Zu mehreren Beiträgen in der Klötzer Volksstimme und zu einem Leserbrief am 26. Oktober:

"Leider unterläuft Herrn Koelmann gleich zu Beginn seiner Ausführungen ein Fehler, indem er behauptet, die von mir in einem Leserbrief vom 22. Oktober zitierten Daten des Bundeslandwirtschaftsministeriums beinhalten auch ,Lebendimporte aus anderen Ländern’. Das ist nicht der Fall. Vielmehr betont das BMELV ausdrücklich, dass es sich nur um in Deutschland gemästete Schweine handelt. Die genannte Publikation kann nicht nur im Internet eingesehen werden, sondern auch als Broschüre kostenlos beim Publikationsversand der Bundesregierung bestellt werden. Der Titel lautet ,Die deutsche Landwirtschaft – Leistungen in Daten und Fakten, Ausgabe 2010’. Die von den Bentheimer Herrren vorgetragenen Zahlen zur Rückläufigkeit der Schweinebestände in Deutschland sind danach definitiv falsch.

Herr Koelmann führt weiter aus: ,Aus unserer Heimatgemeinde müssen Nährstoffe für etwa 3000 Hektar importiert werden, im gesamten Landkreis für etwa 11 000 Hektar. Das kostet Geld und verteuert die Produktion.’ Wie kann der Export, also der Verkauf eines Produkts, seine Produktion verteuern? Normalerweise erzielt man über den Verkauf einer Ware Erlös, der die Produktionskosten überschreitet. Lösung der Preisfrage: Es handelt sich bei diesen Nährstoffen um Gülle, die die Betreiber der dortigen Mastanlagen offenbar im eigenen Landkreis nicht mehr unterbringen können und die sie deshalb ins Ausland verfrachten müssen. Das steigert natürlich die Kosten. Der Zustand ihrer Böden lässt offenbar eine noch größere Güllebelastung nicht zu, und nun wollen sie – ganz uneigennützig – uns beglücken. Und genau das ,Produkt’, das sie aus ihrer Heimatgemeinde nach eigenen Angaben für teures Geld ins Ausland schaffen müssen (darf man hier ,entsorgen’ sagen?), beabsichtigen sie, wieder nach ihren eigenen Angaben, hierzulande für zehn Euro pro Kubikmeter zu verkaufen.

Ein Kommentar bleibe dem Leser überlassen!

Um die Zahl der notwendigen Transporte zu ermitteln, nimmt Herr Koelmann einen Anfall von 1,5 Kubikmeter Gülle pro Mastplatz und Jahr an. Bei drei Durchgängen pro Jahr heißt das, die Summe der Ausscheidungen eines Schweines und des zur Reinigung des Stellplatzes sowie zum Transport der Gülle über Rohrleitungen zum Tank benötigten Wassers in der gesamten Mastperiode dürfte ein Volumen von 500 Litern nicht überschreiten. In einer Untersuchung der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Versuchsgut Köllitsch, heiß es: ,Ein Mastschwein soll während der Mastperiode täglich sechs Prozent seines Körpergewichts in Form von Kot und Harn mit zehn Prozent TS ausscheiden.’ Und weiter: ,Der Anfall von flüssigen und festen Exkrementen hängt in der Haltungspraxis in hohem Maße vom variablen Futter- und Wasserverbrauch (Aufnahme und Verschwendung durch die Tiere) sowie vom Reinigungsaufwand (Einweichen und Reinigung mit Hochdruck) ab.’

Es bleibt mir schleierhaft, wie Herr Koelmann sein eigenes Limit einhalten will. Außerdem ging die beanstandete Überschlagsrechnung vom Transport mit Fahrzeugen aus, die ein Ladevolumen von maximal 20 Kubikmeter haben. Nun sollen solche mit 24 Kubikmeter eingesetzt werden, die natürlich größer und schwerer sind. Wie sich das auf den Straßenzustand des Immekather Weges in Kunrau auswirken würde und welches Verkehrschaos an den Kreuzungen in Kunrau, Jahrstedt und Zicherie bei der Durchfahrt vieler solcher Kolosse entstünde, mag jeder selbst ermessen. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass jedem Transport zwei Fahrten entsprechen, eine leer und eine beladen.

Ein Wort noch zu den ,Aussagen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger’, wie Herr Koelmann die präsentierten Gutachten beziehungsweise Prognosen nennt. Ich hatte in meinem Leserbrief nicht behauptet, sie seien widerlegt, sondern erwähnt, dass sie mit einem Rechenbeispiel der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Keiner der Gegner der Schweinemastanlage hat übrigens den Ausdruck ,Gefälligkeitsgutachten’ benutzt. Dieser Begriff wurde erst jetzt – durch Herrn Koelmann – in die Debatte eingebracht. Wir werden allerdings, davon bin ich überzeugt, nicht die Gelegenheit bekommen, die verschiedenen Rechnungen in der Praxis zu überprüfen.

Der aktuelle Sachsen-Anhalt-Monitor schreibt den Altmärkern zu, sie seien ,kritischer, skeptischer und nüchterner’ als die Menschen im übrigen Lande, die Verbundenheit mit der Region, ihre Heimatliebe also, sei bei ihnen am ausgeprägtesten.

Sie werden nicht zulassen, dass ihre Heimat, die ihnen teuer ist, dem Gewinnstreben Bentheimer Investoren zuliebe beschädigt und verunstaltet wird. Über 1200 Bürger haben bereits ihre Unterschrift gegen dieses unsägliche Projekt gegeben. Sie werden für ihre Rechte als Bürger kämpfen!"

Günter Zogbaum, Kunrau