Seinen traditionellen Jahresabschluss feierte der Bergverein aus Hüttenrode am Sonnabend im Zechenhaus in der Bahnhofstraße. In Anlehnung an die Bergmannstraditionen wurde die Veranstaltung "Mettenschicht" genannt.

Hüttenrode. Die Sprache der Bergleute ist schon schwierig. Was andernorts Vereinsheim heißt, ist in Hüttenrode das Zechenhaus, statt eines "Guten Tag" gibt es zur Begrüßung ein "Glück auf". Und eine Jahresabschlussfeier heißt auf bergmännisch "Mettenschicht". Bloß gut, dass das zur Feier des Tages gekochte Gulasch im Kessel noch Gulasch hieß.

Andreas Pawel, der Berghauptmann - also der Vereinsvorsitzende, nutze die Gelegenheit, auf einige Höhepunkte des Jahres des Vereins hinzuweisen. Er nannte die Bergparade in Blankenburg, die zahlreichen Besichtigungstouren in heute noch aktive Bergwerke, aber auch den weiter voranschreitenden Ausbau des vereinseigenen Zechenhauses, das früher einmal als Stellwerk der Bahn diente.

"Dieser Wein ist etwas ganz Besonderes"

Und gerade in Letzterem hat sich viel getan. Ganz besonders auffällig sind zwei Bilder im Treppenhaus. Jenes vor der oberen Etage zeigt die Grube Braunesumpf in einem so genannten isometrischen Raumbild. Es ist nicht maßstabsgerecht, dokumentiert aber genau die Lage der einzelnen Bergwerksbereiche im Vergleich zur Erdoberfläche.

Ein weiteres Bild zeigt einen Teil des schweren Bergmannsalltags. Und gemalt hat es ein Vereinsmitglied - der 78-jährige Willi Barthauer. Gerührt nahm er eine ganz besondere Ehrung für seine Arbeit entgegen: ein Flasche Weißwein mit dem Namen "Goldener Steiger". Und dies ist kein Etikettenschwindel, denn der Wein hat wirklich etwas mit dem Bergbau zu tun. Die Reben, aus denen der Wein gewonnen wird, wachsen in der Saale-Unstrut-Region auf einem Boden, der bis vor einigen Jahren noch für den Bergbau genutzt wurde. "Der Tropfen ist ein Zeichen für eine sinnvolle Nutzung der einstigen Mondlandschaften", erklärte Andreas Pawel, der darauf verwies, dass es sich wegen der geringen Anbaufläche um einen recht seltenen Tropfen handele.

Nach der Ehrung für Willi Barthauer begaben sich die Vereinsmitglieder und deren Gäste an die frische Luft. Dort wartete bereits das eingangs schon erwähnte Kesselgulasch auf den Verzehr. Und ein kräftiger Schluck sowie ein Bierchen durften zu dieser Bergmannsmahlzeit auch nicht fehlen.

Trotz der Mettenschicht ist bei den Hüttenröder Berg(bau)freunden für 2010 noch nicht "Schicht im Schacht". Bereits am gestrigen Sonntag traf man sich wieder, um an einer Bergparade in Bad Suderode teilzunehmen. Eine noch etwas längere Tour wird es am kommenden Wochenende geben, denn am 19. Dezember fahren die Hüttenröder ins "gelobte Land". Das scheint sich um einen neueren Begriff der Bergmannssprache zu handeln, denn gemeint ist das Erzgebirge. "Dort ist es wesentlich einfacher, die bergmännischen Traditionen zu pflegen als im Harz", kommentierte Andreas Pawel den ungewöhnlichen Begriff. Ziel der Tour am kommenden Sonntag wird übrigens der Ort Annaberg sein.

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