die Kosten für den Umbau auf rund 1000 Euro.

Hohendodeleben l Die Helikopter der Deutschen Luftrettung (DRF) fliegen bundesweit täglich rund 100 Einsätze. Von 28 Stationen aus bringen die Piloten die Rettungsärzte und deren Assistenten so nah wie möglich an den Einsatzort. Erst vor kurzem war die Rettungscrew zu einem Notfall nach Hohendodeleben gerufen worden.

"Hier hätte nach meinem Kenntnisstand der Hubschrauberpilot gern den Fußballplatz in Hohendodeleben als Landeplatz genutzt, um von hier aus den Patienten in der nahe gelegenen Siedlung aufzusuchen", berichtet CDU-Stadtrat Hubert Friepörtner. "Der Mann sollte mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden", erzählt er weiter. Der Pilot sei dann aber auf den Platz am Wiesenteich ausgewichen. Der Arzt und sein Assistent hätten dann den beschwerlichen Weg bis zum Patienten zu Fuß zurücklegen müssen, berichtet er.

Luftretter befürworten die Idee der Nottür

"Hätten sie auf dem Sportplatz landen können, wären sie definitiv näher am Einsatzort gewesen. Da der jedoch außerhalb des Trainings- und Spielbetriebes verschlossen ist, scheidet das Areal als Landemöglichkeit aus", erklärt Friepörtner.

Der Stadtrat ist deshalb der Ansicht, dass das Verriegelungssystem der Sportstätte dringend geändert werden müsse, damit für den Hubschrauberpiloten im Notfall künftig auch der Sportplatz als Landemöglichkeit in Frage kommen könnte. "Umso mehr Plätze dem Piloten bei der Navigation vor Ort zur Auswahl stehen, desto besser", meint der Rat. Als Lösung schlägt er nun für den komplett umzäunten Sportplatz den Einbau einer Notausgangstür vor. "Die Rettungscrew könnte nach der Landung durch diese Tür ohne weiteres vom Platz zu den Patienten eilen. Die Kosten für so eine Nottür, die sich nur von innen öffnen lässt, schätze ich auf maximal 1000 Euro. Zur Rettung von Menschenleben sollte diese Summe wohl eher als Peanuts zu bezeichnen sein. Als Stadtrat der Einheitsgemeinde würde ich mich für solch eine Lösung einsetzen wollen", erklärt er.

Den Vorschlag mit der Notfalltür für den Hohendodeleber Sportplatz findet auf Nachfrage Ordnungsamtsleiterin Sylvia Dammering grundsätzlich gut. "Als Stadtrat hat Herr Friepörtner die Möglichkeit, das Vorhaben als Antrag einzureichen. Die Stadt als Eigentümerin des Sportplatzes würde diesen dann prüfen", sagte sie zu. Ihres Wissens nach hätte im gesamten Stadtgebiet keine einzige umzäunte Sportstätte, wie beispielsweise das Börde-Stadion, solch eine "Nottür".

"Das gibt es so in der Stadt noch nicht", sagte die Amtsleiterin. Friepörtners Initiative begrüßt auch Hohendodelebens Ortswehrleiter Jörg Drebenstedt. Er erinnert sich, dass in der Vergangenheit ein Helikopter doch mal auf dem Sportplatz gelandet war und der Notarzt anschließend über den verschlossenen Zaun hechten musste. "Er ist dann samt seiner Notfallausrüstung über die Umzäunung geklettert, und hat sich dann seinen Weg zum Patienten durch die Kleingärten der Gemeinde gebahnt", erzählt der Feuerwehrmann. Ein anderes Mal habe der DRF-Pilot die Crew vor dem Feuerwehrgerätehaus aussteigen lassen, erzählt er.

Petra Hentschel, Pressesprecherin der Deutschen Luftrettung, meinte gestern gegenüber der Volksstimme, dass die "Notfalltür"-Idee des Stadtrates eine gute sei. "Dass ein Sportplatz verschlossen ist, kommt eher selten vor. In den meisten Fällen sind die Fußballplätze, die sich tatsächlich gut als Landeplatz eignen, frei zugänglich. Es ist von Vorteil, wenn geeignete Plätze für den Hubschrauber verfügbar sind und es nicht an einem Schloss scheitert."

Hubschrauber benötigt ein freies Areal von 20 mal 20 Meter

Auf die Frage, nach welchen Kriterien Piloten einen Landeplatz suchen würden, erklärte die Sprecherin, dass der Helikopter eine Freifläche von 20 mal 20 Meter benötigt. "Die Piloten kennen sich in ihren Einsatzgebieten per se ganz gut aus. Das liegt daran, dass ein Rettungshubschrauber ein Einsatzgebiet von rund 60 Kilometer abdeckt und die Piloten allein schon dadurch gute Ortskenntnisse haben. Auf dem Weg zum Einsatz steht dem Piloten ein Navigationssystem zur Verfügung, das Landemöglichkeiten dreidimensional anzeigt. Beim Navigieren wird der Pilot im Cockpit zudem vom Rettungsassistenten, der für diesen Part eine Spezialausbildung hat, unterstützt. Das Team hat zudem Karten an Bord und fliegt und landet immer auf Sicht."

   

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