Edda Grossman ist am Donnerstagabend mit dem Kunstpreis der Stadt Wernigerode geehrt worden. Die gebürtige Kölnerin lebt und arbeitet seit Jahren in Veckenstedt. Ihr künstlerisches Schaffen strahlt weit über den Harz hinaus.

Wernigerode l Ist es Zufall oder nicht, dass Edda Grossman an dem Ort ausgezeichnet wurde, der optisch seit Jahren von einem ihrer Werke geprägt ist? Im Rathausaal hängt das dreiteilige Bild, das die Künstlerin anlässlich der 775-Jahr-Feier Wernigerodes malte.

"Uns allen gefällt das Gemälde sehr", sagte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), bevor er Grossman den Kunstpreis der Stadt überreichte. "Mit diesem Preis zeichnen wir Menschen aus, die sich mit ihrer Kunst in der Region verdient gemacht haben", sagte der Stadtchef. "Wie Sie."

Dabei stammt Edda Grossman gar nicht aus dem Harz. Die Vollblut-Malerin, wie sie sich selbst bezeichnet, wurde 1958 in Köln geboren, studierte später an der Hochschule der Künste in Berlin, wo sie Meisterschülerin von Prof. Karl Oppermann wurde. Bevor sie ihren Lebens- und Schaffensmittelpunkt nach Veckenstedt verlegte, führte sie ihre Arbeit unter anderem nach Frankreich und Spanien. In Veckenstedt eröffnete sie dann die Kunstmühle - ein Ort, an dem Musik, Theater, Literatur, Kunst und Tanz miteinander verschmelzen.

Porträt, Landschaft, Stilleben, plastische Arbeiten, Objektbemalungen - ihr künstlerisches Schaffen ist vielseitig und ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie auch die Preisverleihung im Rathaussaal. Fünf Laudatoren, die jeweils fünf Minuten Zeit hatten, über die Künstlerin und ihr Werk zu sprechen - und die zeitlich alle überzogen.

Dr. Christian Juranek bezeichnete Grossman als Künstlerin des Verborgenen. Auf den ersten Blick seien ihre Werke schwer zugänglich, auf den zweiten jedoch entstehe ein wilder Kosmos aus Strichen und Farben mit beinahe wissenschaftlichem Inhalt. "Man kann ihre Bilder nehmen und sich daran erfreuen, oder man kann sie deuten und verstehen", sagte der Kunstexperte und Chef der Schloss GmbH.

Dr. Wibke von Banin, Kunsthistorikerin und langjährige Freundin von Edda Grossman, lobte sie als "große Porträtmalerin" mit "frecher Farbigkeit". "Du bist noch immer jung und lebendig, hast dir deinen kritischen Blick erhalten."

Musikwissenschaftler Prof. Elmar Budde erinnerte an eine Porträtsitzung mit der Künstlerin. "Nach zwei Stunden war das Bild fertig. Es war ein merkwürdiges Erkennen. Ich fühlte, dass ich es bin, und glaubte mein Musizieren im Bild zu fühlen." Er sei ihr dankbar, dass sie ihm diese Perspektive des Sehens eröffnet habe. Kunstsammlerin Jutta Osterhof bewunderte ihre Neugier auf die Menschen und ihre Geschichten. "Deine Kunst erfreut mich, bringt mich zum Lächeln und geht mir unter die Haut." Schauspieler Domenik Bender schließlich verriet, ihm sei schon früh klar gewesen, dass aus seiner Jugendfreundin eine Künstlerin werden würde. "In Ehrgeiz und Fleiß warst du uns allen überlegen."

Gerührt nahm Edda Grossman den Preis entgegen und trug sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt ein.